Bubikopp

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Recht nommen, kreeg dat met de Emanzenpassion erst so in de 1930-er Jaohren den rechten Dreih. Fraulüü, de et wuohl wietten wollen, leiten sick in de Frisiersalons en Bubikopp maaken un keeken up maol heel änners debi drin. Nix mehr dao met lange Haore, Knoten, Zöpfe orre Dutt. Naodeln, Spangen, Brennschiärn flögen uut de Kamern. Stattdem dai et en Kamm. Knapp üöwer de Ohren, dat wör de moderne Frau nu an Haore genoog.

De Mannslüe keeken heel verstellt debi. Gott Dank gaff et weinßens noch wat Rüschen an de Röcke. Doch nao en Krieg, twintig Jaohren laater, wör dat so mit Ende van de 1950-er Jaohren auk vörbi. Dao leipen de ersten Fraulüe nu auk all in Buxen. „Beinkleider“, nu ja, dao satt weinßens noch so wat an Leidenschaft bi drin. Ansüss höölden de Kerls nu biätter iähr‘n Schnüss.

Söwwsst Oma woll daomaols all gern met de Tiet gaohn. Immerto dat Knotenbinden wör Änne leed. Also lööt se sick en Bubikopp schnie’en. As iähren lütken Enkel dat söhg, sach dat Kerlken: „Oma, du siehs nu gar nich mehr aus wie ne alte Frau.“

„Kind, wenn du dat män weeß“, freide Änne sick, „wie seh ich denn nu aus?“ „Wie en alten Mann.“

Nich mehr äs dree Dage

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Kardinal Galen (1878 – 1946) wör ja bekanntlick vör de Nazis nich bange. Man säch em nao, dat he üm de Ostertiet to de Clemensschwester Laudaberta (sie hatte inoffizielle Informationen, die Anlass für die berühmten Galen-Predigten waren) up guet Platt maol sächt härre: „Angst? För Christen duurt up Ostern hento de Angst män bloß dree Dage.“ Wat ’n Satz.  

Nix keggen de schönen bunten Ostereier. Schön, wenn se Freud un Farwe brenget, besönners nu, wenn de Sönne wier höhger stich. Doch alleene doot et de bunten Eier auk nich. Ostern, dao sitt mehr in. Dat woll so auk wuohl den Lüöwen van Mönster säggen. Nu kann nich jedereen glieks so eenen es Galen sien. Un doch könnden wi Christenmensken to Ostern es maol düssen Satz sacken laoten. För Christen duurt siet Ostern de Angst män bloß dree Dage…

Nich dat de Angst demit uut de Welt is, aower et sitt ächter all dat Bangemaaken mehr noch, wat us nich heelmaol inknicken lött. Well sick an so wat uprichten kann, wäd wuohl nich glieks minnmöötsk (kleinmütig). So eenen es Hölderlin (1770 – 1843) sach: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ So guet dat Rettende auk van buuten her is, so düch de Huopnung van binnen her nich minner wat. Papst Johannes XXIII göng met Kardinal Galen liek, as he bekannde: Well glöff, bibbert nich.

Guet so. So schmecket auk sicher de Ostereier noch maol so guet.

Maolerie

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Man sall gar nich meinen, wat se sick bi de Maolerie nich all’s so tesammenpinselt. Ick mott dao all bi knippäögeln. Kunstbanausen rullt gar met de Aogen. Well lück schwuor van Begriff is, slött den Kopp daobi in en Nacken. Giff jä auk nix, wat et nich giff. Et giff Üölgeschinken, Frescos, lück Affstraktet orre auk Gemälde naturnah samt naive Maolerie. Schminken könnde dao an sick wuohl auk all bi mitmaaken. Et sall mi wünnern, wo dat mehr noch wuohl alle so hengeiht met de Künsten. Nu ja, Hauptsaake, se sind de alle guet bi tofriär.

Dat lött sick van den Maoler Klecksorius wuohl so säggen. He kennt kien schöner Werks äs siene Pinselkünsten. Dao is he in so ’n Achterstüöfken alltiets met togange. Dat Krippken steiht heelmaol vull met siene Belder. Dao mäck et auk nix, wenn wat Belder maol koppüöwer hanget. Dat draff man alle so knapp nich nemmen. „Alles eine Frage der Perspektive“, so Klecksorius. Kick. So geiht all’s auk noch up Bildung heruut.

Bi sovull Kunstgedoo harre Klecksorius nu gar dat Glück, dat he sick sien eegen Atellje inrichten konn. Bi den Umzug keek he pingelig derup, dat et debi auk kunstgerecht togöng. He harre dao niämlicks noch en ganz frisk Beld up de Latten staohn. As en Müöbelpacker sick dran gaff, den heelen Kraom afftohaalen, wiesede Klecksorius up sien Beld un sach. „Vorsicht. Mit diesem Bild gehen Se bitte besonders sorgsam um, die Farbe ist noch nicht ganz trocken.“ Daorup wünk de Kerl in siene Latzbux schwank aff un brabbelde: „Kiene Bange, ick häb aolt Tüüch an.“ Oh, oh, oh. Härre he so wat doch bloß nich sächt. Glieks göng et hauch debi her.

Nu denn. Antlest göng et Klecksorius in sien nie Attelje biätter äs vörher. Et gaff all „Öffnungszeiten“ bi em. Up dat Matinee dao wören nich weinige nieschierig. Wecke putzten sick de Brillen, ännere dreihden sick vör de Belder hen un her un meinden: „Interessant, interessant.“

Auk Klespers Mia woll sick mit iähren Huusfrönd up en Sunndagnaomeddag es wat bi Klecksorios ankieken. Nu ja, maol wat änners. Se wiesede heel närrsk up en Beld, stott’e iähren Kerl an un spröök: „Nu kiek doch bloß so wat es! De Baime, de Appels an de Tööge, all dat noch so fien! Dao sitt guet Farwe in. Nä, dat mock säggen, Klecksorios kann de wuohl wat von, meins dat nich auk?“ Konrad, well aolldages an de Schüppe Vörarbeiter in en Tiefbau wör, nickoppede, doch wünk he dann aff un sach: „Jajaja. Aower so en Kerl häff jä nu auk nix änners to doon.“

 

Die plattdeutschen Bücher von Otto Pötter aus dem Aschendorff Verlag
sind immer wieder was Feines von hier

De Tiet, de Tiet

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„Tick, tick, tick…“, ja, de Tiet, de Tiet. Stunden, Dage un Jaohre, man kann de nix an dreihen. De Tiet vergeiht. So sach fröher all de Buer an de Taofel (Tisch): „Ick gönn ju ja gerne wat to iätten, aower de Tiet, de Tiet!“

Et schinnt, wi harren et met de Tiet immer all in en Knüpp. Et baselt den eenen noch mehr äs den annern. Aower wu wi et uk angaoht, wi laupet de Tiet nich devon. Kieneene kann debi uutscheren. Et geiht vöran un et giff kien Terügge. Wi könnt se nich packen, de Tiet. Un doch packt wi de us into. Wi willt egaol tovull. Un glieks is et all wier een Hassebassen.

In Klausters gaoht se de änners mit üm. Wu dat? Se haollet Ordnung. Orden, dat Wort kümp jä von Ordnung. Wat de Tiet anlangt, häbt se daoför ’n guet Maot: Ora et labora. Nu kann nich jedereene glieks so fromm dör de Welt laupen. Doch off fromm orre nich, de Uhren gaoht för alle liek. Wu wi de aower bi ticket, dat lich nich an de Uhren, dat lich an us. In de Klausters geiht et mehr so nao de Uhrenkastenpendel. Immer sachte an. Bloß aff un an gongt et. Dat is nich bloß guet för de Nerven, in de Klausters sind se dao allemaol guet bi tofriär.  

Un usereen? Bi so wat es „Zeitmanagement“ moss ne Mutter Oberin gar maol luuthals lachen. Üm mehr Tietgewinn villicht gar fixer noch schlaopen? Se wünk aff bi so unwiese Ticktacktaktik. So möök man sick doch bloß sömms wat vörwies. Je mehr Tiet se insparden, ümso weiniger härren se doch devon! Hiärt un Siäl kaimen de gar nich mehr mit. Ümso mehr wollen nu gar de Mensken. Doch jüst dat dömpte de Besinnung. Daobi wäre et an sick ganz eenfach: Eenfach de Tiet Tiet sien laoten un dat doon, wat jüste naidig wäre. Dann göng et.

Wat? Dat göng nich? Oh, dao moss de Mutter Oberin aower wier lachen! De Tiet bleef, wat se wäre. Sach aower de Mensk: „de Tiet vergeiht“, so sach de Tiet: „de Mensk vergeiht.“ Oh, dao göng nu jüst gar de Gong bi.

Volles Haus zur plattdeutschen Dämmerstunde mit Otto Pötter im Heimathaus Raesfeld

von Ruth Beering, Raesfeld – 7. Februar 2020

Bild: Heimatverein Raesfeld

Der Heimatverein Raesfeld hatte zusammen mit dem örtlichen Bildungswerk zur plattdeutschen Dämmerstunde mit dem Schriftsteller Otto Pötter aus Rheine eingeladen. Vor vollem Haus und bei stimmungsvollem Licht servierte der Autor aus Rheine mit lebhafter Gestik und in unterhaltend ansprechender Art und Weise plattdeutsche Feinkost. Dabei gab er köstliche Häppchen aus seinem Buch „Heile, heile Hänsken“ zum Besten.

     So machte er mit seinem anrührenden Gedicht „Ich sin de wier“ nach langer Abwesenheit auf die Rückkehr in seinen Heimatort aufmerksam, in dem sich nach Jahren viel gewandelt hatte und er „de Tiet nich mehr trügge dreihen“ konnte. Liekers wör he froh, wier to säggen: „Ick sin de wier“.

     Neben Besinnlichem, was Herz und Seele fein berührte, unterhielt Otto Pötter die zahlreichen Gäste auch famos mit kurzweiligen Geschichten und Gedichten. So, als er beispielsweise aus „Käthes Kurzwarenladen“ erzählte, wo es nicht nur „Knöppkes un noch maol Knipp-, Knapp-, Knöppkes“, sondern obendrein immer noch manch guten Rat fürs Leben gab. Auch „de Schüötte von Möhn Marie“ war für alles gut, aber nicht nur „äs Pottlappen“, sondern ebenso zum „Hande affwisken, Fleigen wegbandieseln und Schnöttern van de Kinder“. Köstlich!

     Bei dem kurzweiligen Vortrag von Otto Pötter zeigte sich der Autor als Meister brillianter Alltagsgeschichten, in denen Facetten des täglichen Lebens aufleuchten, humorvoll aber auch „sachtsinnig“, stets mit einem feinen Gefühl für das Besondere. So sind auch seine Bücher nicht nur „einfach mal was auf Platt“, sondern etwas Besonderes für jeden heimischen Bücherschrank und beste niederdeutsche Lektüre. Dass er es – wie heute kaum ein anderer – „drauf hatte“, bewies der Meister des Plattdeutschen fabelhaft an diesem schönen Abend. Die Zuhörer waren vom Dämmerstündken begeistert und dankten mit viel Applaus.