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14.12.2012 – Leserbrief von Ludwig Köster zur plattdeutschen Kolumne Hackemaih

Glückwunsch zur Verleihung des Kulturpreises der Stadt Rheine! Diese hohe Ehrung gönne ich Ihnen von Herzen, denn Sie haben sich um die plattdeutsche Sprache verdient gemacht. Ich lese mit Wonne Woche für Woche Ihre famose Kolumne „Hackemaih“ in der Münsterländischen Volkszeitung. Chapeau! Zwar ist meine Muttersprache nicht Plattdeutsch, ich bin so aber ein Freund dieser wunderbaren Sprache geworden und deklariere die Texte immer laut vor mich hin. Ich wundere mich, über welchen Fundus an Formulierungen Sie mit Ihrer brillianten Sprachkompetenz verfügen. So wird Sprache auf höchstem Niveau gepflegt. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken.

Ich bin mir sicher: Ihre plattdeutschen Alltagsgeschichten gehören künftig (schon jetzt!) zu den Klassikern der plattdeutschen Sprache!

 Freundlich grüßt Ihr treuer Leser Ludwig Köster, Rheine – 14.12.2012


22.11.2018 – Leserbrief von Dr. Heinz Janning zur plattdeutschen Kolumne Hackemaih

Ihre plattdeutschen Alltagsgeschichten in der Münsterländischen Volkszeitung gehören für mich seit Jahren zum festen Lesevergnügen am Wochenende. Auch dieses Mal habe ich mit Schmunzeln, aber auch mit einigem Nachdenken über die Vielgestaltigkeit der Schöpfung, Ihren exzellenten Beitrag über die Arche Noah gelesen. Kompliment, mit welch treffsicheren Worten Sie dass alles so schön natürlich ins Plattdeutsche für uns schreiben!

Darum möchte ich Ihnen heute – auch im Namen vieler anderer Leser, von denen ich weiß, wie sehr sie Ihre Geschichten schätzen – ein großes Dankeschön für all die schönen Zeitungskolumnen übermitteln. Ihre Beiträge sind immer wieder plattdeutsche Hochgenüsse!

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Schaffenskraft und auch ansonsten alles Gute.

Herzliche Grüße, Dr. Heinz Janning, Wettringen – 22.11.2018


Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes

Maiausgabe 2013, Seite 45 – 46

„Bei all den plattdeutschen Publikationen des Münsterlandes nimmt Otto Pötter aus Rheine eine ganz besondere Stellung ein. Völlig zu recht, denn er zaubert virtuos mit der so wunderschönen plattdeutschen Sprache… Dieser Autor erleichtert das plattdeutsche Lesevergnügen auch für Ungeübte. Deshalb sollte man seine Bücher nicht allzu tief im Bücherschrank verstecken, sondern immer mal wieder mit Lust und Laune zur Hand nehmen.“

Foto: MVZ Rheine

Foto: MVZ Rheine


Rezension von Heinz Withake

Geistl. Rat und Rottendorf-Preisträger 2010

Otto Pötter ist ein Mundartdichter, der warmherzig und „richtig schön“ schreibt – und das immer mit einem Augenzwinkern. Kommen die amüsanten Geschichten und Gedichte auch noch so leicht daher, nie spricht aus ihnen ein leichtsinniger Umgang mit der Sprache; für das Plattdeutsche geradezu wohltuend! Ihm liegt daran, den Leser auf Augenhöhe anzusprechen und dabei die kulturelle Würde im Ausdruck hörbar zu machen. Der Autor hat die Gabe, Worte abzuwägen, ja, sie im besten Sinne auf die Goldwaage zu legen, um dann Wertvolles daraus zu kreieren. Geradezu „goldig“, was da so alles bei herauskommt, iäben nich eitel, aower doch mit Scheitel…Es sind literarische Köstlichkeiten; Geschichten und Gedichte, die von Kennern schon heute zu den künftigen Klassikern der plattdeutschen Sprache gezählt werden dürfen.

Der Autor aus Rheine geht dem Leben auf den Grund und malt mit der hiesigen Umgangssprache wunderbare Geschichten voller Witz und Lebensweisheit, die auch modernen Zeitgenossen außergewöhnliches Lesevergnügen bereiten. Die Episoden sind wie bunte Bilder des täglichen Lebens, farbenfroh, lebendig und ausdrucksstark; andere aber sind wie leise Lieder, aus denen wunderbar Vertrautes klingt. Leser und Zuhörer spüren, der, der da schreibt oder spricht, der nimmt unsere Heimatsprache ernst, er achtet sie und geht behutsam mit den Worten um.

Pötter selbst sieht sich denn auch als „Schrift-steller“ im wahrsten Sinne des Wortes: Er stelle die richtigen Worte an die richtige Stelle, so sagt er selbst. Gerade auf Plattdeutsch ergeben sich daraus wunderbare Wortmalereien und Sätze, die zu Herzen gehen. Seine Geschichten und Gedichte ermuntern, geben Halt und verströmen Lebensfreude pur. Wer feinste plattdeutsche Unterhaltung und, ja Bildung sucht, der findet sie in den feinsinnigen Werken dieses plattdeutschen Philosophen aus Rheine, der schmunzelnd meint: „An sick is et doch ganz eenfach: Dat Liäben is to kuort för ’n langet Gesicht.

Foto: LWL Münster

Foto: LWL Münster


Hier schlägt das Herz des Münsterlandes

Von Matthias Schrief, Redakteur der Münsterländischen Volkszeitung

Hackemaihso lautet der Titel eines kleinen, aber feinen Buches von Otto Pötter, erschienen im Aschendorff-Verlag Münster. Es sind Alltagsgeschichten auf Plattdeutsch, die auf 128 Seiten sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken anregen. Wer ein Ohr für die plattdeutsche Sprache hat, hört in diesem schönen Buch das Herz der Westfalen schlagen.

Kein Wunder, denn in diesen unterhaltsamen Alltagsgeschichten offenbart sich die Seele des Münsterländers; hat doch der Westfale aus echtem Schrot und Korn, wenn erst einmal die dröge Oberfläche durchbrochen ist, eine ordentliche Portion Humor. Oder, wie Pötter sagt: „Humor gehört to use Platt es de Schinken up et Buotteram.“ Pötter beobachtet das Leben. Er schaut hin, er hört genau zu. So entstehen seine Geschichten. „Finnet sick dao nich immer auk noch so allerhand, wenn man bloß es genauer henkick?“ Die Krumen des Lebens nimmt er auf wie jemand, der die Erntereste des Ackers einsammelt, also nach dem Hacken und Mähen Hackemaih macht.

So wundert es auch nicht, dass Pötter Veränderungen der Zeitläufe zum Beispiel an einer westfälischen Pferdekoppel verdeutlicht. „Fanni, de Ackergaul, hät uutdennt. Vandage trappelt de Perde, fien büörstet, wiethen öewer gröne Wiesken, üm sick för dat naichste Turnier munter to haollen. Statt Arbeit hett et Pflege. Et is all sowiet, dat wi Mensken us met Perdesalbe insmeert, wenn us wat knipp. Nu ja, waorüm nich, wenn et dann helpet.“ Früher war das anders. „Kamm et bi Fanni noch up bare Kraft an, kieket de Perdenarren vandage pingelig nao Anlaot un Charakter. Hüü un Hot un Hottemax, ach, dat is vörbi. Daoför lüstet et den fienen Schimmel Aaron gar nao ’n Perdeflüsterer. Wat wör dat fröher met de stämmigen Belgier doch anners…“

Ohne klebrige Heimattümelei gelingt es Otto Pötter in seinen Geschichten immer wieder, ein unverkennbares Bild der westfälischen Heimat zu schaffen. Seine Texte bestechen durch eine sorgfältig gewählte Wortvielfalt mit Witz und Verstand. Guter Humor wechselt sich ab mit erfrischend spritziger Satire; doch es fehlt auch nicht an ernsthafter Nachdenklichkeit. Für Liebhaber der plattdeutschen Sprache ist es ein sehr empfehlenswertes Buch: Hackemaih – Verlag Aschendorff, ISBN 978-3-402-12756-8, fester Einband,128 Seiten, 14,80 Euro.


 Rezension von P. Hermann Bickel (SVD)

Otto Pötter vermittelt in seinen Geschichten und Gedichten nicht nur die Plattdeutsche Sprache, nein, er trifft ins Herz des Münster- und Emslandänders und unterhält auf’s Feinste. Ohne Schnörkel werden bei ihm die Höhen und Tiefen des Alltags mit Witz und Verstand ans Licht gebracht. Bei ihm merkt man, dass die Plattdeutsche Sprache keineswegs nur was „für alte Leute“ ist. Es zeigt sich, dass schöne Döönkes das Herz höher schlagen lassen und dass die heimische Mundart in guter Literatur detailgetreu alle Arten der menschlichen Befindlichkeiten einfangen kann.

Wer die Vielfalt und Aktualität der hiesigen Mundart entdecken und erfahren will, der kommt an diesen kreativen Autor aus Rheine nicht vorbei. Ein Zuhörer sagte es nach einer Lesung mit ihm mal so: „Üm Pötter to liäsen kann ick bloß säggen, kiek in siene Bööker, dann häs alltiets för immer wat!“ Ich kann nur sagen: Stimmt!


Buchbesprechung über Otto Pötters „Liekuut, liekan“
von Dr. Ingmar Winter

Das vorliegende und empfehlenswerte Buch „Liekuut, liekan“ von Otto Pötter singt auf 220 Seiten ein Loblied auf die plattdeutsche Sprache und unterhält alle Leser „froh und heiter“ (Widmung) mit über 50 Geschichten und Gedichten durch „feinstes Plattdeutsch auf hohem Niveau“, wie Ludger Bügener im Vorwort schreibt – so wie es der Leser der vielen Vorgänger-Bücher von Pötter gewohnt ist.

Doch einige wenige Seiten dieses neuen, vom Sohn Markus reich illustrierten Buches überraschen den durchblätternden Leser, dass trotz des plattdeutschen Buch-Titels und der Kapitel-Überschrift „An de Spraoke kenn ji de Mensken“ (S. 208-212) ein Beitrag im „Hauchdütschk“ erscheint und dieser daher in meiner Besprechung ein besonderes Augenmerk erfordert.

Bei Pötters jahrelangem Anliegen, die plattdeutsche Sprache „am Leben“ zu erhalten, erinnert er in diesen Alltagsgeschichten an das Heimatgefühl, das jede Sprache jedem Menschen gibt. Der Verlust einer Sprache sei auch der Verlust an Heimat, mache den Menschen „un-heimlich“, wie das zitierte Kafka-Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt. Pötter setzt das Hochdeutsche als Schriftsprache des kalten Kalküls und der geistigen Akkuratesse gegen das Plattdeutsche als sinnhafte Herzenssprache, die ihm als „ein uraltes Kulturgut unserer Heimat“ (S. 210) gilt.

Dieses Zentralkapitel am Ende des Buches ist Pötters schriftstellerische „Confessio“, und gemäß diesem Bekenntnis bringt er seine abwechslungsreichen Döönkes und Riemmsels in ein lesens- und liebenswertes Buch, eins zum diagonalen Durchlesen und zum kurzzeitigen Weglegen, eins zum erneuten Aufblättern und zum intensiven Lesen mit stets erneutem Vergnügen – es ist ein Buch entstanden als täglicher Begleiter durch ein ganzes Jahr, auch für den vermeintlich „unkundigen“ Plattdeutsch-Versteher, dem Sprachhilfen im Text gegeben werden. So schafft Pötter sich (nicht erst seit heute) eine Fan-Gemeinde, die als „Pötteristen“ (S. 19-21) sich den Germanisten beigesellen möge.

Eine lesefreundliche Anordnung der gut fünfzig Beiträge spricht die Leser zu jeder (Jahres-) Zeit an: Pötter is de wier! Die Kapitel werden in einer attraktiven Mischung angeboten, nicht nur thematisch, sondern auch durch Satzphrasen (z.B. von S. 167 auf 168). Sie sind auf amüsante Weise lehrhaft („Mollig Platt“) oder einfach nur als lesefreudiger Spaß („Nen unterhaltsamen Papagei“) geschrieben, und sie erzählen von alten „Sippenstündken“ und ungewollt scherzhaften Sprachmissverständnissen vor einem Hohen Gericht („Gicht un Gericht“) oder im kuriosen Alltag („De Beene von Dolores“), sie erzählen von der Jugendsprache („Ne tipptopp Redequaste“) und dem wahren Seemannsgarn („Wenn dat Seemansgarn in‘ Knüpp is“) – lustig wuohl, aower nich lachhaft!

Und in jeder Zeile ist der Autor präsent, immer steckt eine erlebte Episode (z.B. auf der Kirmis, dem Rheiner Krammarkt oder bei der „Böllenkensuppe“ der Familie) oder ein eigenes (da mögliches) Erleben dahinter, was zur Lebensdeutung eingesetzt wird, „plaseerlick un sinnig“, wie der Untertitel des Buches verspricht. Das prägt den personalen Stil dieses neuen Pötter-Buches!

Der Autor zieht den Leser in sein plattdeutsches Loblied ein, nimmt ihn als aktiven Zuhörer, ja zumeist sogar als Dialogpartner einer stillen Kommunikation. Davon zeugen die vielen Ansprachen an seine Leserschaft, die mit „kick!“ und „ufpassen!“ den Leser ins Geschehen holen. Aber auch dessen Beurteilung wird erfragt, wenn der Autor die Verwunderung dem Leser überträgt („Dat härres seihn mosst“).

Der Stil des Persönlichen prägt auch die vielen eingestreuten Gedichte, die das lyrische Ich eng mit der Lebensansicht des Autors verbinden. Pötter beweist, dass die plattdeutsche Sprache nicht nur des Humorigen à la Wilhelm Busch („Ping-Pong-Eikes“) mit Lebensweisheit („Met Odeur dadör“) oder des hintersinnigen Unsinns à la Heinz Erhardt (z.B. einige Vierzeiler S. 59f.) in gereimter Form fähig ist, dass er nicht nur das Wörtlich-Nehmen als Überraschung („Ärger met nen Sietensprung“), die geschichtliche Deutung („Nich hilliger äs hillig“) oder die pfiffige Pointe („Reinlick, aowe nich so ganz sauber“) bringt, sondern auch mit Feingefühl den hohen lyrischen Ton zum Beispiel im Stile Mörikes (S. 196) beherrscht, wie er fürs Plattdeutsche mit vielen rhetorischen Figuren („Gewitter in‘ Venn“) und neuen Reimwörtern (Sterns – niärns), mit lyrisch dramatischen Wendungen und mit schlichtem Volksliedton (vgl. S. 115-122) beweist.

Es ist ein erfreuliches Phänomen, dass Pötter die hohe klassische, von ihm „übertragene“ Lyrik nicht verballhornt, nicht zur Farce macht, wie oftmals andernorts zu lesen ist. Ihm liegt die Achtung vor dem klassischen Original mit seinem Anspruch am Herzen, so dass auch beim „Plattküern“ aus Goethes „Erlkönig“ (S. 198f.) keine billige Parodie wird, sondern eine gelungene Übertragung in die alltägliche Empfindung und Empfindsamkeit des bäuerlichen Alltags.

Die plattdeutsche Sprache kann und (vor allem) darf alles! Pötter beweist das in seinen Episoden, ob er sie aus dem religiösen („Dar vörluute Jesuskindken“) oder dem arrogant klugen Bereich („Kille Kille“) nimmt, ob er sie aus dem Spiel der Wörter (bei der Grillparty: „Wie gärt es dir? Ich hopfe gut“), dem Sprachfehler des eigenen Lehrers („Dat Che-Chedoo“) holt oder in altbekannter Weise des Plattdeutschen einen derben Ausdruck (u.a. „Met de blaute Miäse“) einsetzt.

Un wat bliff? „Liekuut, liekan“ ist ein amüsantes Buch für alle Tage, und die Leser werden nach jeder Seite des Lesens „guet tofriäer“ sein.

Dr. Ingmar Winter


Siehe die im Aschendorff Verlag Münster erschienenen Bücher:
• Liekuut, liekan
• Bömmskes & Bömmelkes
• Notizen von Fietsen un Miezen
• Hackemaih – un
• Kalennerblättkes

Über den Copy-Shop-Rheine,
(Montag bis Freitag von 10 – 12 und 15 – 17 Uhr)

ist unter der Tel.-Nr.: 0 59 71 – 40 54 15
die
Hörbuch-CD: So is se, use Art

und die
DVD: Dat Jaohr hendör – hier vör de Dör
zu beziehen