Sönnupgang

Bild: pixabay

Dat Liäben, schinnt, as woll’t nich mehr.
Dautmüö, schlaffmatt, ohn jede Kläör.
Doch schlägg wuohl nich von ungefähr
de Klock von‘ Taorn, as spröök se dör.

Blenkt auk dört Düüster noch de Sterne
un funkelt dör manch bangen Draum,
so schinnt, as kreeg dat Beld von Ferne
soiäben raut nen fienen Saum.

Et dringt gar dör dat Gries, ganz sacht,
un mengt et up, fien, pääskengiäll.
Noch is, as wehret sick de Nacht –
doch mehr un mehr wiärd et doch hell.

Nu löcht‘ et purpurn gar, füerraut.
So stigg feudal de Sönne up.
De Dag hölt Hoff, nix mehr mit Daut!
Dat Liäben krigg ’n nie’en Schub …

De Teihn Gebode up Platt

Ick sin dien Gott, dien Schutz un Schild,
drüm achte guet, wat alltiets gilt,
so is auk di et guet tomode,
mit düsse, Miene Teihn Gebode:

1. Vergötter kiene Macht der Welt;
laot trüe Mi di to Siete staohn.
Ick sin dien Gott, de to di hölt,
mit Mi döss nienich unnergaohn.

2. Haoll, wat Mi tokömmt, hauch in Ehr
un acht auk iämso mienen Namen.
Ick staoh di bi, staoh di to Wehr,
spriäk du daoto dien Amen.

3. Verrenn di nich, heel wahn, malatt,
in Arbeit, Stress orre Klimbim.
Doo auk för diene Siäle wat,
drüm sie de Sunndag di Gewinn.

4. Ehre dankbar Vaa un Muor,
in‘ Öller laot se nich in‘ Stich.
Häb fröndlick di un sie nich daor.
Acht‘ guet up eenes: Striet‘ ju nich.

5. Haolle an di, nienich morde;
all’s wat liäft is’t Liäben gönnt.
Doch wahr di auk vör sücke Worde,
de ännere vernichten könnt.

6. Briäk nich lichthen den Ehebund,
laot di äs Lodderjan nich gaohn.
Befasse di auk nich mit Schund,
wu könn man süss noch uprecht gaohn?

7. Laot liggen, wat di nich gehört.
Klauen brengt up Duer kien Glück.
Auk Schrappen ohne Rücksicht stört,
et mäck kaputt bloß, Stück för Stück.

8. Dien Wort sall ehrlick sien un klaor,
nich ächten rüm, dat mäck nich froh.
Drüm sägg bloß dat, wat auk is waohr,
süss haoll de Muul, is biätter so.

9. Begehrlichkeit erfüllet nich.
Giez stött af, kennt kien‘ Manier.
Well nich genoog in‘ Halse krich,
verdriff dat Glück dör siene Gier.

10. Nich all’s wat Lust mäck, mäck auk froh.
Wahr di vör Sodom un Gomorra.
Ick sägg di biätter hier wat to:
Ora et labora.

Aobendsiägen

Bild: pixabay

Uut Hiemmelsferne Ruh un Friä
löcht‘ us dat Aobendraut int Hiärt.
De Maond stich up mit festlick Flair,
nix schinnt us mehr verekehrt.

Un doch leip es maol wier wat quer;
Ärger harren wi, ganz schlimm.
Wi kuemmt to Ruhe gar nich mehr
un fraoget us: „Woför? Waorüm?“

Oft weet‘ wi ‚t nich, wat dat wier soll.
De Kopp finn’t stur „in Dur“mehrst nich.
Dat wieset sick erst so „in Moll“,
wenn’t Hiärt debi den Dreih wier krigg.

Dann döt, wiet weg von graut Gedoo,
de rechte Sinn sick es wier riägen.
Wi kuemmt de wohlig bi to Ruh –
sind dankbar för den Aobendsiägen.

Sett di upt Gatt

Bild: Manfred Heskamp, Elte

Wat basels alltiets bloß so rüm?
Pass män schön up, süss fölls noch üm!
Herrjeh, gönn di doch auk es wat;
is doch nich düer: Sett di upt Gatt.

So lött sick’t ressen, frank un frie,
ganz ohne Simmelanterie.
Dann sass es seihn, wat sick di wieset;
wat et auk is, et is nix Fieset.

För unnerweggens

Bild: pixabay

Kömmt et hatt, bruukt et in‘ Liäben
mit Toversicht nen festen Tratt.
Süss geiht et wanner leep (schlimm) deniäben –
un dann bis aff von‘ rechten Patt.

Wietten klook, wohen et geiht,
dat kömmt gewiss an de erste Stell‘.
Is’t dann auk düüster maol un weiht,
dann ress di still, et werd wier hell.

Den Knappsack, dao mott auk wat in,
nicht dat du liggen bliffs, malatt;
doch nich tovull un nich to minn,
so dat et guet di dött, apatt.

Un nich, dat et an Bildung feihlt!
Süss mäcks bi alle Narren Stopp.
Off guet du geihs orre verdreiht,
mäck nich de Patt, dat mäck de Kopp!

Drüm achte drup, mit wem du geihs
dört Liäben hier, off Frau, off Mann.
Denn off du fölls orre guet steihs,
dat kömmt up Mensk un Frönd auk an.

Bitt nich tolesst üm Gottes Siägen;
denn alles könn wi Mensken nich.
Laot di van Em, wenn ‚t hatt is, driägen –
dann kömms wuohl an – gaaanz sicherlich!

Bild: pixabay

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