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Heile, heile Hänsken,
et wätt wuohl es wier guet.
Sind köppsk auk männig Mensken,
et schiert wier up, wenn ‘t schuert.
Heile, heile Heckemeck,
in hunnert Jaohrn is alles weg.

Könnt ick es bloß maol Herrgott sien,
so dirigierde ick
mit ne Latüchte, mild de Schien,
de Sängers guet in‘ Blick.

Mi göng et mehr üm Harmonie,
mehr weeke Töne, Mollgesang.
Auk Summen härr ick nix ümbi,
denn Brummen giff kien‘n schönen Klang.

Et is, as kehrden wi daobi
mit fiene Bessens püükfien uut;
et söhg es maol wier uut es nie –
vull Köppsket wör dao glieks mit druut.

Hattet tröck so uut de Welt,
möök Platz auk es för lichten Sinn –
ohn dat de Lichtsinn twiärs sick stellt,
wör locker glieks mehr Luune drin.

So wör villicht nich alles weg
in hunnert Jaohren hier.
Et klüng wat nao, wat wiederdröch
un frisk gar möök noch Mensk un Dier.

Heile, heile Hänsken,
laot‘ singen us in Moll,
ümdat wi dullen Mensken
mehr Freude häbt, statt Groll.
Heile, heile, ohne Schreck,
dann bliff vull Schöns, dann is ’t nich weg.

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Buchbesprechung von Bernd Robben

Rektor a. D., Heimatforscher, Gleesen

Pendelt unser intuitives Empfinden bei der Tonart Dur mehr in Richtung munter, forsch, frohgemut, erfrischend, so „schwingt“ es in Richtung Moll mehr zu der nachdenklich, versonnenen, wärmenden, ja, oft auch melancholischenSeite. In diesem Buch von Otto Pötter klingen allein schon durch den gefälligen Titel behagliche Molltöne.

     Wohltuend zeigt sich bei Heile, heile Hänsken unser Plattdeutsch mehr von der sanften, warmherzigenSeite, wobei es sich dennoch immer wieder so von binnen her angenehm schmunzeln lässt. In Moll verbirgt sich ja auch das plattdeutsche mollig, also warm, behaglich, schön. Entsprechend entfaltet sich beim Lesen dieses Buches eine durch und durch gemütliche Atmosphäre. Pötters Geschichten und Gedichte sind eben „richtig fein“ geschrieben. Nicht nur das. Otto Pötter versteht es geradezu meisterlich, Sprache zu verdichten; er ist ein renommierter Dichter des Niederdeutschen, der mit Worten geradezu treffend zaubern kann. So ist dem Dichter aus Rheine wiederum ein plattdeutsches Buch gelungen, das in keinem heimischen Bücherschrank fehlen sollte.

     Dabei hat der wohl bekannteste plattdeutsche Autor des Münster- und Emslandes „seine Sprache“ nicht als Mutter-, sondern als Großmuttersprache mitbekommen.

     Denn leider wurde unserer Generation nach dem Zweiten Weltkrieg das Plattdeutsche durch eine verkehrte Bildungspolitik ausgetrieben mit der Folge, dass heute kaum noch Plattdeutsch gesprochen wird. Das ist nicht einfach nur schade, das ist ein kulturelles Desaster, denn Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut. So bleiben wir der nachfolgenden Generation ein historisches Erbe schuldig. So geht sang- und klanglos eine Sprache verloren, die die Lebenserfahrungen und Träume unserer Vorfahren auf eine ganz und gar einmalige Art und Weise beinhaltet.

     Man muss wohl erst weit in der Welt herumgekommen sein, um zu erkennen, was man an seiner eigenen Heimatsprache hat. Otto Pötter war lange Jahre „fern der Heimat“, wobei ihm besonders in Mexiko das Aussterben der indigenen Otomí-Sprache bewusst wurde.

     Wieder daheim war es seine Oma, die ihn bei seiner Rückkehr „ganz natürlich“ auf Plattdeutsch begrüßte. Das war für ihn die Initialzündung, das Plattdeutsche nicht untergehen zu lassen und es weiterhin zu pflegen. So schrieb er auf, was sein Herz bewegte.

     Wohl nicht von ungefähr wird er dieses Buch seinen Großeltern gewidmet haben, gleichzeitig aber auch seiner jüngsten Enkeltochter; denn bekanntlich ist ja die Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Glut.

     Heile, heile Hänsken, dabei glüht mollig die Hingabe an unser kulturelles Erbe; es ist nicht nur ein erlesenes, zeitloses Dokument unserer heimischen Sprachkultur, es ist vor allem auch eine wohlklingende Sinfonie des Plattdeutschen. Heel best. 

► Otto Pötter:  Heile, heile Hänsken – Fiens un Schöns samt schöne Töns – 225 S., 18,00 €
Verlag Aschendorff, Münster, 2020  –  ISBN-Nr.:  978-3-402-24655-9

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De Bidde lutt för jedet Flehen för alle immerto:
Bewahre us, oh Herr!

Vör Lüe, de nich schwiegen könnt …
Vör malle Stümper un Künstlergeklimper …
Vör suure Bömmskes un fusselige Bömmelkes …
Vör Klagen un freche Blagen …
Vör Säören un Grienen (beklagen und weinen) van Sippeltrienen …
Vör arme Kerkenmüüse un graute Klingelbüüls …
Vör smächtige Rippen in arme Krippen …
Vör nen aollen Rock un nen kaollen Grog …
Vör aolle Kabrachen (Ruine) un nierieke Drachen …
Vör Haore up de Tiähn un Schwiellen ant Gatt …
Vör ’n allto hatten un vör ’n allto flotten Affgang …
Vör lierige Knippen (Portemonnaie) un spinndulle Hippen …
Vör bollerige Querköppe un giftige Gaffeltangen …
Vör Straotenwiewer un Döppkesdriewer (arbeitsscheue Tagediebe) …
Vör olle Kerls, de wier frie’en willt …
Vör wahne Wollen un lahme Bollen …
Vör Omnepodenz un Impodenz …
Vör stumpe Fraulüe un scharpe Protokolle …
Vör Gepangel tüsken Düör un Angel …

Oh Herr, häb Inseihn un Erbamen,
A m e n

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Bennings Öllsten föhrde as Smutje up See. Gott Dank wör nich immer Seegang, he harr auk es wuohl Landgang. Dao kam em maol siene Deern met ’n gaaanz kuort Röcksken in de Mööte. Tschä, wör den Rock länger wiäsen, wör auk düt Döönken länger wiäsen. Aower so …

So is et nu all an‘ End.

Aower kiek män, giff noch mehr schöne Döönkes hier.

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     … döt et oft weh. Denn et giff Saaken, de bliewet, de kriss nich uut ’n Kopp. Dao kanns nich keggenansingen. Du moss de män dör. Un wenn se auk sägget: „Alles wird gut“, so duert dat oft lange Tiet.  

     Ick weet et noch es vandage, as ick dat lesste Maol dör mien Öllernhuus göng. Et is all lange Jaohren her. Daomaols göng ick eenmaol noch mit Sinn un Verstand dört Huus, eher ick et affschluuten moss. Ganz alleene un ganz langsam göng ick de noch maol dör.

     In’ Wuohnstuoben knarrde dat Parkett. De Wände kahl. Lütke schwatte Löckskes, wo maol Belder hüngen. Bloß noch dat Therometer hüng an de Siet, wo dat hellbökene Schimmel-Klavier stönn. Ick schüddelde mi, sessteihn Graod. Eenmaol noch tröck ick de Blendladens ganz hauch – un keek sinnig up de Thiekluse, dat aolle Kapellken, sietto von usen Huuse, dao wo se den Schmerzhaften Rausenkranz biäd’t harren, as miene Öllern stuorben wören. Ick keek – un keek. Dann gaff ick mi nen Ruck un – rummskedi – leit ick den Rolladen harunner. Huh, wat dat dör dat lierige Huus hallde. Un wat düüster dao nu in en kahlen Stuoben. Gau de Dööre to.

Nu in de Küök. Kien Herd, kien Disk, kien Stuohl, kien gar nix mehr. Doch. Eene Fleige. Arme Fleige. Ick leit se dao alleene un göng dör den Flur mit de hell-giälen Solnhofer Platten. Von dao uut de Treppe hauch nao buoben hen, wo ick fröher mien Zimmer harre.

  Et kam mi vör, as wenn et dao buoben nu noch stiller wör äs unnen. Doch still, wat is all richtig still? Mit nen vörsichtigen Tratt göng ick noch maol up usen Balkon un keek in usen Gaoren. Dao süng uut den aollen Appelbaom (Dülmener Rose) nen Gaitling. Süng he mi Adé? Et greep mi ant Hiärt. Ick dreihde mi üm. Balkondüörn to. Een Blick noch in mien Jugendzimmer. Lierig. Nix mehr dao. Auk icke nu nich mehr.

Ick moss gaohn. De Dööre lööt ick anlehnt. Heel mit Bedacht göng ick – Tratt för Tratt – de Treppen harunner. Unnen bleef ick noch maol staohn. Lusterde. Kien Mucks mehr to hören. Auk den Gaitling schweeg. De wör nu auk wuohl all weg. Adé …

Eenmaol noch de Klingel drücken. Göng nich mehr. De Strom wör affstellt. Eher ick nu gaohn moss, nöhm ick in dat traute Huus noch eenmaol deep Aom. Hm, ick wör siälig. Et röök in usen Huuse noch immer so es fröher. Un dann: Bumm … Nu wör de Huusdüör to.

Dat Bumm sitt mi noch immer hatt. Ja:

Hett et Adé,
döt et oft weh.
Doch jüst dat Scheiden mäck,
dat Liäben wiedertreck.
Drüm sägg: „Adé“ –
döt et auk weh.

Ja …

Du fröggs di: Wat sall dat, waorüm mott dat sien?
De Fraoge, se quiält di mit wahne Kopppien.

Un doch helpet de Fraoge alleen daobi nix.
Auk helpet dann nich noch so wiesklooke Tricks.
Du moss dao män dör, off du wills orre nich,
Hauptsaake du sömms lötts di dann nich in’ Stich.

Dann doo, wat du doon moss, un is et auk hatt,
bit Wasken wiärd immer dat Fell nu maol natt.
Doch bis du wier rein, un wat schuerde, wier ruut,
dann lött sick auk säggen: „Alles wird gut.“