Bild: pixabay

Das Hochdeutsch ist eine Schriftsprache, das Niederdeutsch hingegen eine Lautsprache ohne eine allgemeinverbindliche Orthographie. Es gibt nicht „das richtige Platt“. Meine Schriftweise entspricht weitgehend dem sogen. Wibbelt-Platt, nach dem plattdeutschen Dichter und Pastor Augustin Wibbelt (1862 – 1947). Da alle meine Bücher „mit einem weit reichenden Radius“ (nördlich bis ins Emsland, südlich bis an das Ruhrgebiet, westlich bis an die holländische Grenze und östlich bis in Ostwestfalen hinein) im Aschendorff-Verlag Münster erscheinen, ist auch eine weitgehend angepasste Schreibweise unumgänglich. Das bedingt, über die jeweiligen Sprachgrenzen hinaus, Formulierungen und Schreibweisen, die mehr oder weniger allgemeinverständlich sind. Daher sind auch (in Klammern gesetzt) besondere Ausdrücke und Redewendungen mit hochdeutschen Übersetzungen versehen.

     Was dem Leser vielleicht schwierig erscheint, zeugt andererseits von der Vielschichtigkeit dieser alten Sprache, älter noch als das Hochdeutsch und einstmals sogar die Sprache der Hanse. Heute zeigt sich uns das Plattdeutsch in unserer Region immer noch durch historisch gewachsene Sprachgrenzen, womit auch die Ausdrucksweisen variieren. So redet man in Rheine und um Münster herum „dat Mönsterlänske Platt“, auch „Kleiplatt“ genannt (sprechen = küeren). Nördlich von Rheine, in Niedersachsen spricht man das Platt breiter, behäbiger; es ist „dat Emslännske Platt“ (sprechen = praoten). Südlich, so ab Recklinghausen, klingt „ohne groot Vokabels un Schisselameng“ das Ruhrgebiet mit durch (erörtern = bekaakeln) und westlich, Nahe der niederländischen Grenze, wird „Sandplatt“ gesprochen.

     Bei all dem hielten Katholiken (Katholschen) und Protestanten (Luddersken) früher Abstand, was auch wiederum Sprachspuren hinterlassen hat.

     Das Niederdeutsche ist also alles andere als eine homogene Sprache. Die niederdeutschen Dialekte weisen aber infolge ihrer gemeinsamen Herkunft eine ähnliche Grundform auf, so dass jeder, der „sein“ Platt kann, auch „das andere Platt“ versteht.   

     Wurde es aber früher offiziell, so bediente man sich (über Dialektgrenzen hinweg) der hochdeutschen Kanzleisprache. In der hochdeutschen Grammatik ungeübt, kam es oft zu ungewöhnlichen Ausdrucksweisen; so jemand sprach dann „Hauchdüütsch mit Striepen“.

     Analog dazu steht bis heute im Katholizismus das Kirchenlatein. Doch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) forderte die Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ (1963) in der Liturgie mehr den Gebrauch der jeweiligen Landessprache. Wurden die kirchlichen Grundgebete ohnehin seit Jahr und Tag hochdeutsch gesprochen, fand die plattdeutsche Sprache nur in recht bescheidendem Maße Eingang in Kirche und Andacht. Von daher war für mich „Dat plattdütsch Gebiädebook“ eine besondere Herausforderung – siehe Menü: Geistlicket up Platt.

     Aus vielen Zuschriften meiner Leserinnen und Leser aber weiß ich, dass alle „Pötter-Bücher“ mit etwas gutem Willen („man mott sick de auk ’n bettken mit befassen“) auch gut zu lesen sind. Mein Tipp: Lesen Sie leise vor sich hinsprechend, dann liest es sich leichter und es klingt zugleich recht natürlich, was beim Lesen denn auch oft schmunzeln lässt. Ja, Plattdüütsch lesen, dat is immer recht plaseerlick.

♣       ♣      ♣

Fragen Sie in Ihrer Buchhandlung
nach plattdeutschen Büchern von Otto Pötter,
erschienen im Aschendorff-Verlag Münster.

Plattdeutsche Pötter-Bücher
zu jeder Gelegenheit ein originelles Geschenk „von hier“.

Bild: pixabay

„Schriftsteller“, dat Wort sägg us, dat düsse Schriewerslüe de Schrift, also de Worde, an de rechte Stelle setten doot. Wat is aower de rechte Stelle? Dat is ne Fraoge för sick. Dao krieget Wiesepitts sick licht in de Haore bi. Nich weinig Schriftstellers sind dao all bi laupen gaohn. Dat is so, es bi alle Künsten. Alle willt de wat to säggen. Un jedereene meint, mit siene Posission wör et troffen. Bööker aower willt allerlei Mensken anspriäken. Se mött‘ sick aower auk anspriäken laoten …

     Iämso is dat mit Belder. Maolerie un Schriewerie doot sick nich vull. Schriftstellers meint, se daien mit Worde maolen. Maolers meint, et kaim up de rechte „Farbkomposition“ an. Un so frögg sick, wecket Wort „sitt“. Un bi de Kollör? Wecke Farbe den Ton angiff. So is Witt noch lange nich witt; weder mit Farbe noch mit Worde.

     Bispiell, de Eskimos. För de Farbe Witt häbet de Inuit vettig Worde. Ja, dao is von Hiemmel un Erde wat debi. Un bloß sücke, de sick in Hiemmel un Erde tohuuse föhlen könnt, könnt auk de rechten Worde daoför finden. Bi Maolers sind dat de rechten Farben. Et wätt aower all „glasig“ för sücke, för de eenzig Sönne, Maond un Sterne den Hiemmel uutmaaket. Dat is so es bi de Jaohrestieten, jede steiht för sick un doch gehört se nich minner tesammen.  

     Nemm bloß es den Hiärwst. Je wieder in den Hiärwst, ümso mehr schinnt et, dat Hiemmel un Erde verwisket. Guede Maolers aower könnt dat noch wuohl uuteneenehaollen, jüst so es guede Schriftstellers.

     As ick mi derangaff, üöwer’n Hiärwst to schrieben, göng mi daobi glieks dat Wort „erdig“ dör ’n Kopp. Ick dachde an Hiärwstdage fröher, as et noch mit nen Spaten in Gaoren göng, üm de Erde ümtodoon, so es de Buern de Felder plööget un de glatten Schollen in de Hiärwstsönne glänzet.

     Wat? Kann Erde glänzen? Wu dat denn? Schwatt, bruun oder noch wat heller … Ja, un wu de frisk ümbruokene Erde erst rück! Se rück auk erdig. Mit nix änners to verglieken.

     Nu stelle man sick auk noch vör, wu de Spaten Scholle üm Scholle ümspicket. De fuchten, glatten Erdschieben kippet sietto de Riegen nao män so weg. Pielewörms, jäh int Lecht huoben, kringelt vörsichtig dör de schieren Erdschollen. Wat kümp dao süss nich wuohl noch all’s so bi ant Lecht?

     „Lecht?“, fröch man sick, „wat för Lecht?“ Ja, auk dat giff et, fuchtet Lecht, wat, nu in‘ Hiärwst, dör Wrasen so iäben noch dat bömmelnde Laof güllen löchten lött, Laof dat rück, so es et bloß bi düt Lecht ruuken kann. So rück et bloß in‘ Hiärwst, erdig – un erdig löchtet et auk bloß in‘ Hiärwst. Farben, de eenzig schienet. Eenzig nu so. Ansüss so nich mehr.

     Et is, as härre nen Maoler de Farben mischket. Ick kann et nich änners säggen, Farben uut Hiemmel un Erde, mit nen Klacks Sönne uut raude Tinten, verwischket dör Schlieren von griese Wulken, giälgüllen Laof, wat sick in erdig blanke Schollen speigelt. Un all dat rück nao Hiemmel un Erde.

     Wat? Könnt Hiemmel un Erde denn ruuken? Ja. Erdig, eenfach himmlisk.

Plattdüütske Bööker von Otto Pötter
Immer ganz wat Fien’s von hier

Bild: pixabay

Siet Corona gif et bloß noch eene Parole: Affstand haollen! Dao sind wi noch lange nich mit dör. Nu ja, wi Emsköppe harren et ja noch nie so harre mit Bussi Bussi un so. Also wi könnt dao wuohl mit liäben. Un doch mott man sick de nu aower auk nich ganz bi uut ’n Weg gaohn. Daoför giff et ja düsse Tweemeterzonen. Wat mott, dat mott, auk wenn dat nich immer eenfach is.

     Ick denk dao jüst an de geprüften jungen Kerls, de üm Ramona von wiägen Corona glieks nen grauten Buogen mööken, üm nich doch noch villicht unverhofft dörtobriäken, dör de Tweemeterzone. Oh ja, feihlt för sücke nu bloß noch de Leinenpflicht.

     Oha, de Leinenpflicht. Also de wör nu för so dusselige Bummelanten gar nich verkehrt; so Dämelacken, de tatsächlick immer wier minnachtig an de Zonenrandgebiete harümschlawienert. Dao möss man heel änners bi dörpacken. Fraog bloß es sücke, de dao uut DDR-Tieten her noch wat von kennet. Dat wör dao ’n heel geföhrlick Liäben in de Zonenrandgebiete. Aower auk ohne Schießbefehl, well härre et dacht, dat wi et mit düsse geföhrlicken Zonenrandbestimmungen nu up maol wier bi Corona to doon krieegen … Jaja, et is ne verrückte Welt wuorden. Aower nu, Gesetz is Gesetz.

     Doch eene Sorte Mensken is debi to bedueren. Et sind sücke, de guet schlecht hören könnt. Drüm sind et nich immer glieks de Schlechtsten, de sick in düsse riskanten Zonenrandgebiete as Gesetzesbriäker so rümdriewet. Dao sind vull Schwuorhörige debi. Un dann is et wier sowiet, mit de Zonenrandgebietsprobleme. Jaja, aower ansüss kreegen se jä nix mehr mit! Drüm is dat siet Corona mit iähr auk män bloß noch eene Rooperie. Ganz schlimm.

     Härres Bäänd un Jopp es hören mosst. De beiden leipen sick dao, een üm de änn’re Siete, up de Mönsterstraote in de Mööte. Bäänd wünk Jopp fröndlick to un reip: „Kick an, Jopp! Sin ji auk noch alle schön gesund inhuuse?“

     „Ach“, bleef Jopp anner Siete staohn un bölkte terügge, „inhuuse häw wi wiägen düsse scheiß Pandemie lange all kiene Heringe mehr hat!“ He höölt nen Büül hauch un juchheede: „Doch nu gaff et endlicks es wier ne Düppe Heringe uut de Kühlung!“ Bäänd keek verbaast in de Höchte un schree: „Schönschön! Aower ick woll an sick män bloß wietten, wu et so is, mit di un dien Frau?!!“

     „Miene Frau schnibbelt dao immer noch üörnlick Ssiepel bi an!“, krijölde Jopp, „dann schmeckt et nochmaol so guet!!“ „Ach“, kollerde Bäänd grantig, „leck mi doch ant Gatt.“

     „Jaja, dat is wat!“, reip Jopp em to, „dat is immer wier ’n lecker Aobendiätten!!“

Kolumnentext in der Münsterländischen Volkszeitung
während der Corona-Pandemie
am 25. April 2020

Bild: pixabay

Uut ’n Huuse röpp et mi to: „Herin mit di, dat Tweeuhrsköppken (Mittagskaffee) is glieks sowiet!“ Forts daorup de Fraoge: „Is dat för dat Buutensitten nich wuohl noch to frisk?“ Ick roop terügge: „Nää! Hier, Südsiet, lött et sick guet duer’n (hier kann man es gut aushalten)! Langsam an dao mit den Koffie!“ Denn:

Dat Fröhjaohr plieret (blinzelt) dör de Lucht.

Wat schön nu wier hier buuten. Ick sitt up de Huusbank un aal mi in de erste mollige Meddagssönn. Un doch schütt up maol noch de Wind mit ne Böe üm de Ecke un lött för nen Moment de Waaterfützen bibbern. Glieksdrup dreiht he aower giennsiet wier aff. Dat is nich mehr vull mit em. De Sönne lött em nich mehr gewähren, se kann et nu all ümso biätter. Löchtend speigelt se sick in de Waaterfützen, so dat in Nullkommanix dat Lecht dao män so ruutglitzert. Dat will sick nen Kiewitt es genauer bekieken. He is nieschierig an den Waaterpool daale gaohn. Dao steiht he nu, kick üm sick, bekick sick geck in den Waaterspeigel un röpp sien eegen Namen, so as woll he säggen: „Ja is dat denn de Müöglichkeit? Dat bin ick ja!!“ Ja, wat häff he ’n Spass. He wüpket hen un her. Kien Wunner, denn: Auk dat Fröhjaohr pliert all dör de Lucht.

Nich minner munter gaoht et de Fiäken in’ Swienekoben an. Se rengstert (rennen und springen) hen un her, slaot’ Haken un quiekt et för Freude män so uut. Mit bloß een Aoge kick sick Bello dat Gejüchter an. De Rüer ligg ganz still in de Meddagssönn niäben sien Schott un döset still för sick hen, den Kopp platt up de Vörnepooten. Bloß bi dat undöchtig Swienegequietske bequemt he sick, een Aoge es an dat Spitakel to waogen. Doch dao föllt et auk all sacht wier to. He weidet sick leiwer an de warme Sönn, statt an de unwiese Schwienerie. Män nu lött auk he män so iäben so ’n eentrötig Gnuoren von sick hören. Mi schinnt, as woll he säggen: „Schwieget still. Et is doch nu sooo schön hier.“ Dao bünd beide Aogen auk all wier to – un he draimt vör sick hen.

Auk ick kiek mit halwe Döppen so iäben hauch in de Weltgeschichte un draime mi hiemmelan wat debi terechte. Daobi kiek ick in den weltenwieden Hiemmel, noch ohne Kläör (Farbe), blank baolle es Waater un doch all mit so ’n iäben fien Blao dedör, so as woll dat Fröhjaohr luuren. Lecht un Sönne kieket änners all. Et is nich to verkennen: Dat Fröhjaohr plieret dör de Lucht.

Deep haal ick Aom. Et rück gesund, lück kruutig-bitter. Dat mäck dao vörn den Hollerbusk (Holunderbusch). De Meddagssönn geiht all derbe an em ran. Se will wuohl siene dummendicken Knoppen knappen. Dat mäck den kruutigen Ruuk. Wat ’n Aroma! Treck dat de Vüögelkes an? Se piepket un singet un wüpket un springet munter in un üm de Birke harüm, dao vörne an den kluckskernden Grabenrand. Et is, as woll de Baom mit siene fienen Pietskentööge noch vörsichtig wat an Wind infangen. Män dao is nich mehr vull to fangen. Stattdem plieret wiethen dat Fröhjaohr dör de Lucht.

     Uut ’n Huuse röpp et mi wier to: „Wo bliffs?! De Koffie wochtet!“ Ick reck mi piel dör un staoh up, up de Birke hento. Uut ne Borkenwunde quillt nen Druoppen, ‘n Dröppken baomeegen Fröhaohrssaft. De Sönne glitzert derin. Ick tippe vörsichtig mit ’n Finger dran un nippe wat devon … Dat lött mi den Koffie vergiätten. Schier Fröhjaohrsgeschmack. Schmeckleckend kiek ick üm mi. Et is nich to verkennen:

     Fröhjaohr pliert dör de Lucht.

♣       ♣      ♣

Immer was Feines von hier:
Plattdeutsche Pötter-Bücher aus dem Aschendorff Verlag Münster

Bild: pixabay

Denk ick an mien Möhn Marie, is et mi vandage noch warm ümt Hiärt. Möhn Marie wör ’n guet Menske, alltiets flietig un fromm. Lange is se all daut. Ick kannde Marie bloß in Schüötten. In twee Sätze könnt ick iähr naosäggen:

              Was wir auch brauchten hier im Leben,
              hat deine Schürze uns gegeben.

     Ja, Möhn Marie un iähre Schüötten, se gehörden tesammen, guet Linnendook, maol mit blaoe Pünkskes, maol mit griese Striepen. Muorns bi et Antrecken kamm glieks de Schüötte demit üm.      Twee Handgriffe üm de Hüften, un schon flögen de Driägers auk all üöwer de Schullern. An’ Latz, rechte Siet üöwer de Buorst stöcken, so es ’n Orden, immer twee Sicherheitsnaodeln; im Falle eines Falles glieks to Hand. So konn de Dag kommen.

     Wi Kinnner höölden us an de Schüöttenden faste, wenn et in’ düüstern Keller göng orre et ansüss nich ganz geheuer wör. Un leip de Niäs, so konnen de Lütken in den Schüöttend auk ruhig es maol snüöttern. Üöwerhaupt den Schüöttenend! Se tröck daomit heete Pötte von de Herdplatte, drüegelde sick de Hande dran un wiskede sick den Sweet von de Plääte. Sogar Fleigen dai se demit von ’n Disk bandieseln (verscheuchen). Buuten höölt se mit eene Hand den Schüöttenend faste un streide mit de ännere Höhnerfuor uut de Schüötte … Annermaol gaff se mi leckere Appels daoruut, kuort vörher in Vörbigaohn von’ Baom plücket. Män et konn auk sien, dat se in de Schüötte von buuten weg Backspellers (Holzstücke) för de Kuokmaschin harindröög. Un woll dat Füer nich flackern, stellde Möhn Marie de Herdklappe wiet up un weihde üörnlick mit iähre graute Schüötte herüm. Göng et es maol an’ Iärftendöppen, smeet se de Iärften int Pöttken un de Schoten bleewen in de Schüött, üm se dann naoher buuten up ’n Messhaupt to smieten. Plädderde sick buuuten maol ’n Schuer Riägen uut, leip ick äs Blaage bi iähr gau unner de Schüötte un kamm so drüüge int Huus.      Eenzig sunndags, dao harr Möhn Marie iähre witte Schüötte üm, frisk stärkt un glatt büegelt. Un ohne Sicherheitsnaodeln. Auk wenn mi nix feihlde, moss ick nu garantiert schnöttern; denn dann kreeg ick von iähr ’n richtig fien Sunndagstaskendook, akkraot faltet un glatt büegelt. Aower wo giff et dat vandage noch?