Wat mien Onkel wör, dat wör auk nen Otto Pötter. De konn de eenlicks wuohl wat von; schööt bi de Schützen gar maol den Könnig un wör mit de Ersten bi de CDU in Rheine. Siene Frau, eene uut de Metropoltheaterfamilge her, harre mehr Kunst in‘ Kopp un wör SPD. Se süngen also mit twee Sort Stimmen. Se süngen aower ohnehen beide gerne. As se laaterhen in Österriek liäweden, kümmerden se sick glieks üm ne nie’e Üörgel för de Bludenzer Alpenkerk; denn mit de aollen Trööten wollen se den schönen Singsang nich gerne doon. Oh ja, iähr Pläseer lööten se sick wuohl wat kosten.
Aower auk all hier bruukten se daomaols nich graut up nen Pennig kieken. Se harren gar ’n Denstwicht bi sick. Mitdem wör immer eenen an de Dööre wenn et es klingelde un de beiden Huusscheffitäten unnerweggens wören.
Nu pingelde et auk es wier. Et schinn, et wör wat Christlickes, wat mit nen Klingelbüül an de Dööre stönn. De Mann, blaute Fööte in Sandalen, spröök glieks recht fierlick uut sienen Baort. Et wär ja bekanntlick de „christliche Nächstenliebe als Eingangstor des Seelenheils“, de et in sick härre. Bi de stäödige Huusdööre härr he sick dacht, dat he hier sicher mit wat „Großzügigkeit rechnen …“ Dat könn he nich, kreeg he to hören. „Die Pötters sind außer Haus“. Se sömms sätt de män knapp bi un könn hier nu nich auk noch för de armen Siälen …
Ja, off he dann villicht es ’n anner Maol un üöwerhaupt, off de Pötters denn wuohl ne gottgefällige Familge wören? Dochdoch, nickoppede dat Denstwicht, de Pötters wören an sick ganz fromm. „Die gnää Frau geht wohl in die Kirche und ihr Mann is ja in de CDU.“
Das Hochdeutsch ist eine Schriftsprache, das Niederdeutsch hingegen eine Lautsprache ohne eine allgemeinverbindliche Orthographie. Es gibt nicht „das richtige Platt“. Meine Schriftweise entspricht weitgehend dem sogen. Wibbelt-Platt, nach dem plattdeutschen Dichter und Pastor Augustin Wibbelt (1862 – 1947). Da alle meine Bücher „mit einem weit reichenden Radius“ (nördlich bis ins Emsland, südlich bis an das Ruhrgebiet, westlich bis an die holländische Grenze und östlich bis in Ostwestfalen hinein) im Aschendorff-Verlag Münster erscheinen, ist auch eine weitgehend angepasste Schreibweise unumgänglich. Das bedingt, über die jeweiligen Sprachgrenzen hinaus, Formulierungen und Schreibweisen, die mehr oder weniger allgemeinverständlich sind. Daher sind auch (in Klammern gesetzt) besondere Ausdrücke und Redewendungen mit hochdeutschen Übersetzungen versehen.
Was dem Leser vielleicht schwierig erscheint, zeugt andererseits von der Vielschichtigkeit dieser alten Sprache, älter noch als das Hochdeutsch und einstmals sogar die Sprache der Hanse. Heute zeigt sich uns das Plattdeutsch in unserer Region immer noch durch historisch gewachsene Sprachgrenzen, womit auch die Ausdrucksweisen variieren. So redet man in Rheine und um Münster herum „dat Mönsterlänske Platt“, auch „Kleiplatt“ genannt (sprechen = küeren). Nördlich von Rheine, in Niedersachsen spricht man das Platt breiter, behäbiger; es ist „dat Emslännske Platt“ (sprechen = praoten). Südlich, so ab Recklinghausen, klingt „ohne groot Vokabels un Schisselameng“ das Ruhrgebiet mit durch (erörtern = bekaakeln) und westlich, Nahe der niederländischen Grenze, wird „Sandplatt“ gesprochen.
Bei all dem hielten Katholiken (Katholschen) und Protestanten (Luddersken) früher Abstand, was auch wiederum Sprachspuren hinterlassen hat.
Das Niederdeutsche ist also alles andere als eine homogene Sprache. Die niederdeutschen Dialekte weisen aber infolge ihrer gemeinsamen Herkunft eine ähnliche Grundform auf, so dass jeder, der „sein“ Platt kann, auch „das andere Platt“ versteht.
Wurde es aber früher offiziell, so bediente man sich (über Dialektgrenzen hinweg) der hochdeutschen Kanzleisprache. In der hochdeutschen Grammatik ungeübt, kam es oft zu ungewöhnlichen Ausdrucksweisen; so jemand sprach dann „Hauchdüütsch mit Striepen“.
Analog dazu steht bis heute im Katholizismus das Kirchenlatein. Doch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) forderte die Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ (1963) in der Liturgie mehr den Gebrauch der jeweiligen Landessprache. Wurden die kirchlichen Grundgebete ohnehin seit Jahr und Tag hochdeutsch gesprochen, fand die plattdeutsche Sprache nur in recht bescheidendem Maße Eingang in Kirche und Andacht. Von daher war für mich „Dat plattdütsch Gebiädebook“ eine besondere Herausforderung – siehe Menü: Geistlicket up Platt.
Aus vielen Zuschriften meiner Leserinnen und Leser aber weiß ich, dass alle „Pötter-Bücher“ mit etwas gutem Willen („man mott sick de auk ’n bettken mit befassen“) auch gut zu lesen sind. Mein Tipp: Lesen Sie leise vor sich hinsprechend, dann liest es sich leichter und es klingt zugleich recht natürlich, was beim Lesen denn auch oft schmunzeln lässt. Ja, Plattdüütsch lesen, dat is immer recht plaseerlick.
Bild: Privat
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Also dat is jä starken Tobak! Nich dat ick
dat Smööken fienküeren will, aower de rabellsken Nichtrauchers gaoht apatt män
doch wat wiet. Nu häbt se gar den Stutenkerl mit siene Piep upt Körn nommen.
Also et giff doch vandage baolle nix
mehr, wo se nich wat in finnet. Üm nu nich auk noch Stutenkerlpiepkes
antolaupen, häbet sick de „innovativen Stutenkerlpfeifenfreunde“ nett wat
infallen laoten. Düsse gewitzten Erfinders fimmeleerden sick Fleitepiepkes
deruut. Ja, dat is waohr! In de Volkshochschule laupet all de ersten Kurse: Die
neue Flötentechnik im Umgang mit der modernen Stutenkerlpfeife.
Unner us: Villichte wör et gar nich so verkehrt, mit so nen
Stutenkerlpiepenkopp es nao ’n Pyschater to laupen, nich dat man bi dat
Trällern noch dördreiht. Guet müöglick, dat dao all iäbenso den een off ännern
Stutenkerlbäcker sitt. De Kopp hät so jä all genoog mit immer düsse
Backstuobenhitze to doon. Un nu auk noch den leidigen Stutenkerltamtam. Dao
kann licht wat bi uut de Spuor laupen. Nänä, dat is män alle gar nich so
eenfach.
So
kam bi den Bäcker Blanke hier vör Jaohren auk es so üm den 6. Dezember harüm
nen stäödigen Hengst in den grauten Backstuoben harin geklappert un wieherde:
„Kick, Blanke, auk flietig?“ Un glieks fröög em dat Dier: „Ach, wat ick säggen
woll, krieg ick hier wuohl schöne Stuten?“
Mann, stell di so wat es vör! Den Bäcker Blanke keek auk heel unwies von
sienen Backtrog up, greep sick verbaast an‘ Kopp, wiskede sick den Sweet von de
Plääte un spröök: „Also nä! Du büs mi jä villicht ’n Kerl…!“ „Dat machs
wuohl säggen“, nickoppede den Hengst, „ick sin auk män eenmaol gerne nen Stutenkerl…!“
Kick, auk wier so wat, wo bloß noch säggen kanns: „Kerl, Kerl, Kerl, dat
de Lüde et nich hört.“ Un dao blief nu auk noch etepetete bi. Ick sägg ja,
alle gar nich so eenfach. Hauptsaake man kömmt de nich ganz bi in‘ Knüpp.
Ansüss mott man sick de män alle dumm mit hendoon. Süss steihs erst recht unner
Damp – un eher di ümkicks is all Wiehnachen. Nänä, jüst nu män schön langsam
an. Is alle all unwies genoog in de Welt.
Also wat hier bi us in Rheine fröher so nen heelmaol amtlicken Stadtdirektor wör, dao kam so licht nich eenen mit. Sücke satten in‘ Raothuus gar achter ne dicke Polsterdööre, ümdat se auk schön iähre Ruhe harren. All’s ännere mööken dao so de Beamten un nich tolesste Rudi, den Huusmester.
Oh ja, wat de Huusmesterie in dat Rheinske Raothuus anlangte, so konn et nich biätter äs mit so eenen es Rudi, „ein Mann für alle Fälle“. Dao smeet he sick aower auk giän maol för in de Buorst. Dann sagg he: „Leute, Leute, wenn icke un den Stadtderekter nich wören, dann wör et hier aower manchs zappenduuster!“ Wenn he daobi in sienen griesen Kieddel gar auk noch astrant (anmaßend) mit den Zollstock rümfuchelde, sagg dao auk nich eenen noch wat up. Hauptsaake, „de Olle“ sömms fuchelde män nich so von buoben daale detüsken.
Aower „de Olle“ harre et auk nich immer eenfach. Well niämlick äs upgeweckten Stadtdirektor uut siene Stadt wat maaken will, de hät faken (oft) nich weinig so üm de Ohren to wehren. Un an de Ohren göng em dao in sien Büro nu auk noch dat olle klapperige Oberlicht. Den Stadtdirektor moss dao gar all bi prussen.
Gott Dank aower wör nu erst es maol Urlaub. Drüm leit den Direktor vörher noch iäben bi Rudi klingeln. De stönn auk glieks bi senen Scheff praot. „Rudi, ach ja, gut dass Sie da sind. Also Sie wissen ja, nicht wahr, dass ich nun meinen wohlverdienten Urlaub antrete. Da hätte ich nun jedoch noch einige wichtige Anweisungen für Sie. Wässern Sie bitte alle vier Tage meine Blumen; nur dort, der Kaktus, der braucht kein Wasser. Verstanden? Nicht dass Sie mir den hier womöglich noch absaufen lassen. Ach ja, und nicht zu vergessen, Rudi, ganz wichtig: Sorgen Sie dafür, dass das Oberlicht in Ordnung kommt. Das ist hier ja sonst kein vernünftiges Arbeiten mehr! Alles verstanden?“ „Alles bestens verstanden, Herr Stadtderekter“, sagg Rudi em un wünschkede, „einen recht schönen Urlaub.“
Vetteihn Dage drup kreeg Rudi wier Order för sienen Rapport. Korrekt gaff he Bericht: „Alle Blumen, Herr Stadtderektor, haben schön Wasser von mir gekriegt, bloß den Kaktus nix.“ Dann hooßede Rudi maol iäben knapp so dör, schmeet sick in de Buorst un sagg: „Un dat Oberlicht, Herr Stadtderekter, also, ich mein, besser gehts nu nich mehr. Da knippsen Se, bittschön, doch mal den Schalter, denn ich hab da oben an de Decke extra zwei moderne Neonleuchten reingezogen.“
1960 gaff et bi us in Düütskland jüste maol 1.500 Türken. Aldi deelde to de Tiet siene bis daohen jüste maol 300 Kaupladens in Aldi-Nord un Aldi-Süd up. Van nu an duerde et gar nich mehr lange, dao daien bi Aldi nich bloß de ersten Alis flietig inkaupen, nää, baolle leip bi Aldi auk all den een off annern Ali gar äs Filialleiter. Kick, dat is Integration! Dat göng so wiet, dat Ali maol bi Albrechts Karl in Essen anrööp un em sagg: „Allo Scheffe, hier Ali. Wille sagen, Pappepier für Klosette war nich auf Palette. Jaja, Scheffe, sonst alles Paletti bei Ali hier.“ Kick, so wör dat.
Tüskentiets liäwet von Ali nu all veer Generassionen bi us. Un uut kien Stadt un Land is Aldi wegtodenken. Ali auk nich. Egaol off Ali oder Aldi, beide häbt sick guet maaket un gehört längst to use Kultur hier. Vörbi, de Tieten, as sick so männig fien Menskenkind to schade wör, in so Billigläden es Aldi intokaupen; vörbi auk, as Ali noch stüödderde: „Scheffe, nich verdrehen, Ali nix verstehen…“ Nu mott Ali et jä nich glieks up Platt doon, doch et is auk nix, sick de bloß met „Verständigungsschwierigkeiten“ harümtoschlao’n. Dann geiht et van Anfang an in‘ Knüpp.
Män wat sägg ick dao?
Eenen van use hiesigen Landslüe hier, Hillebrands Gerd, de leip vör Jaohren es in Dortmund. He wör dao up Besöök bi siene Dochter Roswitha. Nu ja, wu dat vandage so is, wör Roswitha auk all van iähren Kerl aff un schlöög sick dao so äs „Alleinerziehende“ dör. Un so moss de junge Mama nao Fieraobend up ’n lessten Drücker auk noch gau de Kinner uut de Kita haalen. Tüskentiets könn Gerd jä noch wuohl gau wat fört Aobendiätten inkaupen. Nu ja, waorüm nich. Gerd wör jä gar nich so. Un so möök he sick denn auk met den Inkaupsbüül up ’n Patt.
Nu moss wietten, Dortmund, Junge, dao is all wat an Straoten! Herrjeh, Gerd kreeg un kreeg nich den rechten Dreih dao nao’n Aldi hen. Dao fröög he den erstbesten jungen Türken: „Du, höre er mal! Wo hier geht’s hin nach Aldi?“ Gewitzt keek em den klooken Ali an un sagg to Gerd: „Hö? Zu Aldi!“
Gerd schlöög sick verdutzt an de Plääte un meinde: „Wat?! Schon zu hier Aldi…?“