Kiepenkerls

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Wat wör dat Mönsterland bloß ohne Kiepenkerls? Kömmt de hier es wat an Promenenz up Visite, bünd use Kiepenkerls recht nette „Iesbriäkers“ debi. Graute Kiepe up den Rüggen, stutzt dao wuohl erst männig eenen bi. Statt in‘ stiewen Staot (feiner Garderobe) kuemmt se in blaoen Kieddel, raut-bunt Halsdook, Kippe (Schirmmütze) up ’n Kopp, Lülldopp (Pfeife) in de Muul, Fööte in Holzken un nen Knubbenstock in de Hande deher. Un säggt se wat, dann bloß up Platt. Schwuor von Kapee keeken dao nich weinig fiene Pinkels all verdutzt bi up. De Mundwinkels tröcken sick aower gau nao buoben, denn glieks göng et ümgänglicker to.

     Dat wör fröher auk all so, wenn de Kiepenkerls sick seihn lööten. De Kiepe schullert, göngen hier jaohrhunnerdelang düsse ambulanten Höker (Händler) üöwer Land un harren alltiets wat, wat et ansüss vör Ort nich gaff. Wiet trügge in de Tiet, füng et mit dat Tuuschken an. Een un all’s debi: Ehrlick blieben un nich to hauch upschüött‘ (ehrlich und nicht überheblich).

     So schreef all 1474 den Paoterbruor Rolevinck (1425 – 1502) uut Laer – „ein Mann von Gelehr-samkeit und Tugend“ (Nachruf aus den Klosteranalen) in sien Book „zum Ruhme Westfalens“: „Jeder Westfale ist gehalten, an seinem Ort dem verpflichtenden Beispiel seiner Vorfahren Ehre zu machen und, wenn er vielleicht durch wohlfeilen Tausch und Handel zu Wohlstand gekommen, nicht überheblich und unehrlich zu werden.“

     Erst recht nöhmen sick dat laaterhen nao den Deertigjöhrigen Krieg de Hollandgängers to Hiätten, de, lange Tiet „fern der Heimat“, mit guet Gewietten wier nao Huuse trügge wollen. Auk de Packendriägers, also de Kiepenkerls, füngen nao düsse laighen Kriegstieten nu an, wier wat Liäben unner de Lüe to brengen. „Mit Sack un Pack“ tröcken se üöwer Land, üm mit Winkelwaren (Haushaltswaren), Wulle, Garn un fien Dook harümtototten, von daoher nannde man se auk „de Tüödden“. Auk düsse „Kauplüe up Schusters Rappen“ wören manchs dat ganze Jaohr üöwer mit iähren Pack up de Walz.

     Brenninkmeyers uut Mettingen sind jüst so anfangen, eher dat se 1911 in Berlin dat erste graute C & A Kauphuus upmööken. Bis kuort vörher noch göng Brenninkmeyers Gerdt mit sienen Pack üöwer Land. Hettlage, orre auk Peek & Cloppenburg, füngen iämso an – un dat alltiets „ehrlich, korrekt und glaubenstreu“. Vandage ne Rarität. „Zum Ruhme Westfalens“ aower härre den Paoterbruor Rolevink de immer noch Spass an. Un alle küerden se män bloß Platt. Oh ja, dat wören schöne Tieten! De lessde Kiepenkerl in use Mönsterland wör Klüpers Wilm uut Coesfeld, he stüörw 1938.

     Un doch is de Kiepenkerl nich ganz daut. Kiepenkerls erinnert us deran, „ehrlick un nich to hauch upschüött‘ guet miteneene ümtogaohn. Mäck dat nich glieks ümgänglicker? Ja, drüm is se auk schön, use Kiepenkerltradission. Wenn dao auk kiene Pötte un Pannen orre Linnen mehr in iähre Kiepen sind, so sind de män doch nich lüerig.

     Wat? Wat dao drin is?

     Nemm män nen Pinnken in de Hande, dann kömms de wuohl achter …

P.S.

     Un dann kicks glieks auk änners drin!

De guede Ort

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As ick noch bi de Stadt wör, kam eenmaol in’ Jaohr to Hiärwsttiet ’n Rabbiner uut Mönster nao ’t Rheinske Ordnungsamt hen. Twiärs dör ’t Mönsterland möök he siene Runden un keek, off up „de gueden Orte“, wu de Juden iähre Daudenkämpe (Friedhöfe) nennet, auk all’s noch guet instande wör. För Juden sind iähre Daudenkämpe wahrlick „guede Orte“, se verwochtet (erwarten) ja den Messias, bi dem all’s Liäben siene Vullendung finnet. Wat änners äs guet könnde dat sien?

     Hier up Erden is männig Deel nich guet. Besönners de Juden mossen dat oft  beliäwen. Doch wat se an Grüelicket bi de Nazis beliäwen mossen, dat harre bis daohen nich eenen dacht. Gott Dank is dat vörbi. Dat Minnste aower, wat wi an Affbidde noch noch doon könnt is, in Ehrfurcht iähre aollen Graffstellen instand to haollen. Denn nen jüüdsken Daudenkamp, de guede Ort, is iähr hillig för immer un ewig. Dao giff et nao Tieten kien Ümschichten orre Plattmaaken. Dat „de guede Ort“ sick also auk nao Jaohren immer noch äs gueden Ort möök, dao achtede de Rabbiner up. Un so wör he froh un dankbar, wenn de städtsken Gäörners den gueden Ort mit Hark un Bessens maol wier fien maaket harren.

Tschä, Hark un Bessen, vull mehr bruukt et eenlicks gar nich mehr, wenn et mit us hier up Erden vörbi is. Villicht noch, dat Graffsteen un Pättkes dao mit de Tiet nich verwildert. Bi de Juden giff jä all längst kiene Angehörigen mehr, de dao nao kieken könnden. Aower auk so is un bliff för de Juden de guede Ort so wat es ne Oase von Ruhe un Stille. Hier ne Bank, dao, wecke all scheef, aolle Graffsteene, Farne, Büske … Dao is di bi, as kaim et up ’n Jäöhrken gar nich mehr an. 

Ick weet noch guet, as ick vör Jaohren dat lesste Maol mit mienen Judenfrönd sachte, Foot för Foot, üöwer de lütken Pättkes tüsken all de verwitterten Gedenksteene göng. Hier un dao lagen, statt Blöömkes, akkraot Kiesel up ’n Graff. Eilaof (Efeu) krööp sietto hauch, propper maol wier gestutzt; in de Ecke, aolle Hülskrabben (Ilex) un ganz ächten twee priesherrlick aolle Bööken (Buchen), baolle ineenewassen. Wuchtig reckten se sick, nu all so giäll-raut löchtend, hiemmelwärts in de Höchte. Mi wör, as daien mi de knubbigen Stämme säggen: „Unnen sin wi deep drin un buoben häw wi Platz satt.“

Un wu aolt möch, äs Veerkant rund üm den Kamp hento, de hauhge Müer uut aolle Granitklumpen wuohl sien? Heel krumm all stemmde de Müer sick kieggen all den weltlicken Rummel, mit graute Kaup- un Parkhüüser dao üm den gueden Ort. Wu aolt? So ’n Denken tellt hier nich. Tiet spiellt hier kiene Rulle. So wat mäck sinnig un ruhig.

Mien jüdsken Frönd wiesede up de eenzige Bank sietto (jenseits) von de Müer. Wi sett’en us daal, ohne ’n Wort to säggen. Üm us to rüüskede de Verkehr. Gebrabbel von wiether, doch wi verstönnen dao so recht nix von. Egaol. Et wör män bloß so ’n Tongemengsel, mehr nich. Up maol göng achter us, naihge bi de Straote, dat Martinshörn. Wi keeken us an. De Jude tröck een Aoge hauch, stönn up un reckte sick. As wi göngen, sagg he: „Dann woll’n wir mal wieder, bis zum nächsten Jahr.“ Mi fööl daorup nix anners in äs: „Ja, die Zeit vergeht.“

Dao bleef de Rabbiner staohn, wiesede üm sick un sagg mit nen Smüüstern (Lächeln): „Der Mensch sagt: Die Zeit vergeht. Doch die Zeit sagt: Der Mensch vergeht.“ Ick nickede un dachte mi: „Bi guede Orte geiht dat …“

Erdig,
eenfach himmlisk

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„Schriftsteller“, dat Wort sägg us, dat düsse Schriewerslüe de Schrift, also de Worde, an de rechte Stelle setten doot. Wat is aower de rechte Stelle? Oha. Dat is ne Fraoge för sick. Dao krieget Wiesepitts sick all glieks bi in de Haore. Nich weinig Schriftstellers sind dao all bi laupen gaohn. Bi de Maolerie is dat auk nich vull änners. Wenn man all nich weet, wu dat Beld hangen soll, na ja … Maolers meint dann, de „Farbkomposition“ möök et. Auk guet. Un so frögg sick, wecket Wort „sitt“ un wat för ne Kollör de rechte Farbe giff. Alle män nich eenfach. Mehr Farben äs in‘ Hiärwst giff et baoll nich. Un wenn Rilke wat von de Schatten up de Sonnenuhren schriff, moss di dao auk schön Gedanken bi maaken, statt up de Uhr to kieken.

     Ja, de Tiet, de Tiet. Et is, as kaim et in‘ Hiärwst up ’n Stündken mehr orre weiniger gar nich an. Daoför schinnt et ümso mehr, dat Hiemmel un Erde gar verwisket. Guede Maolers maaket sick auk bi so wat nich bange. Guede Schriftstellers nich minner.

     As ick Luune harre, maol üöwer den Hiärwst wat to schrieben, göng mi forts dat Wort „erdig“ debi dör ’n Kopp. Ick dachde an Hiärwstdage fröher, as et noch mit nen Spaten in Gaoren göng un mien Vaa Scholle üm Scholle ümspickete. Daobi föölen de fucht-glatten Erdschieben sietto de Riege nao män so weg. Pielewörms, jäh int Lecht huoben, kringelden vörsichtig dör de schieren Schollen. Et is nich von Rilke, wenn ick schriebe, dat so Erde gar glänzen kann. Ach, un wu de frisk ümbruokene Erde erst rück (riecht)! Erdig. Mit nix to verglieken. So es dat Lecht auk rück. Fucht. Lecht, wat nich löchtet, aower dör fiene Wrasen griese wabert. So ‘n Lecht giff et bloß in‘ Hiärwst. Et is, as härre nen Maoler nich mhr vull Farben, de he aower guet noch misken konn, ick kann et nich änners säggen, Farben uut Hiemmel un Erde! Un all dat rück auk noch nao Hiemmel un Erde.

     Ja, so rück de Hiärwst, erdig, eenfach himmlisk.

Plattdüütske Bööker von Otto Pötter
Immer ganz wat Fien’s von hier

Mi parola Platt

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Up Esperanto hett dat: „Ick küer Platt.“ Esperanto, dat hät sick Ludwig Zamenhof 1887 uutdacht.  De Mann kam uut ne Judenfamilge un moss sick, üm dörtokuemmen, in sien Liäben immer wier mit ännere Spraoken quiälen. So kaim he up ne internassionale Spraoke, dat Esperanto. Siene Idee wör sicher guet, män dat Esperanto konn sick mit de Tiet nich dörsetten. Et is iäben nich, es use Platt, von binnen her uut Hiärt un Siäle wassen. Dat wieset us: De Kopp alleene mäck et nich.

     Lück wat an Ähnlichkeiten wieset sick mi bi den „Turmbau zu Babel“ (1. Mos 11, 4 – 7). De Mensken wollen, wu man so sägg, „hauch heruut“. Nu ja, waorüm nich. Aower se wollen mit iähren gewölligen Bau sotosäggen an’ Hiemmel kieddeln. Doch bevör iähr dat heelmaol to Koppe steeg, greep Gott söwwst in un dreihde iähr grautmuulsk Gebäbbel dörneene … Dat will us, recht bedacht, nix änners säggen äs:

     Immer dann, wenn Mensken sick es Herrgöttkes upkröppt, geiht dat Werks in de Totten, et giff Striet un de Mensken verstaoht sick nich mehr. Könnt alle säggen wat se willt, schütt dat Praoten aower allto hauch haruut, versteiht antlest nich eenen mehr wat. Is dat vandage nich jüst noch so? Ick weet jä nich, wu di dat geiht, aower bi dat, wat ick manchs so höre, suuset mi bloß noch de Kopp. Nich von ungefähr, denn wenn dat Hiärt schwigg, helpet weder klook Latien noch Esperanto.

     Well glöff, he härr mit sienen klooken Kopp usen Herrgott an‘ lütken Tehnt (Zeh), de hät unversehns den Deibel bi ’n Stiärt. Well meint, he könn söllfeddig (nach eigenem Gutdünken, gebieterisch) üöwer Köppe wegküeren, wahrt änner Grenzen nich. Dao is auk Esperanto nich för to gebruuken.

     Achtung, uppassen! Well kiene Grenzen wahrt, achtet auk de nich mehr, de änners sind, de änners praoten doot un änners denket. Dann is et nich mehr wiet bis gift’ge Worde un gefäöhrlicke Parolen.

     Ännersiets düch et auk wier nich, üöwerfair alle Mensken üöwer eenen Kamm to scheren. Nä. Dat häbt nich bloß all de Kommunisten versocht. Dat mag jä noch so guet dacht sien, aower wenn se alle Mensken lieke maaken willt, spiellt sick jüst sücke Liekmaakers äs üöwerlieke Herrgöttkes up. Doch dann Gnade us Gott. Se wieset sick mehrst gau all äs de gröttsten Menskenquiäler!

     Un wat wieset us dat? Wu man et auk dreiht, aower wer üöwer sick nix achtet, de achtet ansüss wuohl auk üöwerhaupt nich allto vull. Well daokeggen aower to Gott wuohl upkieken kann, kann up Mensken nich daale kieken.

     Grenzen wahren, dat hett, mit Anstand (un Affstand) üöwer sick sömms haruutkieken. Daobi is nich schwuor uuttomaaken, dat nich eenen den ännern lieket. Waorüm also soll he nich auk änners praoten? Daorüm könnt se sick vandage ruhig mehr un mehr up Englischk verstännigen. Ümdat wi allbineene üöwer Grenzen weg guet terechte kuemmet is dat doch guet so. Un doch wieset us Naomen und Spraoken, dat jedereen von us heelmaol wat Besönners is. Well möch dat all missen? Dat is doch mehr äs schön, orre?

     So is auk use Plattdüütsch heel wat Besönners. Un dat is schön so; schön dat et so wat (noch) giff. Drüm laot‘ us dao auk schön wat an doon. Dann kann et mientwiägen auk ruhig noch Eperanto giebben. Waorüm nich? Hauptsaake et is nich eenen debi, de use Platt platt maaken will.  Daoför wör use Platt to schaa. Mi dai dat weh, denn ick praot gerne Platt. Up Esperanto hett dat: „Mi parola Platt“.

     Süss noch wat?

Otto Pötter mäck dat Platt nich platt