De plattdüütske Bittgesang

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De Bidde lutt för jedet Flehen för alle immerto:
Bewahre us, oh Herr!

Vör Lüe, de nich schwiegen könnt …
Vör malle Stümper un Künstlergeklimper …
Vör suure Bömmskes un fusselige Bömmelkes …
Vör Klagen un freche Blagen …
Vör Säören un Grienen (beklagen und weinen) van Sippeltrienen …
Vör arme Kerkenmüüse un graute Klingelbüüls …
Vör smächtige Rippen in arme Krippen …
Vör nen aollen Rock un nen kaollen Grog …
Vör aolle Kabrachen (Ruine) un nierieke Drachen …
Vör Haore up de Tiähn un Schwiellen ant Gatt …
Vör ’n allto hatten un vör ’n allto flotten Affgang …
Vör lierige Knippen (Portemonnaie) un spinndulle Hippen …
Vör bollerige Querköppe un giftige Gaffeltangen …
Vör Straotenwiewer un Döppkesdriewer (arbeitsscheue Tagediebe) …
Vör olle Kerls, de wier frie’en willt …
Vör wahne Wollen un lahme Bollen …
Vör Omnepodenz un Impodenz …
Vör stumpe Fraulüe un scharpe Protokolle …
Vör Gepangel tüsken Düör un Angel …

Oh Herr, häb Inseihn un Erbamen,
A m e n

Andachtsgedanken

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Du graute Gott in‘ Hiemmel,
bitte üm Erbarmen, wenn wi hier nu es ehrlick sägget,
dat düssen Noah biätter härre uppassen konnt,
mit all dat Getier dao daomaols so in siene Arche.
Herr des Himmels, dao is em wuohl vull bi dörgaohn.
Orre bünd de dallerigen Diers nu för us vandage
so nickelige Proben för de ewige Siäligkeit?
Mein Gott jao, Schererie’n häw wi jä genoog demit, mit …

all de lästigen Chatfleigen un öösigen Dreckspatzen,
mit Meckerzieggen, alberne Gööse un lahme Enten,
mit ruhbästige Bücke un grantige Drachens,
mit glatte Aale un malle Aapen,
mit döösige Trampeldiers un köppske Leithammels,
mit jüchternde Windhunde un schändlicke Schwienhunde,
mit so ’n männig Hahn in‘ Korw
un all dat, wat för de Katte is.

Oh leiwe Gott un Herr,
giff us guede Nerven för so männig rappelköppsk Getier,
wat us faken unwies mäck:

Sture Iäsel un dicke Hunde,
lachende Höhner un hooßende Flöh‘
gierige Hamster, Nachtuhlen un Hippen,
Elfanten in Porßlanladens un olle Kröten,
inbelske Paofhähne (Pfau) un giftige Nattern,
wilde Bullen un dickfellige Ossen,
witte Müüse und schwatte Schaope.

Oh Gott un Herr, giff us Geduld,
dat wi bi all de unwiesen Diers nich dördreiht;
giff us aower auk Humor,
üm es nen Aoge tokniepen to können.
Denn wi sömms bünd manchs jä auk
recht seltene Vüögel …

Drüm nu in Demoot män:
Amen.

Dat Oberlicht

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Also wat hier bi us in Rheine fröher so nen heelmaol amtlicken Stadtdirektor wör, dao kam so licht nich eenen mit. Sücke satten in‘ Raothuus gar achter ne dicke Polsterdööre, ümdat se auk schön iähre Ruhe harren. All’s ännere mööken dao so de Beamten un nich tolesste Rudi, den Huusmester.

Oh ja, wat de Huusmesterie in dat Rheinske Raothuus anlangte, so konn et nich biätter äs mit so eenen es Rudi, „ein Mann für alle Fälle“. Dao smeet he sick aower auk giän maol för in de Buorst. Dann sagg he: „Leute, Leute, wenn icke un den Stadtderekter nich wören, dann wör et hier aower manchs zappenduuster!“ Wenn he daobi in sienen griesen Kieddel gar auk noch astrant (anmaßend) mit den Zollstock rümfuchelde, sagg dao auk nich eenen noch wat up. Hauptsaake, „de Olle“ sömms fuchelde män nich so von buoben daale detüsken.

Aower „de Olle“ harre et auk nich immer eenfach. Well niämlick äs upgeweckten Stadtdirektor uut siene Stadt wat maaken will, de hät faken (oft) nich weinig so üm de Ohren to wehren. Un an de Ohren göng em dao in sien Büro nu auk noch dat olle klapperige Oberlicht. Den Stadtdirektor moss dao gar all bi prussen.

Gott Dank aower wör nu erst es maol Urlaub. Drüm leit den Direktor vörher noch iäben bi Rudi klingeln. De stönn auk glieks bi senen Scheff praot. „Rudi, ach ja, gut dass Sie da sind. Also Sie wissen ja, nicht wahr, dass ich nun meinen wohlverdienten Urlaub antrete. Da hätte ich nun jedoch noch einige wichtige Anweisungen für Sie. Wässern Sie bitte alle vier Tage meine Blumen; nur dort, der Kaktus, der braucht kein Wasser. Verstanden? Nicht dass Sie mir den hier womöglich noch absaufen lassen. Ach ja, und nicht zu vergessen, Rudi, ganz wichtig: Sorgen Sie dafür, dass das Oberlicht in Ordnung kommt. Das ist hier ja sonst kein vernünftiges Arbeiten mehr! Alles verstanden?“ „Alles bestens verstanden, Herr Stadtderekter“, sagg Rudi em un wünschkede, „einen recht schönen Urlaub.“

Vetteihn Dage drup kreeg Rudi wier Order för sienen Rapport. Korrekt gaff he Bericht: „Alle Blumen, Herr Stadtderektor, haben schön Wasser von mir gekriegt, bloß den Kaktus nix.“ Dann hooßede Rudi maol iäben knapp so dör, schmeet sick in de Buorst un sagg: „Un dat Oberlicht, Herr Stadtderekter, also, ich mein, besser gehts nu nich mehr. Da knippsen Se, bittschön, doch mal den Schalter, denn ich hab da oben an de Decke extra zwei moderne Neonleuchten reingezogen.“

Maolertempo

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Aff un an is dat Huus maol dran. Dat dachte sick auk Frollein Evers. De Schooljuffer harr jüst de Pension guet dör un auk von de Sparkasse gaff et noch guet wat uut nen Sparvertrag. Dat moch nu wuohl trecken för de Giebelwand, denn dao feihlde et maol wier an Farbe.

Nu wör Frollein Evers nich Frollein Evers, wenn se sick bi so wat vörher nich heelmaol klook möök. Handwerkers un Handwerkers, oh, oh, dao kann man nich genoog bi uppassen! Un dann vandage de Stunnenlöhns! Dao flügg dat Geld jä män so weg. Drüm leit de Frau sick de Angebote auk alle guet dör’n Kopp gaohn. Antlest schinn iähr den Anstrieker Quieter ganz patent. De harr guet wat an Gesellen, Gerüste un Geräöte, so dat et mit dat Giebelstrieken an sick schön flott klappen könn.

Heidewitzka göng et den Maondag drup auk forts schwank loss demit. Erst möök nen Trupp dat Gerüst un dann werkten twee Kerls auk all mit Farb un Pinsel. För so ne Juffer an sick schön to bekieken. Auk kreeg se up klooke Fraogen glieks klooke Antworten: Vorstrich, Isolierstrich, Grundstrich un Anstrich hier un Farbstrich dao. Wat mehr? 

Doch nu schwüngen de beiden Riekkels (von Rüde) dao all veer Dage den Widdelquast an de Huuswand hen un her. Marijo, nich dat et nich gründlick sien soll, aower so langsam möök sick de Everske de doch nu Gedanken üm.

Üm bi de Antwort wuohl wat Tiet to gewinnen, rüöhrde Benno, well dao upt Gestell den Vorarbeiter wör, gründlick in den Farbenpott harüm, reckte piel sienen Puckel dör, schööf mit gekonnten Tungenschlag den Hahnewacker (Kautabak) up de ännre Backensiete, spiggede de schwatte Priemsoße wiet weg nao unnen hento un sagg: „Tschä, guede Frau, dao fraog ji män wat … Ick sägg es so, wenn de Olle düsse Dage den Ladbiärgsken Kerktaon för den Anstrich krich, dann geiht dat flott hier. Dann sin wi de in Nullkommanix mit feddig. Aower wenn nich, also dann kann dat hier noch wat duern …“

Ali un Aldi

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1960 gaff et bi us in Düütskland jüste maol 1.500 Türken. Aldi deelde to de Tiet siene bis daohen jüste maol 300 Kaupladens in Aldi-Nord un Aldi-Süd up. Van nu an duerde et gar nich mehr lange, dao daien bi Aldi nich bloß de ersten Alis flietig inkaupen, nää, baolle leip bi Aldi auk all den een off annern Ali gar äs Filialleiter. Kick, dat is Integration! Dat göng so wiet, dat Ali maol bi Albrechts Karl in Essen anrööp un em sagg: „Allo Scheffe, hier Ali. Wille sagen, Pappepier für Klosette war nich auf Palette. Jaja, Scheffe, sonst alles Paletti bei Ali hier.“ Kick, so wör dat.

Tüskentiets liäwet von Ali nu all veer Generassionen bi us. Un uut kien Stadt un Land is Aldi wegtodenken. Ali auk nich. Egaol off Ali oder Aldi, beide häbt sick guet maaket un gehört längst to use Kultur hier. Vörbi, de Tieten, as sick so männig fien Menskenkind to schade wör, in so Billigläden es Aldi intokaupen; vörbi auk, as Ali noch stüödderde: „Scheffe, nich verdrehen, Ali nix verstehen…“ Nu mott Ali et jä nich glieks up Platt doon, doch et is auk nix, sick de bloß met „Verständigungsschwierigkeiten“ harümtoschlao’n. Dann geiht et van Anfang an in‘ Knüpp.

Män wat sägg ick dao?

Eenen van use hiesigen Landslüe hier, Hillebrands Gerd, de leip vör Jaohren es in Dortmund. He wör dao up Besöök bi siene Dochter Roswitha. Nu ja, wu dat vandage so is, wör Roswitha auk all van iähren Kerl aff un schlöög sick dao so äs „Alleinerziehende“ dör. Un so moss de junge Mama nao Fieraobend up ’n lessten Drücker auk noch gau de Kinner uut de Kita haalen. Tüskentiets könn Gerd jä noch wuohl gau wat fört Aobendiätten inkaupen. Nu ja, waorüm nich. Gerd wör jä gar nich so. Un so möök he sick denn auk met den Inkaupsbüül up ’n Patt.

Nu moss wietten, Dortmund, Junge, dao is all wat an Straoten! Herrjeh, Gerd kreeg un kreeg nich den rechten Dreih dao nao’n Aldi hen. Dao fröög he den erstbesten jungen Türken: „Du, höre er mal! Wo hier geht’s hin nach Aldi?“ Gewitzt keek em den klooken Ali an un sagg to Gerd: „Hö? Zu Aldi!“

Gerd schlöög sick verdutzt an de Plääte un meinde: „Wat?! Schon zu hier Aldi…?“