De Gene un de Genialität

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Man könnt meinen, tüskentiets leipen de bloß noch Professors un Dokters – Professorkes un Dokterskes auk all. Normalität schinnt en Fremdwort. Un so küert se sick alle weet Gott wat terechte. Met Puchen un Dickedoon aower harren et Bergers immer all. Nao iähr Küern to riäken wören se von Goethe un Adam Riese so wiet gar nich wech. Den jüngsten Enkel keek auk all wier äs en Pfiffikus in de Welt. Nao Bergers Agnes iähr Puchen, könnt dat Kind noch wuohl … Egaol. För nen Dokterhoot is dat Köppken nu män doch noch to minn. Doch well weet, well weet …

     Mit klooke Kinner kann man gar nich fröh genoog anfangen, dann män flott. De Gene un de Genialitäten willt nich gerne wochten. Un wat et dao nich glieks all’s so to bedenken giff! Wenn du Vader weers un möchs auk so eenen es bi Bergers, dann streng di män an. Man sall et nich meinen, aower all vör de Zeugung hölpe guet wat an Kaviar, Selters un tüskendör immer maol wier so hunnert Liegestütze. Aobends dann ruhig auk noch wat an Thera-Band-Übungen, bevör et … Nu ja. Schön sachte klassischke Musik debi, de könnde gar Wunner wirken.

     Is et dann sowiet, sall auk de Kerl ruhig mit nao de Schwangerschaftsgymnastik. He lernt dao denn auk schön dat Hecheln, so dat dat Kind bi de Geburt all denkt: „Oh, auk Papa strengt sick bi mi jä nett an!“ Denn alleene bloß de genetischen Erbanlagen, de maaket et auk nich immer. Sitt in dat Kind villicht nen Slalomabfahrtsgewinner, et kümp aower män in Kattenvenne up de Welt, so is dat nich bloß Pech. Dann mott man dao glieks mit änners wat ran. Gesang is nich schlecht. Villicht mit Peter Alexander (1926 – 2011): „Der Papa wird’s schon richten!“ Dat giff Toversicht. Alltiets auk immer wier schön: „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp.“ So sitt de villicht noch, statt Skirennen, ne Goldmedaille int Springrieden drin. Schreit er aower bi „Hoppe, hoppe Reiter“, könnten et so Arien uut den Rosenkavalier noch wuohl richten. Well weet, well weet, villicht hett et irgendwann „eine reiche Heirat macht alles wieder gut“.

     Wu auk immer, bi all dem draff et nich an Vitamine un Spurenelemente feihlen, denn et geiht nix üöwer ne gesunde Ernährung. Dann aower auk immer schön up Bäuerkes achten. Ach so, ja de Buern, de giff et jä auk noch! Wat wären wi ohne Agrarstudiologen un Gartenbauinschinöre. Auk mit so wat könnt de Blagen gar nich fröh genoog beginnen. Se mött‘ dann von Kindheit an immer fien an Blöömkes ruuken un kieken, wo de Hummels so fleiget. Wu de lütken Kiekers debi so kieket, dao lött sick all wat an Genialität bi uutmaaken. Oh ja, de Genialität, dao geiht nix üöwer.      

     Schinnt et auk, dat dat alle bi den Pfiffikus von Berger guet troffen is, so kick Bergers Agnes doch lück kruus. Wat iähr bi dat Kind män doch Sorgen mäck, dat is düsse Lese- und Rechtschreibschwäche. De lütke Göre (Kleinkind) wätt muorn all immerhin twee Jaohre!

Bitte

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Kodderig Wiär, dat is nix för de Gesundheit. Jüst aolle Lüe laupet dann gau mit ne Verköhlung un häbet et wahn an‘ hooßen. Mit de Bronchien is nu maol nicht spassen. Dat wüss Anton auk. So woll he de glieks wat keggen doon. Un so stönn he in de Stadt dao nu vör de Afftheek, sienen Struppi an de Liene debi. Doch Struppi droff de nicht mit in. „Hunde müssen draußen bleiben“, stönn graut an de Afftheekendöör. Ick säch di, dat dat alle so städtske Marotten sind. Egaol. De Rüe harre jä auk nix. Aower wohen demit? Anton keek üm sick, üm dat Dier wo antobinnen. Aower nix. Nix to maaken. An allen Mumpitz harren se dacht, aower Diere mossen män seihn, wo se bleewen.   

     Gott Dank kam dao nu ne Frau up em to un Anton göng dat Menske auk forts an: „Stopp! Könns mi wuohl iäben den Hund haollen. Ick mott dao gau in un haalen wat.“

     De Frau bleew staohn, keek em an un sach bloß: „Bitte …“

     Oh, göng et Anton dör ’n Kopp, glieks häs et hier all mit so ne fiene Dame to doon. Se harre em wuohl nich recht verstaohn. Also dai et de Mann nu vörnehmer: „Ich meinte, ob gnää Frau, nich wahr, also ob Se vielleicht so gut sein möchten, mir nen Moment den Hund zu halten, derweil ich nur kurz mal eben, von wegen alle die Verkühlung mit de Huusterei, in die Apptheke rein muss, ich meine, wenn’s nich zu viel verlangt is.“

     De Frau keek em verwünnert an un sach: „Dao bruukt Se ja gar nich so gewöllig Worde üm maaken, ick sin de wuohl ächter kuemmen, üm wat et geiht.“ Doch nu wiesede se up den Rüern un sach: „Ick häb bloß frocht, off he bitt?“


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De Olle

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Sächs vandage wat, moss immer schön vörsichtig sien. Giff baoll nix mehr, wo se di nich mit packen könnt. Nu auk noch alle düsse Wenderie mit de Genderie. Man slött de all mit de Tunge bi an. Nich genoog demit, will jedereen auk noch klööker sien äs den annern. Denk an, wat laupet de nich alles för Dokters herüm! Fröher dai et niäben de Apptheek män bloß eenen. De was so wat es de Olle in nen witten Kiddel. Man keek debi up, wenn de wat sach. Jüst so es bi Schoolmester un Pastor. Wenn ansüss wat wör, wör de Olle dran. Un nöhm sick gar de een off annere Frau dat Wort, so leip se äs Ollske. An sick aower harre de Olle dat lesste Wort. Oh ja, dao mosses faken (oft) schön bi uppassen. So sach Bäänd maol: „Wennde Olle bi us in de Bude fröher es guet Wiär möök, dann krückte he es ’n Brummfitz. Dann duerde et nich lange, un he tröck us dat Fell üöwer de Ohr’n.“ Un schandudelde (schimpfen) gar es maol ne Ollske, dann wünken de mehrsten debi aff. Pyschologen harren dao gar noch Spass an. Egaol. Se daien sick de män alle so mit hen.  

     Mit dat Platt göng et ja auk nich bloß ümt Fiendoon. Platt moss kennen, dat kanns nich studeeren. So es de Olle, küerden auk de Lüe nich lange de ümto. Waorüm auk? Et is, es et is. Dat is mit dat Öller nich anners. Will auk vandage nich eenen mehr aolt sien, kreeg he fröher to hören, dann möss he sick män bitieten uphangen. Oh, oh, so küer es vandage. Woll aower wüerklick wuohl ne Menskensiäle gerne aolt werden, so harren de ännern de auk nix ümbi. Se sachen, de Ollen dröffen bloß dat Aomhaalen nich vergiätten. Olle Lüe wären nu maol wat vergettlick. Meinde aower eenen, he kreeg tatsächlick nich genoog Luft, kreeg he to hören, dann möss he män öfters nao buuten gaohn. Dao gäff et Luft genoog. De koste nich es wat. Üöwerhaupt härre för all so wat „de Olle dao buoben“ guet suorget. Den gaff et ja auk noch! So kamen de Lüe hier mit den een off annern Ollen auk wuohl guet terechte. An sick is dat auk vandage noch wuohl so..   

     So säch noch immer de Mensk mit teihn Jaohr: „Junge, mien Vaa, dat is en Kerl, de kann all’s.“ Mit twintig hört sick dat all anners an: „Wat de Olle doch nich all’s so mäck! Könns unwies bi werden!“ Mit deertig meinet se dann: „Wat de Ollen mööken, dat wör män doch nich all’s so verkehrt.“ Un sind se erst vettig un mehr, dann hett et gar: „Respekt, Respekt, ick könn et nich biätter äs use Ollen.“ Tolesste gar hett et: „Ach, wenn doch de Olle noch liäben dai, wat wäre dat schön. De wüss de wuohl wat von …“

     Tschä, so is dat. Wi werdet to fröh aolt un to laate klook. Wenn auk. Usen besten Ollen dao buoben, de knipp de wuohl een Aoge bi to. Wat mehr? So willt wi de Ollen män gewähren laoten.

Angemessen

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Up Bahnöffe göng et fröher noch wuohl recht angemessen to. Dao göng et erst es dör ne Sperre, eher dat de Bahnstiege dran wören. Up de Bahnstiege gaff et, von wiägen de Wochterie, auk noch wuohl dat een off annere Buotteram orre gar ne Wuorst so för tüskendör. Doch auk Tabakwaren orre, nu ja, angemessenn, lütke Spritpüllekes för allto Düörstige, wören för de Reise to kriegen. Well göng unnerweggens denn all graut in Speisewagens? So hölp man sick de angemessen all up en Bahnstieg mit.

     Angemessen auk, wenn de Zug in- off uutföhrde. Schaffners keeken scharp drup, dat dann längs de Gleise de Bahnstiege auk schön frie wören. Üöwerhaupt herrschkede Ordnung, süss kam de Bahnpolßei. Recht angemessen, wenn et sien moss, gar mit Gummiknüppels. Harre den Schaffner Röttger dao aower dat Regiment, göng et auk so dao an sick recht angemessen to. Röttger, dat was noch wuohl nen fideelen Kerl in Uniform. He dai gar gerne riemmseln. Fröög em dao eenen: „Wann fährt der nächste Zug nach Münster?“, anterde Riemmsel-Röttger: „Da setzen Sie sich man in Trapp, in zwei Minuten fährt er ab! Der Zug steht auf dem vierten Gleise. Also flott! Und gute Reise.“

     Annermaol moss nen Gentler (vornehmer Herr) in nen Zug nao Hamburg umstiegen. Up de Fraoge, wu lange he noch „Aufenthalt bis zur Abfahrt des D-Zuges“ härre, sach Riemmsel-Röttger: „Der Hamburger Zug fährt um 18 Uhr ein. Das reicht noch für ein Gläschen Wein.“ Doch nu harre Röttger sienen Mester funden. De Mann riemmselde em wat terügge. Goethe härre et nich biätter konnt. De beiden kreegen de richtig Spass an, so dat nich es mehr Tiet för dat Gläsken Wien bleef. Daoför woll de werte Herr sick aower nu weinßens noch schöne Zigarren für unnerweggens nao Hamburg gönnen. De koffte he sick nu gau noch.

     Fröndlick wu de Gentler wör, dai he sick auk „angemessen“ bi Röttger verabschieden. He höölt em den Zigarrentuuten hen un spröök: „Mein lieber Herr Röttger, es war mir ein Vergnügen. Gern könn’n Sie eine Zigarre kriegen!“ Oh, dao langte Röttger gerne to un sach angemessen: „Woll’n Se mir Gutes tun in ihrer Güte, so nehm ich gerne die ganze Tüte.“

Fernsehunerhaltung

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Winterdages, wenn et mit dat Buutenlaupen naolött un et dagesüöwer ja auk all fröh finstert, huukskert nich weinig Lüe allmänto vör de Flimmerkiste. Nu mott jedereene et sömms wietten, wat he von muorns bis aobends so mäck, man mott bloß uppassen, dat man et nich in en Kopp krich debi.

     Ick weet noch guet, dat et fröher män bloß twee Fernsehprogramms gaff un et daomit auk erst to Aobend lossgöng. Un vör Middernacht wör auk all wier Schluss mit de Fernsehunterhaltung, weil „Morgenstund Gold im Mund“ harre. Man fröch sick vandage, wu dat fröher wuohl alle so ohne Fernsehen göng? Nu ja, de Lüe daien wat änners: mehr biäden un liäsen daien se, stricken, häkeln, basteln, handwerkern orre se schreewen Breefe; et gaff ja noch nich üöwerall Telefon.  

     Nu leit sick villicht säggen: „Guet, dat dat vandage anners is!“ Is aower alle düsse moderne Fernsehunterhaltung biätter? Wenn mi fröchs, können von füfftig Programms glieks vettig wier von de Bildfläche verschwinden. Aower auk de Öffentlich-Rechtlichen sind nich mehr dat, wat se maol wören. Oft pallavert se dao all jüst so herüm, es bi de Privaten, de et mächtig rabaukig angaoht. Egaol is de wat mit de Polßei.  

     Mott aower nich. Giff ja Fernsehunterhaltung en gros. Naomiddags, wenn dat Iätten längst all up is, kuoket se in‘ Fernsehen immer noch. Un fraog nich wie! Meditteran vegan orre Fasan à la Meran, et is di dao en Rüöhren in Pötte un Pannen, as bruukte et ne Extrakamer för de Zutaten. Aower in de Werbung maaket se för Fertigpizza un Fischstäbkesangebote Reklame. Glieks dann wier dat Rohkostschnibbeln. Geiht ja nix üöwer de Gesundheit. Daoför kriss bi de Dokterserien nen Rappel. Hier nen Tupfer, dao dat Skalpell. Dann wier sind de Krankenschwestern allmänto up en Sprung un de Chefärzte iähr mit weihend witte Kiddels achteran. Tüskendör jodelt in de Werbung de Zillertaler. Schaltes üm, sitts irgendwo in ne Gerichtsverhandlung. Nämanä, wat Uutdrücke. Ganz schlimm. Un dat bi Gericht! Dann leiwer räötseln. Aower wat sind dat denn för Fraogen? Nä. Gau wier ümstellen. Nu ja, dao fuort se jüst de Aapen. Auk wier so wat mit Rohkost. Dann leiwer doch mit Rosi un Franzel üöwer Berg un Tal up den Heimatkanal, auk wenn Träönen debi kullert. Nao so wat dött Sport an sick immer ganz guet. Se trappet dao auk flietig, wenn bloß den dummen Schiedsrichter nich wäre. Egaol. Mit de Sportwettenreklame is villicht noch niäbenbi wat an Geld to maaken.

     Män nu sind auk all de Abendprogramme dran. Oh je, gau den Ton dömpen! Et wätt schuotten, dat de Lampe wackelt. Heelmaol geföhrlicke Krimiaobende sind dat. Wat ne Welt! Villicht wäre nen Schien för ne Schreckschuss nu doch gar nich so verkehrt.