Bäänd an de Hiemmelsporte

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Bäänd wör nen flietigen Kerl. He harre den heelen Vörmiddag in Gaoren üörnlick wat doon. Nao nen Dutz Katuffelpannekooken wör nu Tiet för nen Ünnerst (Mittagsschläfchen). Aower söwwst upt Sofa wör Bäänd all wier flietig togange. Daoför harre he sick nen dicken Stammend von Baom uutsocht, wo he mit ne gewöllige Saage drangöng. Et göng allmänto: Rrrrrrrr-t! Rrrr-rrrrr! – Doch wat wör dat up maol? Unner em de Baom all baoll in Stücke, swebede Bäänd höhger un höhger. He leit de Welt deep unner sick un wör nu tatsächlick an de Hiemmelporte landet. Godorri. So wör dat also mit dat Dautgaohn. Nu ja, man hölt dao nix an. Doch wat söhg he?

     In de Midde satt Petrus up ’n Gaorenstuohl, Typ Teak-Hochlehner, mit ne allemaol fiene Klappsesselpolsteruplage in Stiärnkesdeko. Üöwer sick nen wunnerbaren Rausenbuogen uut füerverzinkten Draoht. Un dat mit Rausen, also so Rausen harre Bäänd noch seihn. Ganz wunnerbar. Wüss he nich genau, dat dat Petrus wör, so härre he up Gärtner Pötschke tippet: langen witten Baort, all wat in de Jaohre de Mann un ne grööne Schüötte üm. Män statt de Piepe, harre Petrus ’n bronzen Krüüß in de Hand. Daomit naigede he Bäänd to sick un sach: „Tschä, Bäänd, dat de Hiemmel hier dat reinste Gaorenpardies is, dat härres wuohl nich dacht, wat?“ Nä, dat härre Bäänd nich dacht.

     Petrus stöck em, se können em wuohl guet bruuken. Wenn he flieitg wär, kaim he up düsse Art un Wiese noch wuohl ant Fiägefüer vörbi. Dao woll he wuohl bi mitmaaken, meinde Bäänd. Also guet. Wör genoog to doon. Bäänd soll auk män glieks vörne mit den wietlöftigen Pand bi dat graute Sommerhuus von Mutter Maria anfangen. Dat härre et wuohl naidig. Kien Problem för Bäänd. So bruukte de Mann siene Holzken auk gar nich erst uuttrecken. He greep sick ne graute Schuufkaor samt Harke, Bessen un Spaten un füng forts flietig an. Dat konn Bänd ja. Hier wat ümspicken (umgraben), dao wat an Dünger bi dran … Dann wör auk all Tiet för ’n Ünnerst (Mittagsruhe). Daoför lechte he sick in de Schuufkaor. He harre de Aogen män soiäben to, dao flögen up maol de Sommerhuusblendladens wiet up un de Mooder Gotts reip: „Bäänd! Weeß du, wu laate et is? Mit lange Liggen is us hier nich vull holpen!“ Oh, wat nen Ton dao von de ehrwürd’ge Mutter Maria.

     Män dat …, dat wör jä siene Maria. „Mia, oh Gott, wat is?!“ keek Bäänd heel dutt up. „Dat fröchs du mi ?“, kam et terügge, „schnuorkst herüm un kümms gar nich wier hauch.“ „Jaja, geiht glieks wieder“, streckte un reckte Bäänd sick, „ick roop bloß noch iäben bi Gärtner Pötschke an, von wiägen de schönen Rausen för usen Rausenbuogen …“

De Professer wüss et biätter

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Vör lange Jaohren, as Mönster noch nich so ne graute Studentenstadt wör äs vandage un de Pennälers noch änners wat in‘ Kopp kreegen äs Informatik un Algebra, göngen maol keggen Aobend, in Tweedüüstern, dree Studenten dört Koohveerdel (innerstädtisches Kneipen- und Kunstviertel nahe der Universität Münster). Dao keem iähr, ächten, anner Siete Straoten, den stäödigen Professer Dokter Drewitz in de Mööte. De harre sick to Fieraobend wuohl bi Pinkus Müller (Tradtionsbrauhaus) sien Aolt gönnt. Se kannden den gelehrten Herrn glieks von wieden all an sien aapige Hooßen, wat de Mann to Gewuohnheit tüskendör egaol so dai, so as woll he daomit säggen: „Man mott immer mit mi riäken.“ Mehrst streek he sick daobi noch wichtig sienen Snurrwitz. Jüst mit so eenen wollen sick de jungen Lüe nu es en Spässken maaken.

     De Burschen tröcken sick den Rockkragen hauch, drückten de Mütz int Gesicht, dat se nich to kennen wören, un göngen in nen Schlendrian, teihn Tratt uuteneene, den Olen vörbi. De keek nich schlecht. Besönners, as nu den Ersten to em sää: „Guten Abend, Vater Abraham.“ „Guten Abend, Vater Isaak“, sää den Twedden un de Deerde rööp em auk all vernehmlick to: „Guten Abend, Vater Jakob.“

     Dao meinden se nu wunners wat se uutfriätten harren. De Ole aower stönn still, hooßede vernehmlick knapp dör un reip iähr nao: „Welch ein Irrtum! Ich bin weder Abraham und auch kein Isaak oder Jakob! Ich bin Saul, der seinen Esel verloren hatte und nun, oh Wunder, gleich drei davon ausgerechnet im Kuhviertel wiedergefunden hat!“

Eigentlich ganz nett

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Es schien eigentlich alles ganz nett. Sehr informativ und unterhaltsam, die Jubiläumsveranstaltung „500 Jahre Kirchengemeinde Sankt Dionys“. Der Saal war voll. Bis zum gemütlichen Teil fehlte nur noch der Festvortrag des Herrn Professor Dr. von Zweydorff von der Theologischen Fakultät der Universität Münster zum Thema: „Die Kirche im Wandel der Zeit“. Der Herr Professor prüfte auch vorne schon das Mikrofon: „Eins, zwei drei …“ Oh, ein Schall mit Hall. Das müsste etwas dezenter klingen. Also noch einmal: „Eins, zwei, drei …“ Nun klang die Stimme klar und frei. „Können mich auch alle hören?“ Nicken im Saal. Alle können gut hören. Gut so. Nun denn: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist mir eine Ehre, zum heutigen Jubiläum der Kirchengemeinde Sankt Dionys …“

     Und das, was der Kenner sagte, war einfach ein Gedicht. Nein, ein Gedicht war es selbstverständlich nicht, aber es klang doch alles wohl gesetzt und feierlich. Der Professor sagte sogar noch so einiges auf Latein. Das musste wohl so sein. Es klang denn auch ganz fein. Eigentlich ganz nett, so dass der Vortrag schon bald mit Applaus gut überstanden war. 

     Nun fand auch der Herr Pastor noch einige warme Worte, also dass er sich freue über die große Anzahl der Gläubigen, die der Kirche auch in diesen unruhigen Zeiten die Treue hielten. Eigentlich ganz nett. Und … ja, dass es an sich ja auch eigentlich gar nicht ohne Gläubige in der Kirche gehe. Angesichts dessen gelte auch sein großer Dank … Und dann aber: Applaus, Applaus! Getrommel auf den Tischen. 

     Nun konnte auch endlich der gemütliche Teil des Abends beginnen. Die Musik stimmte schon einen Walzer an, während die Herren behutsam ihre Anzugjacken über die Stuhllehnen hängten, hier und da die Damen ihre buntseidenen Halstücher lüfteten und die Ober flink wurden. Eine gute Gelegenheit für den Pastor, nun auch einige persönliche Worte mit den Gästen zu wechseln. Man sagt ja hier den Emsköppen nach … Ach, sie sind doch eigentlich ganz nett. Was die Leute nicht alles so sagen. Der Pastor kannte wohl seine Schäfchen. 

     Nett wie Pastor war, ging er von Tisch zu Tisch. Da kam er auch an den Tisch, wo der Kartoffelbauer Benning senior mit seiner Frau saß. Sehr schön. Denn schon seit Jahren kamen Pastors Kartoffeln von Bennings Hof. Eine gute Gelegenheit, um ein paar besonders nette Worte zu tauschen. Also, Ladys first. Nun ja, der Pastor wusste, dass die Benningsche schwerhörig war. Drum sprach er sie laut und deutlich an: „Oh! Frau Benning! Guten Abend! Na, sind Sie auch da?“

     „Was?!“, rief Frau Benning; sie hielt ihre rechte Hand hinters Ohr und fragte den Pastor, was er gesagt hätte. Als Pastor kam er der Frau nun doch schon recht nah. Ganz dicht beugte er sich ihr zu und fragte das Gleiche noch einmal. Doch die Frau schaute ratlos ihren Mann an und fragte: „Was? Was hat er gesagt?“ „Er wollte bloß wissen, ob du auch da bist!!“, dröhnte ihr Mann. Da nickte Frau Benning und sagte: „Soso. Is ja nett von ihm.  Dann sag‘ ihm män, dass ich hier sitze!“

Bücher von Otto Pötter aus dem Aschendorff Verlag Münster:
Immer wieder „was Schönes von hier“.

Fernsehplatt, „ganz kurz“

Bild: Thorsten Jander – I & U TV Produktions GmbH Köln

Nu kenn ick auk dat Fernsehplatt, et is „ganz kurz“. Daoför kreeg ick erst es nen langen Breef. So un so härren se sick dat dacht; de Zuschauers könnden villicht noch wuohl schön Spass an Dialekte kriegen. Daoför härren se sick teihn Dialektiker uut Düütskland uutsocht. Off ick dao mit Platt nich bi mitmaaken woll? Ganz kurz bloß. Daoför kaim et iähr up de Spesen auk nich so an. Ja, wenn dat so wör, gaff ick iähr to verstaohn, dann woll auk ick män nich kniepen. Nu ja, maol änners wat.  

     Un so göng et för dat Fernsehplatt von Rheine uut nao Berlin-Adlershof int ARD-Hauptstadtstudio (Sendung „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume am 17. Oktober 2020).

     Erst es nao de Reise dao schön uutschlaopen in nen grautet Sternehotel. Annern Dag üm Teihn wör et sowiet. Bi de ARD kreeg ick för den Dreih ’n Extrazimmer den Dag üöwer. Nen pricken Lakai stönn mi auk to Siete. Dat wör auk guet so, ansüss härre ick mi dao verlaupen.

     11 Uhr wör Probe im Studio. So wat harr ick noch nich seihn. In dat „Studio“ pöss bequem de Rheinske Stadthalle. Un all’s vull Lüe, de mit wunners wat leipen. Hier blinkte wat un dao reipen se sick wat to. Prompt hagelden auk all de Regieanweisungen. Von nu an dat Hooßen laoten, dat mösse wochten. Auk nich in de Niäse knibbeln. Oh, un bitte tiopptopp drup achten, dat de Buxe auk vörne to wör. Gott bewahre. Noch wat? Nä. Also dann nu  eenmaol noch guet dörrecken un ran ant Mikrofon.

     Glieks kreeg ick uut nen Lautspriäker to hören: „Bitte ganz kurz!“ Ja, wat denn? „Name, wo Sie herkommen und welcher Dialekt.“ As ick anfüng, brööken se glieks aff. „Nein, so nicht. Bitte in Plattdeutsch.“ Also wesselde ick üm un sagg, dat ick uut Rheine kamm un siet dann un dann, bis up Ziegenpeter, an sick ganz gesund up Gotts Erden laip … „Stopp!“, göng de Regie de wier tüsken, „noch einmal! Aber bitte ohne diese Fisimatenten. Ganz kurz nur!“ Auk guet. Moss män alle schön mitmaaken. Dann göng et. Also druut uut de Probe. Gott Dank. Nu gaff et Iätten. Daonao göng et wier int Zimmer. „Kurze Erholung von der Probe.“ Ick sägg di, dat et alle wat is mit dat Fernsehen.  

     Guet drei Uhr rüm wör de Maske dran. Nä, nich so es bi Karneval; fien maaken! Nu weet ick mi auk to schminken. De Lakai mit nen Männeken in sien rechte Ohr namm mi an de Siete: „Wir gehen jetzt zur Aufnahme.“ Oha, harre ick üöwerhaupt … Ja, Buxe wör to. Vör dat Studio kam noch gau ne Frau mit nen Puderquast und widdelde mi üm de Niäs herüm. Dann göng ne graute Porte up un ick moss rin. Riene ne va plus. Live! Glieks nammen mi veer Kameras int Visier. Un von ächten weg kreeg ick so iäben noch to hören: „Bitte ganz kurz …“

     Drüm will ick auk hier nu wieders nix mehr säggen. Bloß ganz kurz: Hendoon!

P.S.
Aobends schlööp ick noch ganz kurz in mien Hotel un den ännern Dag göng et nao Huuse. Ganz kurz auk noch de Riäknung: Dree Dage Spesen satt, för een Minütken Fernsehplatt.

Bitte

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Kodderig Wiär, dat is nix för de Gesundheit. Jüst aolle Lüe gaoht bi de Hooßerie licht in de Kneie. Dann is et aower sowiet. De Bronchien, de Bronchien! Dao is nich mit to spassen. Dat wüss Jopp auk un woll dao wat keggen doon. Drüm stönn he in de Stadt dao nu vör de Appthek, sienen Struppi an de Liene.

     Struppi droff de nich mit in. „Hunde müssen draußen bleiben“, stönn graut an de Appthekendöör. Ick sägg di, dat dat alle so medezienske Marotten sind. Egaol, an sick nich schlimm. De Rüe harre jä auk nix. Aower wohen demit? Jopp keek üm sick, üm dat Dier antobinnen. Aower nix. Nix to maaken. An allen Mumpitz denket se in de Stadt, dacht Jopp sick, aower Diere mött‘ städtischerseits män seihn, wo se bliewet.  

     Gott Dank kam dao nu ne Frau up em to un Jopp fröög glieks dat Menske: „Stopp, könns mi wuohl iäben den Hund haollen. Ick mott dao gau in un haalen wat.“

     De Frau bleew staohn, keek em an un sagg bloß: „Bitte …“

     Herrjeh, göng et Jopp dör ’n Kopp, glieks nu auk noch so ne fiene Dame. Se harre em wuohl nich so ganz richtig verstaohn. Also dai Jopp et nu vörnehmer un spröök: „Ich meinte, gnää Frau, ob Se vielleicht so gut sein möchten, um mir den Hund zu halten, derweil ich nur kurz mal eben, von wegen meine Verkühlung mit de Huusterei, in die Apptheke rein muss.“

     De Frau keek em immer noch so verwünnert an un sagg: „Dao bruukt Se ja gar nich so gewöllig Worde üm maaken, dat häb ick wuohl verstaohn; ick häb ja bloß froggt, of he bitt?“