Melodie: Schornsteinfeger ging spaziern
Text: Otto Pötter

Bild: pixabay

Schosteenfiäger göng spazeern,
Schosteinfiäger göng spazeern, göng spazeern,
Schosteinfiäger göng spazeern.

Kam he an nen Ständerhuus (Fachwerkhaus) …

Wör ne Deern dao, Ei der Duus …

Wicht, säch, wiss du mit mi gaohn …

Mott ick erst mien Moder frao’n …

Moder, draff ick mit em gaohn …

Moss du erst es Papa frao’n …

Papa, draff ick mit em gaohn …

Nää, mien Deern, dat draffs du nich …

Beide naiden stiekum uut …

Vaa un Moder ächteran …

Fierden wanner Hochtiet dann …

Laate göng et dann int Bett …

Doch wör dat dann noch recht nett nett …

Schosteenfiäger fiägte schön.
Schosteenfiäger fiägte schön, fiägte schön.
Schosteenfiäger fiägte schön!

Der Feuilleton-Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten, Johannes Loy, gab in der Wochenendausgabe vom 1./2. Dezember 2012 den Buchtipp:

Bild: Signatur Eckers

Bild: Signatur Eckers

„Otto Pötters Bücher sind immer willkommene Lesefeinkost. Die plattdeutschen Geschichten beleuchten Alltägliches und sind mit ihren kleinen feinen Weisheiten häufig einleuchtender und treffender als die großen Sinngebilde der Dichter und Denker.“

Der weithin bekannte Autor aus Rheine erweise sich mit seinem neuesten Buch „Bömmskes un Bömmelkes“ einmal mehr als ein Könner fein pointierter Kurzgeschichten. Unterhaltsam, hintersinnig und gemütvoll zeichne er Leben, Alltag, Jahreslauf und die seelischen Regungen der Menschen des Münster- und Emslandes nach – zwischen Frühjahr und Herbst, zwischen Elternhaus und Schule, beim Arzt und Advokaten, unterwegs auf Pättkes oder Straßen ebenso wie am heimischen Herdfeuer.

Dabei zögen die ansprechenden Illustrationen des Berliner Künstlers Markus Pötter den Leser feinfühlig in die Geschichten und Gedichte hinein. Pötter schriebe zeitlos schöne Bücher zum Nachdenken und Schmunzeln, gemacht für meditative Augenblicke ebenso wie für gemütliche Leseabende.

Et wör so Medde September 1935 un nen schönen Spinnkoppeldag (Altweibersommer). An nen fröhen Naomeddag satten up de Verande van et Pfarrhuus den Pastor van Stemmert met siene Frau, samt den Rheinsken Dechanten bineene un drünken Koffie, üm sick „in brüderlicher Eintracht“ to berao’n. Dat de Ludderschen un de Kathoolschen in guede Maneer tohaupe an‘ Dischk satten, wör recht ungewüöhnlick, göng ansüss doch de eene Sorte de annere Sorte Glöwige uut ’n Weg. Doch ungewüöhnlicke Vörkömmnisse verlanget nich selten auk ’n ungewüöhnlick Verhollen. För de Geistlichkeit lag dr niämlicks mächtig wat in de Lucht. Denn de Nazis harren de Kerken up ’n Kieker, reipen up to nen „Kirchenkampf“ un harren all so wat es ne „arteigene germanische Glaubensgemeinschaft“ in‘ Kopp. Dat göng to wiet. So nich! Dao wollen se van buoben büs vör Ort nu aower wat an doon. Kick, daoher düsse ungewüöhnlicke Verandarunde in Stemmert.

De Sönne dai et noch wuohl, doch de Natur harr et all met ’n Hiärwst to doon. Schön un guet, dat Buutensitten, doch Pastorsfrau wör unnen rüm män lück empfindlick, drüm harr se all den langen warmen Brokatrock antrocken. Nu ja. Dao passeerde et nu, dat up maol nen Bengel van Hasen uut ’n Struuk sprüng un sick vör Schreck jüst unner den grauten Rock van Pastors Frau verkrööp. Godorri! De guede Frau krieskede et män so uut.

De Herr Pastor wör aower glieks Manns genoog, sprüng up de Knei, fuchelde unner’n Rock van sien‘ Frau harüm un kreeg den Hasen geistesgegenwärtig to packen. Oh, wat ’n Kriöl un Geroop daobi! Ganz Herr der Saake göng he met dat Dier stump dör in‘ Schoppen. Eher dat se an‘ Dischk wier Worde fünnen, stönn den Pfarrer de auk all wier – un den Hasen wör all afftrocken. So freiden se sick up ’n lecker Braoden, „selbstverständlich auch mit dem Herrn Dechanten“.

Doch oh je. Met nen Fernkieker harr dat van wieden jüst den nieschierigen Rottenfänger (Kammerjäger, Schädlingsbekämpfer) Rotthues spitz kreegen, de alltiets all nen grauten Pick up de Kerke harr. Drüm möök he Anzeige „in Sachen Wilddieberei von Seiten des Burgsteinfurter Pastors“. Un dat göng nu gar bis vör’t Amtsgericht in Rheine!

Dao mööken de gelehrten Herrns in iähre langen Talare auk ’n graut Buhai. Jeminee, se slörden een ümt annere dicke Gesetzesbook ran un brööken sick de Köppe uuteneene van wiägen all dat Jagen so in‘ Allgemeenen un in‘ Besönneren. Män sovull se sick auk wat met de Parregraofen üm de Ohren smeeten, et pöss un pöss nich so recht met den Hasen up Pastors Veranda.

Den Richter ruttkede all wehrig up sienen grauten Stoohl harüm un spröök: „Angesichts der Theologenpräsenz wäre viellicht so etwas wie eine waidmännische Ökumene hilfreich“, nu höößelde he lück verliägen, „also sozusagen gewissermaßen eine ausgleichende geistliche Reflexion dieser strittigen Frage.“

Oh, dao keeken de haughen Herrns nu aower bi up! Glieks vöran kreeg nu den Dechanten dat Wort „für einen vernünftigen Vorschlag“. Dao könn he wuohl met helpen, mennde he un sagg: Man könn et jä dreihen es man woll, aower de Jagd dao unner den Rock van Pastors Frau, de könn un droff – auk ganz in‘ ökumenschken Sinne – män eenzig un alleen bloß Pastors Saake sien.

Kick, dat satt! Auk wenn de Affkaoten lück de Aogen verdreihden, klappten se nu män iähre dicken Gesetzesbööker to – un glieks drup verkünnede den Richter auk all: „Freispruch“.

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Ostern is män jüst vörbi,
dao is nu Hiemmelfahrt all wier.
Wi häbet düssen Dach gar frie –
un Mannslüe maaket sick ne Fier.

De Papas spannt de Kutsken an,
üm met Gesang sick sömms to ehr’n.
„Ein dreimal Hoch dem lieben Mann!“
Dat sall es eenen iähr verweh’rn!

Daobi bünd vielle gar nich Vater –
un fiert den Vatertag doch mit.
Drüm is dat mehrste auk Gequater,
bi all dat Beer un all den Sprit.

Sinn un Verstand bünd so gau rietten.
De rechte Sinn is debie wech.
Waorüm et geiht? Well will ‚t noch wietten,
wat düssen Dach us wüerklick säch?

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To nen schönet Grillpläseer gehört nu maol auk frisket Beer. Un wu dat so is, so auk bi ‚t Beer: All’s met Maoten. Nich dat du glieks bi’n Grill all so wunnerlick fröggs: „Wie gärt es dir? Ich hopfe, maischt gut.“ Oh, oh, dat is jä, as wenn et bi’t Grillen all alle anbrennt.

To nen schönet Grillplaseer gehört nu auk noch mehr äs Beer. Jüst de Grillgetränke, also de verlangt all wat an Verstand. Jaja, ick weet, met Waater geiht dat auk. Doch dann döt et auk iämso guet drüüg Braut. Grillen aower, dat verlangt mehr. Un wenn wüerklick Waater, dann ja nich van‘ Kran. Üm et nich äs Arme-Lüe-Geplörr antobeiern (anzubieten), haal glieks män so Gott uut Frankriek debi. Denn de Waaterkroon kömmt uut de Rhône! Also: Volvic, Perrier orre Evian. Wu sick dat all anhört! Dao klingelt glieks män so de Ohren.

Bi’n Wien is dat nich änners. Üm Gott’s Willen dao aower nich den Kröver Nacktarsch kredenzen! Nich dat dao eener nao ’n paar Glasers gar meint, he möss sick de in de laue Sommernacht noch bi uuttrecken. Jüst met Wien sall man de Lüe erst gar nich up dumme Gedanken kuemmen laoten. Drüm: Schön adrett, dat Etikett. Auk hier könnt us de Franzosen guet helpen. Ick häb es hört, met ’n Chaiselounge van so ’n Château Sounso, könn ‚m an sick nix verkehrt maaken. Et is aower män doch ne Wissenschaft för sick, met all de Wiene samt Etiketten un so.

Gott Dank is dat bi us Beerdrinkersmannslüe eenfacher, offwuohl wi et met dat Beer nu auk wier nich eenfach so slören laot‘. Oh nein. Dat geiht met dat Beerkaoltstellen all los. Drüm binnet wi us an den Grilldag auk all an‘ fröhen Naomeddag ne schöne Schüötte üm un verkruupet us in‘ Keller. För us Mannslüe is dat so es kuoken, so, as wenn Fraulüe den Herd anstellt. Ganz gediegen, aower Fraulüe verstaoht so wat nich. Nu ja, dat bruukt se jä auk nich. Aower waorüm willt Fraulüe eenlicks immer all’s verstaohn? Un dat nu auk noch bi de Grillgetränke! Dat heele Hen un Her dao so bi, dat mäck us Mannslüe nich selten ganz rammdösig. Nix es Irritationen! Un doch geiht et an‘ End jä doch bloß wier so üm de Gesundheit met all dat „stille Waater“ orre den „drüügen Wien“; beidet ja nu auk in Zimmertempratur. Nich dat se sick de gar noch bi verschrecket, bi düsse Art „Schluckimpfung“. Nu ja, wi gönnt iähr dat.

Doch auk wi Mannslüe bünd längst nich dumm, wenn et bi de Grillgetränke üm use Gesundheit geiht. Doch statt vörsichtig an drüügen Wien to nippen, doo wi leiwer kippen. Tschä, usereens weet et wuohl: „Hopfen un Malz is guet för ’n Hals.“ Un et mäck glieks auk noch schön. Drüm bruuket wi Mannslüe us auk nich schminken.

Kick, so is dat alle met de Grillgetränke. Gewusst wie!