Maries Schüötte

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Denk ick an mien Möhn Marie, is et mi vandage noch warm ümt Hiärt. Möhn Marie wör ’n guet Menske, alltiets flietig un fromm. Lange is se all daut. Ick kannde Marie bloß in Schüötten. In twee Sätze könnt ick iähr naosäggen:

              Was wir auch brauchten hier im Leben,
              hat deine Schürze uns gegeben.

     Ja, Möhn Marie un iähre Schüötten, se gehörden tesammen, guet Linnendook, maol mit blaoe Pünkskes, maol mit griese Striepen. Muorns bi et Antrecken kamm glieks de Schüötte demit üm.      Twee Handgriffe üm de Hüften, un schon flögen de Driägers auk all üöwer de Schullern. An’ Latz, rechte Siet üöwer de Buorst stöcken, so es ’n Orden, immer twee Sicherheitsnaodeln; im Falle eines Falles glieks to Hand. So konn de Dag kommen.

     Wi Kinnner höölden us an de Schüöttenden faste, wenn et in’ düüstern Keller göng orre et ansüss nich ganz geheuer wör. Un leip de Niäs, so konnen de Lütken in den Schüöttend auk ruhig es maol snüöttern. Üöwerhaupt den Schüöttenend! Se tröck daomit heete Pötte von de Herdplatte, drüegelde sick de Hande dran un wiskede sick den Sweet von de Plääte. Sogar Fleigen dai se demit von ’n Disk bandieseln (verscheuchen). Buuten höölt se mit eene Hand den Schüöttenend faste un streide mit de ännere Höhnerfuor uut de Schüötte … Annermaol gaff se mi leckere Appels daoruut, kuort vörher in Vörbigaohn von’ Baom plücket. Män et konn auk sien, dat se in de Schüötte von buuten weg Backspellers (Holzstücke) för de Kuokmaschin harindröög. Un woll dat Füer nich flackern, stellde Möhn Marie de Herdklappe wiet up un weihde üörnlick mit iähre graute Schüötte herüm. Göng et es maol an’ Iärftendöppen, smeet se de Iärften int Pöttken un de Schoten bleewen in de Schüött, üm se dann naoher buuten up ’n Messhaupt to smieten. Plädderde sick buuuten maol ’n Schuer Riägen uut, leip ick äs Blaage bi iähr gau unner de Schüötte un kamm so drüüge int Huus.      Eenzig sunndags, dao harr Möhn Marie iähre witte Schüötte üm, frisk stärkt un glatt büegelt. Un ohne Sicherheitsnaodeln. Auk wenn mi nix feihlde, moss ick nu garantiert schnöttern; denn dann kreeg ick von iähr ’n richtig fien Sunndagstaskendook, akkraot faltet un glatt büegelt. Aower wo giff et dat vandage noch?

Bremsen sind ganz wichtig

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Den Melkbuur Löcken was mit sienen nie’en Bullitransporter män eenmaol guet tofriar. Un mit de nie’e Straßenverkehrsordnung kam he auk wuohl terechte. Daoför wör he heelmaol best geschäftsmobil. Mit den blitzblanken Melktank derin, göng kien Griff mehr fehl un de Melke leip män so in Pötte un Düppen. Löcken wüss genau, wuvull Liter för wat Lüe in de Melkpötte moss. Fröhmuorns, wenn all’s noch schlööp, stönnen de Pötte ja all all vör de Döören. Laaterhen küerden dann wat Fraulüe in‘ Bademantel noch wuohl gern mit em. Doch wüss de Melkbuer wuohl, daomit ümtogaohn. Geschäft göng vör, süss kaim he ja auk gar nich rund debi. An sick lött sick denn auk bi Löcken noch wuohl säggen: „Er wandelte in Ehren auf seinen Pfaden“, Spruch des Herrn.  

Up ’n Friedag maol wör he fröhen Naomeddag all mit siene Runden feddig. So konn he den Dag üöwer noch guet änners wat doon. Drüm föhrde he flott nao Huuse. Dat göng auk ganz guet dao up den langen End von de Wadelheimske Chaussee. Dao söhg he wiet vör sick, up de verkehrde Straotensiete, nen Radler rümtrampeln, so dat Löcken, gemäß den § 1 von de Straotenverkehrsordnung, mit dat Tempo trüggegöng. Wör auk guet so, denn kuort vör em dreihde den Flitzfink ohne Handwieser eenfach twiärs üöwer de Straote un böög ossig in de Wieskentraot herin.

Deibel nä! Dat konn Löcken nich dörgaohn laoten. As he den Renner up sien Rad vörsichtig inhaalt harre, söhg he, dat et Bruno uut Landersum wör. Löcken dreihde de Schiewe runner un sää: „Du, Bruno, du bis iäben, ohne Handteeken un ohne di ümtokieken, twiärs üöwer de Straote föhrt. Also, wenn miene Bremsen nich so guet wären, härre et dat gröttste Unglück geewen konnt!“

Schnuuwend steeg Bruno von sien Rad, reckte sick piel dör, keek Löcken nickoppend an un mennde: „Jaja, Löcken, ick weet, ick weet. Bremsen sind ganz wichtig. Dao häw Ji wuohl recht, Bremsen mött‘ immer guet in Schuss sien!“

Se wören an sick ganz fromm

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Wat mien Onkel wör, dat wör auk nen Otto Pötter. De konn de eenlicks wuohl wat von; schööt bi de Schützen gar maol den Könnig un wör mit de Ersten bi de CDU in Rheine. Siene Frau, eene uut de Metropoltheaterfamilge her, harre mehr Kunst in‘ Kopp un wör SPD. Se süngen also mit twee Sort Stimmen. Se süngen aower ohnehen beide gerne. As se laaterhen in Österriek liäweden, kümmerden se sick glieks üm ne nie’e Üörgel för de Bludenzer Alpenkerk; denn mit de aollen Trööten wollen se den schönen Singsang nich gerne doon. Oh ja, iähr Pläseer lööten se sick wuohl  wat kosten.  

     Aower auk all hier bruukten se daomaols nich graut up nen Pennig kieken. Se harren gar ’n Denstwicht bi sick. Mitdem wör immer eenen an de Dööre wenn et es klingelde un de beiden Huusscheffitäten unnerweggens wören.

     Nu pingelde et auk es wier. Et schinn, et wör wat Christlickes, wat mit nen Klingelbüül an de Dööre stönn. De Mann, blaute Fööte in Sandalen, spröök glieks recht fierlick uut sienen Baort. Et wär ja bekanntlick de „christliche Nächstenliebe als Eingangstor des Seelenheils“, de et in sick härre. Bi de stäödige Huusdööre härr he sick dacht, dat he hier sicher mit wat „Großzügigkeit rechnen …“  Dat könn he nich, kreeg he to hören. „Die Pötters sind außer Haus“. Se sömms sätt de män knapp bi un könn hier nu nich auk noch för de armen Siälen …

     Ja, off he dann villicht es ’n anner Maol un üöwerhaupt, off de Pötters denn wuohl ne gottgefällige Familge wören?  Dochdoch, nickoppede dat Denstwicht, de Pötters wören an sick ganz fromm. „Die gnää Frau geht wohl in die Kirche und ihr Mann is ja in de CDU.“

Zu meiner
plattdeutschen Schreibweise

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Das Hochdeutsch ist eine Schriftsprache, das Niederdeutsch hingegen eine Lautsprache ohne eine allgemeinverbindliche Orthographie. Es gibt nicht „das richtige Platt“. Meine Schriftweise entspricht weitgehend dem sogen. Wibbelt-Platt, nach dem plattdeutschen Dichter und Pastor Augustin Wibbelt (1862 – 1947). Da alle meine Bücher „mit einem weit reichenden Radius“ (nördlich bis ins Emsland, südlich bis an das Ruhrgebiet, westlich bis an die holländische Grenze und östlich bis in Ostwestfalen hinein) im Aschendorff-Verlag Münster erscheinen, ist auch eine weitgehend angepasste Schreibweise unumgänglich. Das bedingt, über die jeweiligen Sprachgrenzen hinaus, Formulierungen und Schreibweisen, die mehr oder weniger allgemeinverständlich sind. Daher sind auch (in Klammern gesetzt) besondere Ausdrücke und Redewendungen mit hochdeutschen Übersetzungen versehen.

     Was dem Leser vielleicht schwierig erscheint, zeugt andererseits von der Vielschichtigkeit dieser alten Sprache, älter noch als das Hochdeutsch und einstmals sogar die Sprache der Hanse. Heute zeigt sich uns das Plattdeutsch in unserer Region immer noch durch historisch gewachsene Sprachgrenzen, womit auch die Ausdrucksweisen variieren. So redet man in Rheine und um Münster herum „dat Mönsterlänske Platt“, auch „Kleiplatt“ genannt (sprechen = küeren). Nördlich von Rheine, in Niedersachsen spricht man das Platt breiter, behäbiger; es ist „dat Emslännske Platt“ (sprechen = praoten). Südlich, so ab Recklinghausen, klingt „ohne groot Vokabels un Schisselameng“ das Ruhrgebiet mit durch (erörtern = bekaakeln) und westlich, Nahe der niederländischen Grenze, wird „Sandplatt“ gesprochen.

     Bei all dem hielten Katholiken (Katholschen) und Protestanten (Luddersken) früher Abstand, was auch wiederum Sprachspuren hinterlassen hat.

     Das Niederdeutsche ist also alles andere als eine homogene Sprache. Die niederdeutschen Dialekte weisen aber infolge ihrer gemeinsamen Herkunft eine ähnliche Grundform auf, so dass jeder, der „sein“ Platt kann, auch „das andere Platt“ versteht.   

     Wurde es aber früher offiziell, so bediente man sich (über Dialektgrenzen hinweg) der hochdeutschen Kanzleisprache. In der hochdeutschen Grammatik ungeübt, kam es oft zu ungewöhnlichen Ausdrucksweisen; so jemand sprach dann „Hauchdüütsch mit Striepen“.

     Analog dazu steht bis heute im Katholizismus das Kirchenlatein. Doch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) forderte die Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ (1963) in der Liturgie mehr den Gebrauch der jeweiligen Landessprache. Wurden die kirchlichen Grundgebete ohnehin seit Jahr und Tag hochdeutsch gesprochen, fand die plattdeutsche Sprache nur in recht bescheidendem Maße Eingang in Kirche und Andacht. Von daher war für mich „Dat plattdütsch Gebiädebook“ eine besondere Herausforderung – siehe Menü: Geistlicket up Platt.

     Aus vielen Zuschriften meiner Leserinnen und Leser aber weiß ich, dass alle „Pötter-Bücher“ mit etwas gutem Willen („man mott sick de auk ’n bettken mit befassen“) auch gut zu lesen sind. Mein Tipp: Lesen Sie leise vor sich hinsprechend, dann liest es sich leichter und es klingt zugleich recht natürlich, was beim Lesen denn auch oft schmunzeln lässt. Ja, Plattdüütsch lesen, dat is immer recht plaseerlick.

Bild: Privat

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Stutenkerl un Piepenkopp

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Also dat is jä starken Tobak! Nich dat ick dat Smööken fienküeren will, aower de rabellsken Nichtrauchers gaoht apatt män doch wat wiet. Nu häbt se gar den Stutenkerl mit siene Piep upt Körn nommen. Also et giff doch  vandage baolle nix mehr, wo se nich wat in finnet. Üm nu nich auk noch Stutenkerlpiepkes antolaupen, häbet sick de „innovativen Stutenkerlpfeifenfreunde“ nett wat infallen laoten. Düsse gewitzten Erfinders fimmeleerden sick Fleitepiepkes deruut. Ja, dat is waohr! In de Volkshochschule laupet all de ersten Kurse: Die neue Flötentechnik im Umgang mit der modernen Stutenkerlpfeife.

     Unner us: Villichte wör et gar nich so verkehrt, mit so nen Stutenkerlpiepenkopp es nao ’n Pyschater to laupen, nich dat man bi dat Trällern noch dördreiht. Guet müöglick, dat dao all iäbenso den een off ännern Stutenkerlbäcker sitt. De Kopp hät so jä all genoog mit immer düsse Backstuobenhitze to doon. Un nu auk noch den leidigen Stutenkerltamtam. Dao kann licht wat bi uut de Spuor laupen. Nänä, dat is män alle gar nich so eenfach.      

     So kam bi den Bäcker Blanke hier vör Jaohren auk es so üm den 6. Dezember harüm nen stäödigen Hengst in den grauten Backstuoben harin geklappert un wieherde: „Kick, Blanke, auk flietig?“ Un glieks fröög em dat Dier: „Ach, wat ick säggen woll, krieg ick hier wuohl schöne Stuten?“

     Mann, stell di so wat es vör! Den Bäcker Blanke keek auk heel unwies von sienen Backtrog up, greep sick verbaast an‘ Kopp, wiskede sick den Sweet von de Plääte un spröök: „Also nä! Du büs mi jä villicht ’n Kerl…!“ „Dat machs wuohl säggen“, nickoppede den Hengst, „ick sin auk män eenmaol gerne nen Stutenkerl…!“

     Kick, auk wier so wat, wo bloß noch säggen kanns: „Kerl, Kerl, Kerl, dat de Lüde et nich hört.“ Un dao blief nu auk noch etepetete bi. Ick sägg ja, alle gar nich so eenfach. Hauptsaake man kömmt de nich ganz bi in‘ Knüpp. Ansüss mott man sick de män alle dumm mit hendoon. Süss steihs erst recht unner Damp – un eher di ümkicks is all Wiehnachen. Nänä, jüst nu män schön langsam an. Is alle all unwies genoog in de Welt.