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Wenn nu in’ Hiärwst de Drachen stieget,
hauch üöwert wiede Stoppelfeld,
un Baime bunt dat Löchten krieget,
dann suust et frisk wier dör de Welt.

Et wörmt nich mehr de Sunnenschien,
fröh winkt de Aobend, niäbelnatt;
Nachtküllde plücket sacht un fien
egaolweg nu so Blatt üm Blatt.

Streng giff de Hiärwst sick mehr un mehr,
as sach he ernst: „Wat mott, dat mott.“
De Kattuul (Schleiereule) röpp et auk deher;
de Rüer kläfft hall (laut) dao uut sien Schott:

„Et schinnt, de Tieten ännert sick!“
De Hiärwst gemahnt et resolut,
dat Jaohr krich nu es wier en Knick.
Tatsächlick is baoll wier Kehruut …

von Ruth Beering, Raesfeld – 7. Februar 2020

Bild: Heimatverein Raesfeld

Der Heimatverein Raesfeld hatte zusammen mit dem örtlichen Bildungswerk zur plattdeutschen Dämmerstunde mit dem Schriftsteller Otto Pötter aus Rheine eingeladen. Vor vollem Haus und bei stimmungsvollem Licht servierte der Autor aus Rheine mit lebhafter Gestik und in unterhaltend ansprechender Art und Weise plattdeutsche Feinkost. Dabei gab er köstliche Häppchen aus seinem Buch „Heile, heile Hänsken“ zum Besten.

     So machte er mit seinem anrührenden Gedicht „Ich sin de wier“ nach langer Abwesenheit auf die Rückkehr in seinen Heimatort aufmerksam, in dem sich nach Jahren viel gewandelt hatte und er „de Tiet nich mehr trügge dreihen“ konnte. Liekers wör he froh, wier to säggen: „Ick sin de wier“.

     Neben Besinnlichem, was Herz und Seele fein berührte, unterhielt Otto Pötter die zahlreichen Gäste auch famos mit kurzweiligen Geschichten und Gedichten. So, als er beispielsweise aus „Käthes Kurzwarenladen“ erzählte, wo es nicht nur „Knöppkes un noch maol Knipp-, Knapp-, Knöppkes“, sondern obendrein immer noch manch guten Rat fürs Leben gab. Auch „de Schüötte von Möhn Marie“ war für alles gut, aber nicht nur „äs Pottlappen“, sondern ebenso zum „Hande affwisken, Fleigen wegbandieseln und Schnöttern van de Kinder“. Köstlich!

     Bei dem kurzweiligen Vortrag von Otto Pötter zeigte sich der Autor als Meister brillianter Alltagsgeschichten, in denen Facetten des täglichen Lebens aufleuchten, humorvoll aber auch „sachtsinnig“, stets mit einem feinen Gefühl für das Besondere. So sind auch seine Bücher nicht nur „einfach mal was auf Platt“, sondern etwas Besonderes für jeden heimischen Bücherschrank und beste niederdeutsche Lektüre. Dass er es – wie heute kaum ein anderer – „drauf hatte“, bewies der Meister des Plattdeutschen fabelhaft an diesem schönen Abend. Die Zuhörer waren vom Dämmerstündken begeistert und dankten mit viel Applaus.

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Melodie: Der Kuckuck und der Esel

De Kattrien … fiert Geburtsdag
(Oder: Us Bäänd …, de fiert Geburtsdag)
un wi (ick) doo(t) gratteleern.
Wi sägget: Vivat, Vivat! – Un noch maol: Vivat, Vivat!
Willt schön us ameseern – nett, munter ameseern.

De Jaohre bünd verfluogen
un doch föhlt wi us jung.
Dat is gewiss nich luogen, nänä, dat is nich luogen:
Dao hät noch nix nen Sprung, wi bünd noch guet in Schwung!

Drüm nemm wi nu dat Gläsken:
Prost Kattrien … bliew gesund!
(Oder: Prost Bäänd …, bliew schön gesund!)
Wi stickt auk an nen Kääßken…,
(eine schöne Kerze wird angezündet)
nen fien Geburtsdagskääßken …
Dat hier us löcht de Stund – met Di in düsse Rund‘.

Laot‘ us nu lustig fieren
un praoten nette Tön.
Van schöne Tieten küeren – un süss an Nix us schüeren,
dat Liäben is doch schön – wat is dat Liäben schön!

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Worde wären Schall un Rauk, so hett et bi düssen Fuust von Goethe. Nu häff Goethe sick ja bekanntlick so allerhand infallen laoten. Aower auk nich immer ohne Nebenwirkungen. Well vull sabbelt, lüch auk vull. Drüm sin wi hier an de Iemse auk gar nich so dumm. Denn dat Quatern alleene mäck et nich. Schon gar nich, wenn et bloß Schall un Rauk is. Wenn, dann mott et auk sitten. Drüm härre sick düssen Goethe hier vull Worde auk sparen konnt.

    Up Platt is selten wat Schall un Rauk. Hett et villicht: „Keggen rieke Lüe prozessen un keggen den Wind anpissen, dat geiht immer an de eegene Buxe“, is dat all’s annere äs Schall un Rauk. Dat sitt. Dat bruuket wieders kiene Worde mehr.

    Et geiht aower auk ganz ohne Worde. Nemm bloß de Gäörnerses. Nen Sabbelkopp krich in en Gaoren nix terechte. Doch jüst bi stillke Gäörners, geiht et propper to. Et is aower nich so, dat Gäörners iähren Kopp nich bruuket. Dat denk nich. Se doot gar mit Planten un Bloomen praoten, aower bloß stiekum, in Gedanken. Un jüst daobi daien et de Gewächse ümso biätter. Tschä, gewusst wie!

    Mi göng dat Untüüch (Unkraut) nich uut en Kopp debi. Unner us: Leit et sick met all dat verflixte Quengelgröön in en Gaoren nich auk wuohl schimpen? Daokeggen schinnt mi alle düsse finessigen Chemieformeln van de Agrarinschinöre Schall un Rauk. Wat juckt dat de Quecken? Se wasset de ümto! Auk könnt ruhig de gröönen Wiesepitts met noch sovull stinkige Nieddeljüche (Brennnesseljauche) rümsplentern, dat Untüüch lött sick devon nich unnerkriegen. Aower ick weet et tüskentiets biätter.

    Psst … Ick häb för mi ümstellt. Fuust in de Taske un dann män derbe schimpen. Jaja, tatsächlick lött de Giersch den Kopp de all bi hangen! Mi schinnt, dat löpp guet. Bloß miene Frau meint, ick leip lessen Tiet lück brastig. Nu ja, so ganz ohne Nebenwirkungen geiht et wuohl nich.

 

Plattdeutsche Pötterbücher aus dem Aschendorff-Verlag Münster
Immer wieder was Feines von hier!