Winterwiehnachtsduft

Sitt he dao immer noch in de Mall, de aolle Mann? Tatsächlick. Ja also, dat sind jä nu Stunden all wuohl! Also so wat …

Kopp up de Hande stüött‘, de, middig, tüsken de Beene, sienen Krückstock haollet, geiht et hellsk (arg) her dao üm em to: Quengelnde Kinner, elegante Kauplüe, klüngelige Strubbenickel (ungepflegte Tagediebe), wehrige Driewnacken (Antreiber), Hinkebeene, lück pluusterige Gaffeltangen, aapige Hippenköster, Pröffkes (gedrungene Menschen) un Slakse (Slakedarius, großer Mann), Büerkes, Hahnemännkes, Slawiner (Herumtreiber), gecke Gentler, üöwerbüörstige Damens un an Herrn un Frau Dokters sicher auk so wecke. Üöwerhaupt, van all’s so wat un van dat noch mehr, dat pättket, trödelt un schüff sick nao hier un dao, Upzug rup un Rulltreppen daale, egaol so üm em rüm.

Ineens daobi wabert ne Bruuse van Stimmen; Singsang un Melledien van Gott weet woher, maol met nen Viggelinenschwall, dann gar wat uut ’n Dudelsack (Akkordeon) samt Gejamke un Geplärr, Gesabbel un noch mehr. Kannitverstann döt winken.

Bild: pixabay

Buoben flittert in LED-Löchten bunte Belder. Daotüsken grell in XXL: Unsere exklusiven Weihnachtsangebote, Wünsche werden wahr, Weihnachtszauber, Laternenglanz, Sternenstaub, Winterweihnachtsduft …

Wenn ick em up de Bank so bekieke, fraog ick mi: Krigg den aollen Mann dat dao eenlicks alle wuohl so mit? Et schinnt, he kick – un he kick doch nich. Bloß aff un an weiget he sick met sienen Krückstock so iäben hen un her, wenn et wier geiht: Jingle Bells, Winter in Canada, Alle Jahre wieder, Fröhöliche Weihnacht überall…

De Mann kick up. Fröhlicke Wiehnacht all? He kick, as woll he fraogen: „Wat för ne Wiehnacht is dat hier üöwerhaupt? Et is män doch jüst erst Advent.“

As he Kind wör, daien se fasten in‘ Advent! Fasten up Wiehnachen hento. Höchstens maol gaff et nen Braotappel. Hmm. In Tweedüüstern still üm de mollige Kuokmaschin sitten un met Mama up de gloinige Herdplatte kieken, wo nen rauden Boskopp zissen (zischen) un wat blubbern dai. Hmm. Wu dat röök! Jüst nu blitzt et dao buoben an de Reklametaofel wier grell up: Winterweihnachtsduft…

Braotappels in‘ Advent, dat harren se, tesammen met de Kinner, auk bi sick in Huuse bibehaoll’n. Män hier?

Van Braotappels nix to ruuken. Daofür nen Ruukgemengsel (Mischung) uut Pizza, Pommes, Peking-Ente un Parfüm. He snüüterde sick in nen heel kruus Taskendook. Nu nahm he es deep Aom. Et schinnt, as röök he dör den Mischmaschruuk backheete Boskopps, lecker met Kaneel (Zimt), weeke Krinten (Rosinen) un… Et gaff kienen schöner’n Winterwiehnachtsduft.

He reckt sienen Puckel piel dör – un stüött‘ sick glieks wier up sienen Krückstock. Un so sitt he dao un sitt – alleene, dao, wo „Wünsche wahr werden“…

Wo könn he bi dat Wiär auk hen met sien Rheuma? Frau daut. Kinner uut ’n Huuse. De Rente män minn. Hier aower göng et an sick noch. Eenmaol alle Prööbkes dör, dat sparde all ne guede Maohltiet. Kloo wör auk sauber samt Seepe un warm Waater. Wat mehr? ’n billig warm Sitten wör dat. Un dat Fasten nu üm düsse Tiet, dat wör em jä auk nich nie. Üöwerhaupt, he woll sick jä nich beklagen. Wenn bloß de lecker’n Braotappels nich wören.

Ach, ach, ach, Winterwiehnachtsduft…

Oh je, nu sind em up maol de Aogen fuchte.

Ick gleiw, ick gaoh de es hen…

 

Siehe auch die vom Autor im Aschendorff Verlag Münster erschienenen Bücher:

  • Liekuut, liekan
  • Hackemaih
  • Bömmskes & Bömmelkes
  • Notizen von Fietsen un Miezen
  • Kalennerblättkes

Empfehlenswert ist auch die Hörbuch-Audio-CD So is se, use Art

Bestellungen unter Tel.: 0 59 71 – 40 54 15
(Montag bis Freitag von 10 – 12 und 15 – 17 Uhr)

Wiehnachtsklockenklang

Bild: pixabay

Ick vergiätt nich miene erste Wiehnacht 1972 „fern der Heimat“, heel ferne, up de ännere Siete von de Welt., buoben in de Berge von Mexiko bi de Otomì. Backend heet wör et an düssen Hilligen Aobend. Wi satten buuten vör de Döör tohaupe un dreihden an usen „Kurzwellenweltempfänger“ harüm, üm üöwer de Düütske Welle wat to Wiehnacht uut de Heimat intofangen. Computer, Internet, Smartphone orre süss so wat, dat gaff et noch nich. Nich maol nen Fernseher harren wi. Un dat naichste Telefon wör auk män noch wiet. Dao kann et di an so Dage all änners bi wiär’n.

     Dann up maol, lück mit Hall, heel wiet weg uut „den Äther“, ne Stimme: „Hier ist die Deutsche Welle, wir senden nun nach Zentralamerika … Die Glocken des Kölner Doms läuten die Weihnacht ein …“ Mucksmüüskenstill lusterden wi nu up den fierlicken Wiehnachtsklockenklang mitsamt den „dicken Pitt“. Use Hiärt schlöög mit. Nich eenen sagg noch wat. Wiehnachtsklockenklang …

     Sägg hier nu nich eenen wat von Kitsch. Von wiägen dao „sentimentale Gefühlsduselei“. So kann bloß eegenköppsk eenen dehersabbeln. Ick fraog leiwer trügge, wat use Liäben denn ohne so Haolfast (Verankerung) för Hiärt un Siäl wuohl wör? Göng et us also tatfsächlick ohne Klockenklang biätter? Mi früss et (mich friert) alleene all bi düsse Fraoge. 

     Klocken häbet use Kultur formet. Se reipen muorns to Gebet, üm Gott för Frieden un Ruh in de Nacht to danken (well nich mehr danken kann, wiärd liederlick!). Meddags bi ’n Angelus höölden de Mensken kuort in, üm män nich bloß to iätten. Un de Aobendklock gemahnde Dank un Siägen för den Dag. Klockenklang verkünnigte hauhge Feste met fierlick Geluut, reip to Andachten un Gott’sdenst up, to Dööpen un Hochtieten un met deepen „Bum-Bum“, dat wier eenen gaohn moss von us. Klocken verbinnet Hiemmel un Erd, Anfang un Ende.

     Lüüdet de Klocken, finnet de Siäl Haolfast (Halt).

Bild: pixabay

     Et geiht nix üöwer Haoltfast in‘ Liäben (im Sinne von Sicherheit, Vertraulichkeit).

     All Karl den Grauten (747 – 814) suorgede daoför, dat et wiet un siet an Klocken nich feihlde. Denn auk bi Unnerwiär, Brände orre süss so Unglück mahnden Klocken to Acht un Vörsicht. Et gaff Füerklocken, Störmklocken, Daudenklocken, aower auk Zunft- un Fierglöckskes. Bi dat Bämmeln wuord glieks dat Hiärt lichter. Nich to vergiätten aower de wuchtigen Wiehnachtsklocken, de nümmsnich (nirgendwo) feihlden; denn nu reckte sick de Siäl gar hiemmelwärts. Drüm is auk den Wiehnachtsklockenklang mit nix to verglieken.      

     Et giff mi to denken, dat Klockenklang vandage nich mehr jedermanns Saake is. Well sick dao üöwer upkröppt un gar von „Lärmbelästigung“ küert, de vergett, dat düssen aoltehrwürdgen Klang use Kultur fierlick formet hät. Wenn aower sönnerlicke Kulturbanausen bloß noch mit iähren eegenen Kopp togange bünd, bliewet Hiärt un Siäle ohne Stimm debi. „Stimmig“ is dao nich mehr vull dann. In so ne Welt möch ick nich liäben.

     Un doch harren wi auk dat immer maol wier. Dann göng et mehrst glieks an de Klocken, üm Kanonen deruut to maaken. Gott bewahre! Wu schön, dat et auk änners geiht, wenn us Wiehnachtsklockenklang fierlick verkünnet: „Frieden auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.“

To Betlehem geboren

Melodie: Nach Tradition
Plattdeutscher Text: Otto Pötter

Bild: pixabay

To Betlehem geboren,
is us ’n lüttet Kind.
Wi häbt et uuterkoren,
heel andoon wi demit sind.
Eja, eja, du herzlick himmlisk Kind.

In siene Leef ganz upgaohn,
will ick so guet ick kann.
Will för dat Kind auk piel staohn
un mit em gaohn mien‘ Gang.
Eia, eia un mit em gaohn mien‘ Gang.

Dat Kind, et sall mi wiesen
den grauten, wahren Gott.
Drüm will dat Kind ick priesen
mit Hiärt un Siäl wu ‘t mott.
Eia, eia, mit Hiärt un Siäl wu ’t mott.

Daoto et Gnad mi gebe,
daonao verlangt‘ mi ’t sehr.
Dat wiehnachtlick ick lebe,
alltiets Gott gern to Ehr.
Eia, eia, alltiets Gott gern to Ehr.

Wellness-Wiehnacht

Bild: pixabay

Schlienkamps harren et lange all drup: Wiehnachten maol weg uut ’n Huuse, schön ruhig, bloß de beiden. Waorüm nich? Se wören jä auk nich mehr de Jüngsten un dann dat Huus vull, dat göng män nich mehr alle so flott. So harren de Kinner iähr es ne Wellness-Wiehnacht schonken. Kiene Fierdagswehrerie un doch ganz in dulcio jubilo („in süßer Freude“). So de Post, uut dat fiene Wellness-Hotel. Kick, wenn dat nix wör …

Dao satten Schlienkamps nu auk all in‘ Whirlpool to palschken. Jö! Dat de Lüe et nich söhgen. An sick aower doch ganz plaseerlick. Et göng Gott Dank jä auk ohne schwemmen dao. Nich genoog demet, woll sick Sefa dann gar noch för de Fööte ne „sehr anregende Reflexzonenmassage“ gönnen un dat Gesicht daobi es mit ne Joghurt-Maske insmeeren laoten. Bruuk jä nich eenen wietten; aower wenn nich hier, wo dann? Jopp harr sick auk wat uutsocht. Sienen Puckel bruukte et naidig maol wier. Un nie’en Schwung, well konn den nich bruuken? Oh, dacht he all heel happig in vöruut, dann soll Sefa nao de Massage es seihn, wu schön „froh und munter“ et noch göng.

Män wat sägg ick? Dao wier in iähr Komfortzimmer, woll et so recht alle gar nich klappen. Also nää! Et feihlde doch an nix. Niäben dat nüüdlicke Deko-Wiehnachtsbäömken stönn in Ies gar nen Buddel Sekt samt nen Schäölken Pralinen. Dann spiellde dat Radio auk noch fierlick: Stille Nacht … Doch dao wör et so wiet. Sefa kullerden de Träönkes män so üöwert Gesicht. Wat hölp dao noch de Joghurt-Maske? Se keek heel betuppt (traurig) drin un wehklagede: „Oh je, wat ne stille Nacht doch nu…“ Auk Jopp keek längst all gar nich mehr froh un munter. Van wiägen dao in dulcio jubilo … Nich es Luune mehr harren beide för de Wiehnachtsparty unnen in de Hotelbar. Jopp greep all nao sienen Schlaopanzug. Dao pingelde dat Telefon.

De Kinner wören dran un wünskeden iähr: „Frohe Weihnachten!“ Et göng iähr doch sicher guet dao, oder? „Oh ja! Heel best“, krückten sick beide wat terechte. Gönnerhaft kam et trügge, se härren sick dat jä auk wuohl maol verdennt. Dao reipen de beiden lütken Enkelkinner detüsken: „Oma! Opa! Wann kommt ihr denn wieder??“ „Muorn sin wi de all wier!“, reip Jopp iähr luuthals dört Telefon to. Un Sefa verspröök iähr nich minner munter: „Oh ja: Morgen, Kinder, wird’s was geben. Sollt mal seh’n, wenn Oma un Opa wieder da sind…“

Wat schön nu up maol! Se konnen gar nich so gau packen, de beiden. Jopp smeet glieks auk sienen Schlaopanzug mit in den Kuffer. Dat göng dao nu guet de Nacht wuohl ohne. „Ach, ach“ sagg he „fleit wat up so Wellness-Wiehnacht!“ Un Sefa nahm em in‘ Arm un flisterde: „Oh ja, Wiehnachten schön alle bineene, dao geiht doch nix üöwer.“

Dat is so. Un dat is guet so.

Prosit Niejaohr

Bild: pixabay

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Et is us giebben allemal,
dat wi werd öller, Dach för Dach.
Doch is för us düt Schickesal
noch lange nich ’n Schicksalsschlach.

Us Mensken Los, dat is de Tiet;
se löpp met us dör use Liäben.
Se is nich dichte bi, nich wiet,
wi mött daomet sogar noch stiärben.

Se lött us nimmer nich in’ Stich –
un renn wi auk, so heel van Sinnen.
Off et us dull mäck, orre nich,
de Tiet, wi könnt iähr nich entrinnen.

Doch guet liäben, Dach un Stund,
dat is, wat alltiets wi wuohl könnt.
Dann dött de Tiet us daobi kund:
Wiet mehr as Tiet is us gar gönnt…

De Tiet, se is all wat gediegen,
doch mäck se nich dat Liäben schwuor.
Drüm laot wi us nich unnerkriegen –
un wünsket us: Prosit Niejaohr!