O wu schön is mien Westfaolen

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O wu schön is mien Westfaolen,
löchtest wiet, mien Heimatland.
Wat ick säch, dat is kien Praohlen,
daorup geew ick Hiärt un Hand.

Böök‘ un Eiken wasset prächtig,
es de Mensken, ohne Stuss.
All’s wat is, is deep un deftig,
so auk alltiets guet in Schuss.

Wulken weiht, et löcht‘ de Sonne,
Riägen föllt, et bläss de Wind.
Erntedank dann is ne Wonne,
wenn auk Schweet nich weinig rinnt.

Hand in Hand gaoht wi et an;
denn bi’t Werken giff’t kien Haollen.
Doch is’t geschafft, so singt wi dann:
O wu schön is mien Westfaolen!

Gewidder in‘ Venn

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All’s is still un schwich.
Gewidderstimmung lich
in de Lucht. Et is bienaut.
Griesgiäll, met Schlieren, lück violaraut,

rullet Wulken üöwert Venn
un grummelt brummig vör sick hen.
Dat Moorhohn will so wat nich luoben,
verbaast kick bange et nao buoben.

Nu schreit et mit ne bange Stemm,
de rullt un kollert wiet, wiethen.
Dao fallet auk all dicke Druoppen.
Gau hät dat Birkhohn sick verkruopen.

Nen grellen Blitz, met Mordsgewalt
dönnert et nu, dat et knallt.
Un et schinnt, de wööste Riägen
dött gar dat heele Venn bewiägen.

As slabberde et met Sluckup,
so nemmt dat Tüörf den Riägen up.
Et brabbelt un et brummelt.
Et dönnert un et grummelt –

bis dat de lessten Druopens plumpst.
Von wieden noch wat Dönner bumst …
Dat Moorhohn kann sick nu wier freu’n,
et balzt de Hahn – un noch so fein!

Emsvorbild

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Der Kunstausschuss kam zu dem Schluss,
dass frei zwar wären die Gedanken,
sie dennoch aber bräuchten Schranken,
damit geäußert würde nicht nur Stuss;

das gäbe Anlass oft zur Klage.
Auch gäben bei dem ganzen Schmu,
noch Dussel ihren Senf dazu,
und umso heikler würd‘ die Lage.

Wie an der Ems geredet würde,
sei vorbildlich im Sprachgebrauch,
sei Sprache ohne Schwall und Rauch,
knapp gesätzt und ohne Hürde.

Sprachsparbücher gäb’s sogar;
denn längs der Ems, an jedem Orte,
spare man der vielen Worte
und käme dennoch leichthin klar.

Die Emsart

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Als wenn sich Herbst und Frühjahr paart,
so, an der Ems, ist uns‘re Art.
Mal bläst der Wind, mal schauert’s nass,
dann wieder sorgt die Sonn‘ für Spass.

Nicht Sommerpartys mit Tamtam,
nicht Wintermärchen mit Gesang,
hier geht es ruhiger zu vor Ort,
doch schlicht gilt dafür: Wort bleibt Wort.

Hier braucht es keine große Show,
da reicht im Zirkus schon ein Floh.
Gleichwohl sind emsig wir auf Zack
und scheu’n auch nicht den Schabernack.

Auf dem Tisch steh’n nicht nur Blumen,
lieber Teller, mit Volumen.
Nach Hausmannskost auch gern ein Bier,
so geh‘n wir‘s an, so sind wir hier.

An der Ems geht’s sachte zu.
So wie die Kuh wohl mal macht „Muh“
und doch dabei noch wiederkäut,
so sind hier an der Ems die Leut‘.

Will jemand dreiste sich vordrängeln
bleibt er an einer Schleuse hängen.
Ruhe dann, Geduld, bescheiden;
Zickerei’n könn’n wir nicht leiden.

Sag auch keiner neunmalklug,
das wäre alles nicht genug.
Wem’s hier nicht passt, der soll nur geh’n,
dann ist es hier nochmal so schön.

Wir lieben treulich, mit Potenz,
die Art und Weise an der Ems.
Und sollten wir woanders leben,
die Ems bleibt unser Heimatsegen.

De Speigel lügg nich

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Marie-Theres, ganz jung nich mehr,
keek oft in‘ Speigel mit Plaseer.
Se sagg sick dao van Hiärten giän:
„Wat bis du doch ne nette Deern!“

So keek se denn auk unverstellt,
recht froh un munter in de Welt.
Et wör ne Wonne, dat to seihn,
so dai’n sick glieks de Lüe auk freu’n.

Wenn du in‘ Speigel kicks, wat dann?
Wu kicks du di daobi denn an?
Wu du auk kicks, eens is nich nie:
Et speigelt trügge sick up di!

Un bis debi auk noch so platt,
de Speigel lügg nich, glöww mi dat.
He wieset di ganz unverstellt,
wu du so drinkicks in de Welt.