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Heimat und Sprache

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Otto Pötter
Knut Kargel
Öl auf Leinen 2017

Identität

Gerade heute haben viele moderne Menschen ein Leben lang das Gefühl, nicht richtig in ihre Kraft zu kommen, sozusagen an sich selbst vorbei zu leben. Alles ist da, nur kein „sattes Gefühl der wahren Identität und Sinnstiftung“.

Dazu passt das Bild eines prächtigen Baumes, dem es an tiefen Wurzeln fehlt – und den der nächste starke Wind umwehen könnte. Menschlich äußert sich das in einem Gefühl der inneren Leere. Darüber zu reden wird als Schwäche empfunden, zumal dann doch oft so Antworten kommen wie: „Stell dich doch nicht so an, du hast doch alles. Was willst du denn noch mehr…?“ Man fühlt sich als Mensch nicht ernst genommen. Und schon lauert die Gefahr innerer Vereinsamung. Folgt gar so etwas wie die äußere soziale Verdrängung, beginnt ein verhängnisvoller Kreislauf.

Ein krasses Beispiel hierfür zeigte sich mir vor vielen Jahren während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Mexiko bei den Otomí-Indianern, deren Identität durch die sogen. „moderne Gesellschaft“ gebrochen wurde – und das bis hin zur Abwertung und Ignoranz ihrer eigenen Sprache. Wer sich seiner Sprache schämen muss, fühlt sich geächtet. Man beraubt ihn seiner Ausdrucksmöglichkeit und kappt damit zugleich wichtige soziale Kontakte. So zerrinnt auch der eigene Wortschatz mehr und mehr. Längst ist dadurch dieser einst so starke und kulturell hoch entwickelte Volksstamm durch den Mangel seiner eigenen Identität nicht mehr in der Lage, eigene, stabile Lebenswurzeln zu entwickeln. Fehlt eine gute Verwurzelung, leidet die Lebenskraft. Humane Folgen sind ein gestörtes, mangelndes Selbstwertgefühl, Mutlosigkeit, Resignation, Sinnleere und damit einhergehend der Verlust der eigenen Identität. Traurig. Doch so zeigt sich das Leiden an Heimatlosigkeit.

Wortwurzeln

Der Wortstamm von Heimat ist Heim, wie auch das englische Wort home. Es entstammt der altgriechischen Grundbedeutung κώμη (k(h)omé) von Niederlassung, Dorf oder Siedlung. Hiervon zeugen noch heute Ortsnamen mit der Endung -um, wie im Münsterland z.B. Beckum, Dutum, Landersum, Lutum, Mesum, Stockum oder Wessum. Je nördlicher aber die Orte, über das Emsland (Ankum, Baccum, Sustrum) hinaus bis ins Friesische, umso häufiger werden die auf -um endenden Ortsnamen: Baltrum, Borkum, Büsum, Ditzum, Dornum, Hilversum, Husum, Mellum, Midllum, Oldsum, Rysum oder:

Hier zeigt sich uns bis heute der englische Einfluss durch die Inselnähe zum Festland. Doch geht das engl. home wiederum auf das altgriech. κώμη zurück. Dr. Ingmar Winter, Philologe aus Rheine: „Im altgriech. k(h)omé liegt der etymologische Ursprung des Wortes Heimat. Es bedeutet ‚Dorf’. Daraus abgeleitet sprechen wir noch heute von Kommune, d. h. „dörflich“. Da die Menschen gerade früher in diesen dörflichen Siedlungsgemeinschaften weitestgehend geschützt waren, macht(e) Stadtluft ja bekanntlich „frei“. Das Wort „frei“ kommt etymologisch (έτυμος = wahr) aus dem germ. „prai„, was so viel wie „schützen, schonen, lieb haben“ bedeutet.

Ein urmenschliches Synonym für „Geschütztsein“ ist die Mutter. Obwohl unsere Kultur über Jahrtausende patriarchalisch geprägt wurde, gab es nie eine „Vatersprache“ (wohl aber ein Vaterland, das – typisch männlich – verteidigt werden musste); es gab aber immer eine Muttersprache. Gerade dieses urdeutsche Wort ist die hochdeutsche Übersetzung der alten niederdeutschen Bezeichnung: Moderspraok.

Die Heimatlosigkeit wäre also „ein Verwaistsein“, so etwas wie „die Unvertrautheit des Menschen mit seiner Welt“. Damit fehlte uns Menschen etwas ganz Wesentliches für unser Leben: ein liebevolles Angenommensein, ein Eingebundensein in Freiheit. Und wo anders als in der ursprünglichen Sprache käme das zum Ausdruck?

Verwurzelung

Globalisierung hin, „Multikulti“ her, recht verstanden bedeutet Heimat nichts Trennendes, sondern vielmehr so etwas wie „tiefes Verwurzeltsein“, eine innere Verbundenheit mit mir Zugehörigen(m). Das, grundgelegt, bleibt, auch wenn man schon lange gegangen ist. Das drängt, je älter man wird, nach Rückkehr, Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Bild: pixabay

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Wer nicht zurückkehrt, und sei es nur gedanklich, dem fehlt etwas. Und wer irgendwann zurückkehrt und dennoch zögert, die heimatliche Tür zu öffnen, der wird umso fremder, je länger er wartet; die Heimat kann ihm „un-heimlich“ werde. Eine verunglückte „Heimkehr“ beschreibt Franz Kafka (1883 – 1924) in seiner Parabel:

Das „Un-Heimliche“ bedrückt, es macht Angst. Angst kommt von lat. angere (beengen, einengen), entstanden daraus das deutsche Wort „Enge“. Man fühlt sich nicht (mehr) frei, es fehlt das Vertraute. Und damit mangelt es an Zuverlässigkeit, an Halt, an Verwurzelung. Es muss sich „ein freies Leben“ entwickeln, das Halt gibt, ein Leben, das nicht einfach so aus dem Zusammenhang gerissen ist, nicht fremd daher kommt, sondern das „geschützt“, in einer vertrauten Gemeinschaft liebevoll eingebunden ist – und doch frei. Irmgard Margarete Schmidt sagt das in einem Vierzeiler so:

Man kann sein Geld und Gut vermehren,
doch Heimat zählt für sich allein;
sie schenkt uns das Dazugehören,
das tief mit ihr Verwurzeltsein.

Schutz

Wer verwurzelt ist, fühlt sich gehalten. Wer sich gehalten fühlt, weiß um Schutz und Liebe. In diesem Zusammenhang ist der Begriff „paradiesischer Zustand“ nicht übertrieben. Nicht von ungefähr heißen bis heute die Eingangs- bzw. Vorhallen von Kirchen und Klöstern Paradies.

Bild: pixabay

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Diese Bezeichnung geht zurück auf jene geschützten Orte, die der weltlichen Willkür entzogen waren (genau darauf beruft sich auch das heutige Kirchenasyl). Samt der Haustiere waren die Kirchen früher Zufluchtsstätten und sichere Horte bei Verfolgung, Krieg und Not. Einmal hier angekommen, war jeder unangreifbar, geschützt und frei; im wahrsten Sinne des Wortes konnte er sich fühlen wie im Paradies. Genau so darf sich jeder in seiner Heimat fühlen.

Vertrautheit

Menschliche Vertrautheit drückt sich immer auch sprachlich aus. Denken wir nur an das vertraute Du, das – in heutiger Zeit überwiegend – nicht sogleich jedem angeboten wird, der da mal eben unseren Weg kreuzt. Über den Namen hinaus bedeutet im vertrauten Umgang darum der Vorname „noch mehr“: nomen est omen, der Name ist ein Zeichen. Der Nachname be-„zeichnet“ meist (in bürgerlicher Hinsicht) eine Person, der Vorname jedoch vermittelt etwas Vertrautes, so etwas wie „die Herzenergie“.

Bild: pixabay

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Darüber hinaus sind gerade im Plattdeutschen die Spitz- oder Beinamen ein Zeichen schöner Eintracht. Sie waren früher weitaus gebräuchlicher als heute, denn damals gab es nur einige wenige gebräuchliche Vornamen. Handelte es sich auch noch um einen gängigen Hausnamen, dann gab es beispielsweise von Müller oder Meier gleich mehrere „Hugos“ oder „Ernas“. Also musste ein Spitz- oder Beinamen her. Hierfür eigneten sich sowohl körperliche wie auch wesensmäßige Eigenheiten, aber auch Herkunft oder berufliche Tätigkeiten mussten dafür nicht selten herhalten. Oft ging dabei der eigentliche Hausname völlig unter. Dierkens Jan war wahrscheinlich jener Johann, „de alltiets so een off anner Dier bi sick hadde“ (der immer mit irgendwelchen Tieren herumlief). Und Katuffel-Kleem war kein Kartoffelhändler, vielmehr jener Klemens, der „gerne einen mochte“, wohl über die Kartoffeln. So hatten die meisten „ihren Namen weg“. Keine(r), der/die deswegen schief guckte oder gar beleidigt war. Ach wat. Im Gegenteil: Es klingt vertraut. Das ist mehr als einfach nur Information.

In der Heimat werden eben „keine Worte von der Stange“ verwendet. Sie sind individuell „zurecht geschneidert“. Wir färben sie ein in unsere Art zu sprechen, durch Tonfall und Melodie klingen sie oft ganz anders. Hier zwängen wir uns nicht in Worthülsen. Wir sind nicht unsicher aus Angst, uns blamieren zu können. Wenn wir „unter uns“ sind, sind wir identisch. In seiner Heimat braucht sich niemand zu verstellen.

Freiheit

Heimat, das heißt: Hier darf „frei weg“ jeder so sein, wie er ist – nur nicht zügellos! Das Wort „frei“ geht in seiner etymologischen Grundbedeutung auf „lieb“ zurück, dem gemäß bedeutet Heimat auch soviel wie „füreinander einstehen, einander lieb sein“. Ähnlich zeugt von der Wortbedeutung „frei“ auch heute noch das Wort „freien“, wenn es um die Liebe geht. Und so sprechen wir ja auch vom „Freier“, der um seine Liebste „freit“. Aber auch „der Freund“ und „der Friede“ sind Ableitungen aus der Sprachwurzel „frei“.

Als Pendant zum Paradies der Kirchen bezeichnete man denn auch im weltlichen Bereich geschützte Territorien als „die Freiheit“, die in gleicher Weise den Zugriffen der Oberen entzogen waren; denken wir nur an die Marktfreiheit oder auch an „die Große und die Kleine Freiheit“ in Hamburg, womit wir wieder bei dem neudeutschen Begriff „Freier“ angelangt sind. Dass heute dieser Begriff eine abwertende Bedeutung hat, spricht nicht gegen diese Ausführungen.

Bild: pixabay

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Es ist also wichtig, aus dieser Bedeutungsschicht heraus zu erkennen, dass Heimat und Freiheit eng verbunden sind, aber nicht einseitig nur im Sinne einer Willensfreiheit, sondern ganzheitlich im Sinne einer Freiheit des Menschen. Erst frei kann er wirklich identisch sein. Der Ex-Bundespräsident Johannes Rau (1931 – 2006) drückte es einmal so aus:

Wir müssen einander achten –
und wir müssen aufeinander achten:
Nur so erhalten wir unsere Freiheit.

Und nur so ist es möglich, freiheitlich gemeinsame Werte und Normen zum Wohle der Allgemeinheit zu kultivieren. Indem ich mich auf etwas mir Zugehöriges einlasse, etwas mit dem ich mich identifiziere, was ich „an-nehmen“ kann, „ver-nehme“ ich zugleich mehr. Es ist so etwas wie ein innerer Anruf, der von mir Antwort verlangt und zu bejahter „Ver-antwort-ung“ führt. Dadurch lasse ich mich im wahrsten Sinne des Wortes kultiviert auf etwas ein, das nicht nur mir und meinem Leben, sondern zugleich auch anderen dient.

Geborgenheit

Eine intakte Kindheit vorausgesetzt, verbinden Menschen mit der Heimat immer Gefühle der Geborgenheit. Die Individualpsychologie kennt hierfür den Begriff der „Dazugehörigkeit“.

Ohne ein positives „Wir-Gefühl“ verkümmert der Mensch. Hat man jedoch das Gefühl dazuzugehören, schwinden Ängste. Dafür wächst Mut, es kann sich ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln und man achtet einander, indem man weitestgehend das tut, „was sich gehört“.

Bild: pixabay

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Was sich aber gehört, ist die Sitte, die Moral, die darin gründet, dass man „aufeinander hört“. Dieses setzt eine gelungene Kommunikation voraus, also so zu sprechen, dass man sich gut versteht. Und wer sich gut verstanden fühlt, fühlt sich wiederum geborgen. Geborgenheit setzt einen geschützten Raum voraus, in dem Identifikationsmerkmale geachtet werden. Diese Merkmale äußern sich in Sitte und Tradition.

Das Wort Sitte kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet soviel wie „die Art und Weise zu leben“. Überall wo Menschen zusammen leben, entwickeln sich ganz bestimmte Vorstellungen und Verhaltensmuster über die Art und Weise, gemeinsam in Freiheit zu leben. Hier liegen die Wurzeln jeglicher Kultur.

Vorsicht also mit „einengenden Gedanken“ bzw. gedankenloser Kritik an Sitte und Traditionen! Zwar mag das eine oder andere durchaus nicht mehr zeitgemäß sein, wie Pieper sagt, dann sollte man es eben lassen – und doch bedeutete es über lange Zeiträume vielen Menschen viel. Der Philosoph Josef Pieper (1904 – 1997) aus dem münsterländischen Dorf Elte bei Rheine hat einmal gesagt: „Wir müssen viele Traditionen umwerfen, aber die eigentliche Tradition bewahren!“

Offenheit

Was gefragt ist, ist Achtung und zugleich Gelassenheit im Umgang mit der Vergangenheit, die davor bewahrt wurzellos zu werden. Kreativität für die Gegenwart ist gefragt, um gemeinsam die Zukunft gut und sinnvoll zu gestalten. So manch Altes inspiriert(e) zu Neuem, das heute zeitgemäß der Gemeinschaft dient und förderlich ist. So wurden beispielsweise aus Windmühlen (des Mittelalters) Windräder (der Neuzeit).

Bild: pixabay

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Dominiert hingegen nur Kritik, fehlt es den Argumenten an Bodenhaftung. Wird nur das Althergebrachte bevorzugt, fehlt es den Beweggründen an visionärer Weitsicht. So ist es auch mit den aus der Sitte entstandenen Bräuchen, Traditionen und Riten. Sie sind alles andere als ein nur formales Tun, denn es gibt keine künstliche Gesittetheit. Darum auch ist weder die Proklamation der totalen Freiheit, noch der Zwang zur Selbstbeherrschung mit sittlichem Denken und Tun vereinbar.

Gesittet leben, das setzt ein bereitwilliges „Sich-fügen“ voraus, um Wichtiges für das Leben besser zu verstehen und zu gestalten; mit diesem „Durchblick“ weitet es aber zugleich die „Weitsicht“, den Blick in die Zukunft, er setzt gestalterische Kräfte frei.

Verstehen können wir das nur, wenn wir bereit sind, das aus der Sitte hervorgegangene Tun in einen größeren Zusammenhang einzu-„ordnen“, eine Ordnung, in der nicht der Einzelne dominiert, sondern das, was sich „gehört“, etwas, das jede Willkür überschreitet.

Herzlichkeit in der Sprache

Hören wir genauer hin, drückt Sprache das einfach und entlarvend präzise aus, was uns bewegt. Das geht über die zumeist sehr verkopfte Schriftsprache weit hinaus. Dialekte bzw. die gepflegte Umgangssprache lassen Herz und Seele mehr sprechen als die hochgestochene Rhetorik.

Bild: pixabay

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So machen beispielsweise gerade mundartliche Sprichwörter und Lebensweisheiten auf amüsante Art und Weise deutlich, „was sich gehört“. Sie klären Dunkles, geben neue Perspektiven, lösen lähmende Blockierungen durch befreienden Humor, richten auf und schenken Zuversicht. Um sprachlich herzlich zu sein, ist gerade die plattdeutsche Sprache so etwas wie eine altehrwürdige Schatztruhe. In ihr spiegelt sich ein „gehöriger“ Erfahrungsreichtum ganzer Generationen, Geschichten aus der Geschichte ebenso wie typische Bilder der heimischen Landschaft, die uns nach wie vor prägen. Daraus erwachsen positive Identifikationsmerkmale, die uns einander „sittsam“ näher bringen, zusammenwachsen lassen und in heimatlicher Kultur miteinander verbinden. Ist das nicht tief in uns verankert, dieses prägende Wort: „Bei uns sagte man immer …“?

„Waohrheit un Fett driewet ümmer buobenup,“ Wahrheit und Fett treiben immer nach oben. Dagegen gleicht „Gerede“ und „Ton angebendes Geschwätz“ dem Geflöte hohler Pfeifen: „Flaiten bünd huohle Piepen.“ Auf Dauer setzen sich gute Worte von allein durch. Ursprüngliches treibt nach oben, etwas, das nicht längst vergangen ist wie das Anfängliche, sondern was unabhängig vom Wechsel der Zeit etwas Gültiges an uns auszurichten hat. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Schelling (1775 – 1854) betont, dass „die Kultur gesprochene Erinnerungen voraussetzt“ und sich so erst ein gemeinsamer Mythos entwickeln kann. Der griechische Ursprung des Wortes Mythos (altgriech. μυειν = erzählen) geht auf „Erzählung“ zurück. Wir verwahrlosen kulturell, wenn unsere geistig-seelischen Wurzeln verkümmern.

Es beginnt mit einem „ungehörigen“ Umgang mit der Sprache. Wir Menschen sprechen, weil wir denkende Wesen sind. Wort und Sinn (altgriech. λογος) stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Das Johannesevangelium beginnt mit den Worten: „Im Anfang war das Wort“; hier ist nicht das Wort an sich, sondern die in uns wirkende geistige Kraft, die Weltvernunft, gründend auf den Lebenssinn, also die ursprüngliche Lebensquelle, d. h. Gott, gemeint.

Unsere Sprache dient dazu, das Denken gut zu fixieren, das Handeln sinnvoll zu regeln, die Sitten und die Tradition verständlich zu machen, die Gefühle stimmig zu ordnen und nicht zuletzt die Bilder unserer Phantasie einzufangen – also unser Leben schön und „stimmig“ zu gestalten.

Sprachlich herzlich zu sein, adelt geradezu den Menschen. Hingegen wird die Sprache lieb- und gefühllos, wenn sie in intellektueller Großmannssucht mehr und mehr „verkopft“; dann kommt immer weniger „Herzblut“ durch sie zum Ausdruck und es „menschelt“ nicht mehr.

Plattdeutsche Wertschätzung

Das bereits Gesagte bedeutet, sich „mit Herz und Sinn“ dem Sprachenreichtum der Heimat verbunden fühlen, denn unsere Welt reicht so weit, wie unsere Sprache reicht.

Dem oft so bedauerten unnahbar-kalten Umgangston beugt gerade das Plattdeutsche vor, weil es – „immer fein sachte an“, „schön bedächtig weg“ – durch seinen unnachahmlich natürlichen Zungenschlag in Gesprächen und Erzählungen die Herzen höher schlagen lässt. Vieles lässt sich auf eine liebenswürdige Art und Weise kurz und treffend sagen, was auf Hochdeutsch so gar nicht möglich ist.

Weil in einer gepflegten Sprache heilende Kräfte liegen, widerspricht es der Sitte, das Plattdeutsche kulturell nicht zu würdigen und es gedankenlos verkümmern zu lassen. Vertrauen wir darum unserem hiesigen („hie-“ = hier) Wortschatz. Er stabilisiert Sitte und Traditionen, wirkt identitätsstiftend, würdigt unsere Heimat und stützt bereichernd unser Denken und Tun für künftige Generationen.

SchlossBentlage

Bild: Andreas Pötter – Kloster Bentlage in Rheine – 2010