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Melodie: Abend wird es wieder

Aobendstund kömmt sachte,
dao döt Ruhe guet.
Baolle is et Nachte,
Düsternis all luert.

Bloß de Iemse bliff nich
aff un an es staohn;
auk iähr Swallern * schwich nich,
et mott wiedergaohn.

Es de Iemse geiht dat
us auk iämso hier,
alltiets kümp un geiht wat,
so is Liäm’smanier.

Wat för deep Begründung
dat auk kläören will,
von de Quell to Mündung
steiht dat Hiärt nich still.

Gottverlangen driff us
hier dör Dag un Nacht;
eenzig Ruhe bliff us –
wenn He hölt de Wacht.

*swallern = plätschern, raunen

„Aobendgebett (Abendgebet)“ aus Geistlicke Lieder up Platt von Otto Pötter, Hermi Sürken. Veröffentlicht: 2022.
„Muorngebett (Morgengebet)“ aus Geistlicke Lieder up Platt von Otto Pötter, Hermi Sürken. Veröffentlicht: 2022.

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Endlicks Urlaub, doch – ach, ach…
et gütt un riängt den ganzen Dag.
Glieks hät man dao de Niäse vull.
So ’n Schietwiär mäck verdreiht un dull.

Urlaubswiär draff so nich sien,
to Urlaubswiär hört Sunnenschien!
Doch krigg de Sönn et nich gedoon,
dann küert ganz anners wi devon…

Bi Fraogen wu et Wiär so wör,
wör dat up maol gar kien Mallör.
„Wi harren schier de Sönn män bloß –
et konn nich biätter, ganz famos!“

Puchet eener met dat Urlaubswiär, kanns drup an, he lügg. Dao krückt sick eener noch mehr bi terechte äs den annern. Daobi harren se vör Dagen noch den gröttsten Rochus up dat Schietwiär.

Doch giff et nu auk wier so strenge Gesundheitsapostels, de bünd dao jüst an de See ganz wild up. Denn so richtig Schietwiär, dat gäff üörnlicks wat an „maritime Reize“ un raude Bäckskes. Jaja, dat wör allemaol gesünder, äs dat Grillen in de heete Sönn. Doch well kümmert sick dao all üm?

Schietwiär hen, maritime Reize her, feihlt et an Sönne, geiht et iäben int Sonnenstudio. Orre man helpet uut de Tube guet met Tamlo nao. Tamlo mäck ja auk in‘ düüster’n Keller noch bruun. Tohuuse hett et dann. „Un dat Wiär erst! Wat harren wi doch ’n Glück mit dat Wiär! Nich to glöwen, aower alle Dage den schönsten Sunnenschien. Sönne un nochmaols Sönne!“

Schlienkamps daien nu nich minner schwindeln nao iähren Urlaub. Se wören up Baltrum wiäsen. Ganz schlimm. Riägen un nochmaols Riägen harren se dao hat. Se konnen nich nao buuten, ohne dat iähr dat Waater män so vant Gatt leip.

Hier aower mööken se de Lüe in eens män so wat van den gloinigen Lorenz (glühende Sonne) vörwies. Se flunkerden: „Bruuks nao Florida nich hen bi sovull Sönne, de wi hat häbt. Wunnerbar! Ganz wunnerbar. Van muorns bis aobends de schönste Sönne män immerto!“

Oh, dao keeken Klumps nu aower speh (misstrauisch) bi up. Also… Wu pöss dat denn bineene? Dat wören jä nu wuohl so heelmaol wunnerlicke Wetterkapriolen. Klumps wören niämlicks de glieken Dage up Norderney wiäsen. Un dao härr et bi iähr doch bloß män so guotten…

Nu ja, mennde Schlienkamp dao bloß up, Norderney, dat wör iäben nich Baltrum.

Well Platt hier küert, off lütt, off graut,
de ett auk giän dat schwatte Braut.
Un warmet Iätten, noch so fien,
dat mott all mit Katuffeln sien.

Van Katuffel, dao haoll wi von. Trüffel hen un Ratatouille her, feihlt et bi us up ’n Teller aower an Katuffel, dann lött sick an Appetit de nich vull mehr wat an küeren. Warmet Iätten ohne Katuffel, dao winket de Lüe hier bloß stump bi aff. Röpp Messjö Määtre auk bi noch so fiene Placken orre Pastinaken: „Oh lá lá!“, et nutzt em nix. Usereen kick de nich bi up, wenn et an Katuffel feihlt. Aower: Voilá!, wi schiält so wuohl gau noch mit de Biele, wenn et sien mott. So is dat: „Kartoffel dir leb ich, Kartoffel, dir sterb ich.“ Orre anners sägget: Use Sieglinde gehört demet bi, süss sin wi män, wu hett et so schön: entmutigt.
Oh, oh, von wiägen entmutigt. Denk ick trügge, so is et noch gar nich lange her, dao lagen wi Schoolkinner in’ Hiärwst 1955 hier aower met Fuck (kräftig, mutig) de Riege nao krumm up ’n Katuffelacker, Katuffel sööken. Daoför gaff et in de Schoole extra Katuffelferien! Wören de Erdappels dann aobends fien drüüge in de Schüer, föhrden Buern un Knechte Dage drup – met Piärd un Wagen orre auk schon mit Treckers – zentnerwiese Katuffelsäcke van Huus to Huus. Dao gehörde Stärke to, denn et was ne Quiälerie, bis dat dao nu vör ’n Winter auk alle Katuffelkisten in de Kellers randvull mit Tuffeln wören.
Un nu denk wi bloß es guet dreehunnertfüfftig Jäöhrkes trügge. Naodem graute Siägelschippers mit de ersten Katuffeln uut Südamerika nao Europa trügge kömen, lanneden hier bi us 1621 de ersten Katuffeln as selten Blöömkes. Use Vöröllern harren Gefallen an de schönen witten Blaiten. Tschä, wu dat Liäben doch manchs nich so spiellt. Man könn et mit Georg Friedrich Lichtenberg (1742 – 1799) auk so säggen: „Es wurde ein Blumenkörbchen angekündigt und siehe da, es erschien ein Kartoffelsäckchen.“
Nich genoog demit, gaff et baolle all üm de „Zauberpflanze mit schönem Geblüte“ vull Buhai. Heelmaol wat Besönners, stönn de Kartuffel dann gar met de Trüffels liek; van daoher auk de erste Naome Taratoufli. Wi mööken daovan Tartuffel un sließlick Kartuffel, offwuohl se genau nuommen Solanum tuberosum hett.
Tuberosum will säggen „knollig“ un Solanum wieset up ’n Nachtschattengewächs hen. So is dat Katuffelgröön auk giftig. Vörsicht auk bi noch nich riepe, grööne Katuffel. Aower auk wenn se all üöwer de Tiet bünd un keimet, sitt in de „Aogen“ Solanin. Dann gau weg demet. Drüm wören de Lüe auk lange Tiet vör Katuffeln bange. De pöcken se bloß mit spitze Fingers an.
So ’n glurigen Himphamp (argwöhnischer Umgang) mit Katuffels kreeg in‘ Deertigjäöhrigen Krieg nu up maol ’n anner’n Dreih, wo sick de Lüe vör Smacht un Elend vör nix mehr bange mööken. Un doch kamen hier immer noch erst Kruut un Rööben vör so wat es Katuffel. Bis dat hier nu de Prüüßen intröcken…
Denn 1738 pöck de Aolle Fritz (Preußenkönig Friedrich der Große II, 1712 – 1786) dör un gaff strikte Anwiesung „zum Anbau der Kartoffel als gesundes und jederzeit gebräuchliches Nahrungsmittel“. De Katuffelkämpe leit he gar van Suldaoten üöwerwachen un nannde de Katuffel „eine Knolle des Volkes“. Drüm schreef Heinz Erhardt (1909 – 1979) maol so:

Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig,
da weiß man viel, doch viel zu wenig;
so ist es weithin kaum bekannt,
dass er die Bratkartoffeln einst erfand.
Drum heißen sie, das ist kein Witz:
Pommes Fritz.

Oh ja, de Prüüßen un de Katuffeln, dat göng derbe! All in’ Siebbenjäöhrigen Krieg (1756 – 1763) wör de Katuffel „das Grundnahrungsmittel Nummer eins“. Sietdem is et Bruuk, „zur Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt (15.08.), fleißig mit der Kartoffelernte zu beginnen, denn dann ist gegen allerlei Weh und Ach ein jeder gut geschützet.“ Se wör jä auk von Anfang an all ’n Geheimtipp för…, nu ja, weeß ja wuohl. All 1619 schreef de gelehrte Dokter Caspar Bauhin (1560 – 1624) üöwer de tolle Knolle:

„Entmutigte Mannsleute in fortgeschrittenem Alter sollten die ausgereiften Erdäpfel in Wein gekocht in Scheiben schneiden und eine fette Soße darüber gießen. Heiß verzehret wird es sie erregen und wieder zu forschen Thaten der holden Weiblichkeit gegenüber ermutigen.“

Doch meint he, dat met de dicke Knolle auk „den Frauleuten“ guet to helpen wör, denn: „heiß, mitsammet der Schale verzehret, lassen sich wohlfeil danach die ehelichen Wercke besser verrichten.“ Dä! So eenfach kann dat sien! Jaja, wat nich alle för ’n Werks so mit de Katuffeln. Kien Wunner, dat wi se so giän müöget. Nänä, dao bruukt sick nich eenen bi schiämen. Daoför hett et garantiert aower nich ümsüss: „Et is vull Stärke in de Katuffel.“ Ja, genau, dao verlaot di män up. Dat is guet un gesund. Wat mehr? Oh ja:
Stärke, dat wör wat för de Prüüßen. Immer all. Immer auf zu forschen Thaten!

Siehe auch die vom Autor im Aschendorff Verlag Münster erschienenen Bücher:

  • Bömmskes & Bömmelkes
  • Notizen von Fietsen un Miezen
  • Hackemaih  –  un
  • Kalennerblättkes

Nun gibt es auch mit einer Spieldauer von über 80 Minuten

eine Hörbuch-CD , sie heißt:

So is se, use Art

und ist zu beziehen über den Copy-Shop Rheine, Tel.: 0 59 71 – 40 54 15

(Montag bis Freitag von 10 – 12 und 15 – 17 Uhr)

Buch-SignaturHackemaih heißt die gern gelesene plattdeutsche Kolumne, die seit nunmehr sieben Jahren von ihm wöchentlich in der Samstagsausgabe der Münsterländischen Volkszeitung erscheint.An jedem Wochenende nimmt Otto Pötter Alltägliches und Nicht-Alltägliches aufs Korn, um es in treffender Weise auf Plattdeutsch zu analysieren, treffend zuzuspitzen und schließlich mit einer zündenden Pointe eine überraschende Lehre aus all dem zu ziehen.

Nu guet denn – för’t Erste aower

Hendoon

Rezession von Heinz Kallhoff in „Heimatpflege in Westfalen“

Hier können Sie sich die Ausgabe Nr. 4-5 aus dem Jahr 2013 der Zeitschrift „Heimatpflege in Westfalen“ des Westfälischen Heimatbundes Münster herunterladen. Auf Seite 47 wird unter anderem das Buch „Kalennerblättkes“ von Otto Pötter besprochen. Heinz Kallhoff hebt besonders die Virtuosität der Ausdrucksmöglichkeiten, den trockenen Humor und die Liebe zur Münsterländer Heimat hervor. Das Büchlein sei auch für Ungeübte verständlich geschrieben. Die Lektüre wird ihnen durch Erläuterungen im laufenden Text erleichtert.

Die Rezension schließt mit den Worten „Ein Vergnügen sind diese Kalenderblätter allemal. Vielleicht sollte man sie nicht allzu tief im Bücherregal verstecken, sondern im Jahresverlauf immer wieder mal schmunzelnd zur Hand nehmen.“

Das äußerst lesenswerte Exemplar der „Heimatpflege in Westfalen“ ist leider nicht mehr online.

Mehr über das Buch „Kalennerblättkes“ von Otto Pötter erfahren Sie hier.