Nach dem Schunkelwalzer der Kölner Booren: Rut, rut, rut, rut sin de Ruse
Plattdeutscher Text: Otto Pötter, Rheine (2014)

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1. – Kenns de noch den Stern, de för di löcht’,
de di auk vandag noch säggen möcht:
Du bis dat Funkeln in mien Hiärt,
du bis dat Tuckern, dat nich stört.
Du bis de rosa Rose, de nie welkt.

Refrain:

Fien, ja so fien es rosa Rosen,
bis du för mi, mien leiwe Engel.
Et is so moj met di un mi,
ick sin verrückt noch immer up di –
ganz verrückt wier up’t Nie’!

Tuck, tucke-tuck so mäck mien Hiärtken,
wüpket van Glück un lött mi schunkeln.
Ja et is schön met di un mi,
ick sin verrückt noch immer up di…
ganz verrückt wier up’t Nie’!

2. – Nächtelang dör draim ick von di;
de Aogen dreiht in‘ Slaop sick gar debi.
So sin ick heelmaol weg van Glück
un häb bloß di daobi in’ Blick.
Du bis de rosa Rose, de nie welkt.

3. – Werd auk ick es aolt so irgendwann,
blief ick doch bi di en ganzen Mann!
Met di krieg ick alltiets wier Schwung,
met di blief ick all’ Dage jung – denn:
Du bis de rosa Rose, de nie welkt.



Originaltitel: Toutes Les Femmes Sont Belles
Musik: René Alfred Jonet – Frank Michael

Sitt he dao immer noch in de Mall, de aolle Mann? Tatsächlick. Ja also, dat sind jä nu Stunden all wuohl! Also so wat …

Kopp up de Hande stüött‘, de, middig, tüsken de Beene, sienen Krückstock haollet, geiht et hellsk (arg) her dao üm em to: Quengelnde Kinner, elegante Kauplüe, klüngelige Strubbenickel (ungepflegte Tagediebe), wehrige Driewnacken (Antreiber), Hinkebeene, lück pluusterige Gaffeltangen, aapige Hippenköster, Pröffkes (gedrungene Menschen) un Slakse (Slakedarius, großer Mann), Büerkes, Hahnemännkes, Slawiner (Herumtreiber), gecke Gentler, üöwerbüörstige Damens un an Herrn un Frau Dokters sicher auk so wecke. Üöwerhaupt, van all’s so wat un van dat noch mehr, dat pättket, trödelt un schüff sick nao hier un dao, Upzug rup un Rulltreppen daale, egaol so üm em rüm.

Ineens daobi wabert ne Bruuse van Stimmen; Singsang un Melledien van Gott weet woher, maol met nen Viggelinenschwall, dann gar wat uut ’n Dudelsack (Akkordeon) samt Gejamke un Geplärr, Gesabbel un noch mehr. Kannitverstann döt winken.

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Buoben flittert in LED-Löchten bunte Belder. Daotüsken grell in XXL: Unsere exklusiven Weihnachtsangebote, Wünsche werden wahr, Weihnachtszauber, Laternenglanz, Sternenstaub, Winterweihnachtsduft …

Wenn ick em up de Bank so bekieke, fraog ick mi: Krigg den aollen Mann dat dao eenlicks alle wuohl so mit? Et schinnt, he kick – un he kick doch nich. Bloß aff un an weiget he sick met sienen Krückstock so iäben hen un her, wenn et wier geiht: Jingle Bells, Winter in Canada, Alle Jahre wieder, Fröhöliche Weihnacht überall…

De Mann kick up. Fröhlicke Wiehnacht all? He kick, as woll he fraogen: „Wat för ne Wiehnacht is dat hier üöwerhaupt? Et is män doch jüst erst Advent.“

As he Kind wör, daien se fasten in‘ Advent! Fasten up Wiehnachen hento. Höchstens maol gaff et nen Braotappel. Hmm. In Tweedüüstern still üm de mollige Kuokmaschin sitten un met Mama up de gloinige Herdplatte kieken, wo nen rauden Boskopp zissen (zischen) un wat blubbern dai. Hmm. Wu dat röök! Jüst nu blitzt et dao buoben an de Reklametaofel wier grell up: Winterweihnachtsduft…

Braotappels in‘ Advent, dat harren se, tesammen met de Kinner, auk bi sick in Huuse bibehaoll’n. Män hier?

Van Braotappels nix to ruuken. Daofür nen Ruukgemengsel (Mischung) uut Pizza, Pommes, Peking-Ente un Parfüm. He snüüterde sick in nen heel kruus Taskendook. Nu nahm he es deep Aom. Et schinnt, as röök he dör den Mischmaschruuk backheete Boskopps, lecker met Kaneel (Zimt), weeke Krinten (Rosinen) un… Et gaff kienen schöner’n Winterwiehnachtsduft.

He reckt sienen Puckel piel dör – un stüött‘ sick glieks wier up sienen Krückstock. Un so sitt he dao un sitt – alleene, dao, wo „Wünsche wahr werden“…

Wo könn he bi dat Wiär auk hen met sien Rheuma? Frau daut. Kinner uut ’n Huuse. De Rente män minn. Hier aower göng et an sick noch. Eenmaol alle Prööbkes dör, dat sparde all ne guede Maohltiet. Kloo wör auk sauber samt Seepe un warm Waater. Wat mehr? ’n billig warm Sitten wör dat. Un dat Fasten nu üm düsse Tiet, dat wör em jä auk nich nie. Üöwerhaupt, he woll sick jä nich beklagen. Wenn bloß de lecker’n Braotappels nich wören.

Ach, ach, ach, Winterwiehnachtsduft…

Oh je, nu sind em up maol de Aogen fuchte.

Ick gleiw, ick gaoh de es hen…

 

Siehe auch die vom Autor im Aschendorff Verlag Münster erschienenen Bücher:

  • Liekuut, liekan
  • Hackemaih
  • Bömmskes & Bömmelkes
  • Notizen von Fietsen un Miezen
  • Kalennerblättkes

Empfehlenswert ist auch die Hörbuch-Audio-CD So is se, use Art

Bestellungen unter Tel.: 0 59 71 – 40 54 15
(Montag bis Freitag von 10 – 12 und 15 – 17 Uhr)

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Den Öllsten von Jansen, dat wör en Büül för sick. He was alltiets üöwerall un niärnswo. Egaol so de Niäs in en Wind, schipperte he up See.

     Un de Fraulüe? Dat göng an sick ganz guet. Was he es hier, harre he et met Susi. Susi schinn dat so aff un an genoog. Mehr göng jä auk nich, bi all dat Schippern. Jansen Büül sagg, he könnde as Matrosen nu maol nich guet „in den Hafen der Ehe einlaufen”. Daoför wären de Hafenrundfahrten aower auk immer ganz schön. Un göng et es wier Richtung Heimat, wochede dao jä all Susi up em.

     Se harre dao dann immer en gaaanz kuort Röcksken bi an. Ja, wäre den Rock länger wiäsen, wäre nu auk düt Vertellsel hier länger wiäsen. Aower so mott et män bis hierhen genoog sien. Män nich allto nieschierig.

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Buchbesprechung von Bernd Robben

Rektor a. D., Heimatforscher, Gleesen

Pendelt unser intuitives Empfinden bei der Tonart Dur mehr in Richtung munter, forsch, frohgemut, erfrischend, so „schwingt“ es in Richtung Moll mehr zu der nachdenklich, versonnenen, wärmenden, ja, oft auch melancholischenSeite. In diesem Buch von Otto Pötter klingen allein schon durch den gefälligen Titel behagliche Molltöne.

     Wohltuend zeigt sich bei Heile, heile Hänsken unser Plattdeutsch mehr von der sanften, warmherzigenSeite, wobei es sich dennoch immer wieder so von binnen her angenehm schmunzeln lässt. In Moll verbirgt sich ja auch das plattdeutsche mollig, also warm, behaglich, schön. Entsprechend entfaltet sich beim Lesen dieses Buches eine durch und durch gemütliche Atmosphäre. Pötters Geschichten und Gedichte sind eben „richtig fein“ geschrieben. Nicht nur das. Otto Pötter versteht es geradezu meisterlich, Sprache zu verdichten; er ist ein renommierter Dichter des Niederdeutschen, der mit Worten geradezu treffend zaubern kann. So ist dem Dichter aus Rheine wiederum ein plattdeutsches Buch gelungen, das in keinem heimischen Bücherschrank fehlen sollte.

     Dabei hat der wohl bekannteste plattdeutsche Autor des Münster- und Emslandes „seine Sprache“ nicht als Mutter-, sondern als Großmuttersprache mitbekommen.

     Denn leider wurde unserer Generation nach dem Zweiten Weltkrieg das Plattdeutsche durch eine verkehrte Bildungspolitik ausgetrieben mit der Folge, dass heute kaum noch Plattdeutsch gesprochen wird. Das ist nicht einfach nur schade, das ist ein kulturelles Desaster, denn Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut. So bleiben wir der nachfolgenden Generation ein historisches Erbe schuldig. So geht sang- und klanglos eine Sprache verloren, die die Lebenserfahrungen und Träume unserer Vorfahren auf eine ganz und gar einmalige Art und Weise beinhaltet.

     Man muss wohl erst weit in der Welt herumgekommen sein, um zu erkennen, was man an seiner eigenen Heimatsprache hat. Otto Pötter war lange Jahre „fern der Heimat“, wobei ihm besonders in Mexiko das Aussterben der indigenen Otomí-Sprache bewusst wurde.

     Wieder daheim war es seine Oma, die ihn bei seiner Rückkehr „ganz natürlich“ auf Plattdeutsch begrüßte. Das war für ihn die Initialzündung, das Plattdeutsche nicht untergehen zu lassen und es weiterhin zu pflegen. So schrieb er auf, was sein Herz bewegte.

     Wohl nicht von ungefähr wird er dieses Buch seinen Großeltern gewidmet haben, gleichzeitig aber auch seiner jüngsten Enkeltochter; denn bekanntlich ist ja die Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Glut.

     Heile, heile Hänsken, dabei glüht mollig die Hingabe an unser kulturelles Erbe; es ist nicht nur ein erlesenes, zeitloses Dokument unserer heimischen Sprachkultur, es ist vor allem auch eine wohlklingende Sinfonie des Plattdeutschen. Heel best. 

► Otto Pötter:  Heile, heile Hänsken – Fiens un Schöns samt schöne Töns – 225 S., 18,00 €
Verlag Aschendorff, Münster, 2020  –  ISBN-Nr.:  978-3-402-24655-9