In dienen Freed

Nach dem Kirchenlied: Im Frieden Dein, o Herre mein
Plattdeutscher Text: Otto Pötter
Bild: pixabay

In Dienen Freed, o leiwe Herr,
laot us nu gaohn bestärket.
So es Dien Mund us dai klaor kund,
helps Du us, wenn wi werket.
Giff’s Energie, mäcks Aollet nie,
so dat us nixnich briäket.

Gaffs us dat Best’ as Diene Gäst’,
Dien hill’ge Mahl vull Gnaden.
Düt Liäbensbraut stillt alle Naut,
hölt aff von us leep Schaden.
Et stärket us, mäck mit Frust Schluss
bi all’, de hier geladen.

Christus, wi dankt; et us nich bangt
bi all dat, wat auk kommet.
Wi nemmt et an, wu auk un wann,
so dat et us wuohl frommet.
Giff’s Energie, mäcks Aollet nie,
dann komme, wat auk kommet.

Fest sall mien Dööpbund
alltiets staohn

Nach dem Kirchenlied: Fest soll mein Taufbund immer stehn
Plattdutscher Text: Otto Pötter
Bild: pixabay

Fest sall mien Dööpbund alltiets staohn,
ick will as Christ fromm liäben.
Drüm will ick gern nao Kerke gaohn
un enst in Huopnung stiärben.

Ick dank den Herrn, de mi uut Gnad
dör siene Kerk giff gueden Rat;
ick will dao gern up hören.

Dien Liäben sall mi Biespiell sien,
nemm Du mi an de Hande.
Christkönnig maak de Siäl mi fien,
dat ick nich end‘ in Schande.

Ick dank den Herrn …

So will ick biäden, bidden di,
üm Toversicht up Erden.
Christkönnig bitte, blief bi mi,
dann kann ick glücklich werden.

Ick dank den Herrn …

Bild: pixabay

Mit Goddes Hölp komm ick wuohl an

Glooven möch ick dao,
wo Klooket is so ganz nich klaor;
wo dat Begriepen keine to schwuor
u kic as Mensk nich all‘s verstaoh.

In Demoot weet ick, dat mien Blick
hier nienich all‘s klaor seihen kann.
Doch glöw ick, dat ick irgendwann
wiet mehr erkenn, äs bloß ‚n Stück.

So will ick gaohn hier dör mien Liäben
mit Toversicht un Gottvertruun;
fromm, ohne Bang, mit guede Luun –
bis eenes Dags u kick mott stiärben.

Un dann, well weet, ja, irgendwann
ick all‘s verklöört un all‘s sick rieget,
wat wi hier nich tostanne krieget.
Ick för mien Deel gloov fest daoran.

So ‚n Glööven is wuohl keine Schann;
mi stützet dat in use Tiet.
Schinnt mi auk manchs wat schwuor un wiet:
Mit Gottes Hölp kommt wi wuohl an.

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Vorwort zum Plattdüütsch Gebiädebook
erschienen im Aschendorff-Verlag Münster

Darin enthalten sind auch die in diesem Menü
verzeichneten Lieder und Gedichte

Toversicht un Gottvertruen

Bild: pixabay

„Glooven möch ick dao,
wo dat Begriepen werd to schwuor
un ick as Mensk nich all’s verstaoh …“

Sind wir nicht oft sprachlos, wenn es um „den rechten Glauben“ geht? „Glauben möchte ich da, wo das Begreifen mir schwerfällt“; verdeutlicht diese Aussage nicht ein großes Verlangen hin zu etwas, was den klugen Verstand übersteigt?

     Unbewusst regt sich die Ahnung, dass die Ratio allein nicht immer alles richten kann; der Glaube aber, ist er auf Erhebendes hin ausgerichtet, aufrichtet. Er muss auf ein Wofür zielen, für das zu leben es sich lohnt. Das be-geistert (im wahrsten Sinne des Wortes) und weckt Zuversicht und Gottvertrauen

     Wesentliches im Leben verlangt nach mehr, mehr als die Welt uns geben kann, getragen von einer überzeugten Fiktion, die als Sinnappell bewegend wirkt. Augustinus (354 – 430 n.Chr.) sagte es so: „Unser Herz ist unruhig, bis es ruht in Dir.“ Es ist eine leidenschaftliche Unruhe, die nach Erfüllung strebt, solange wir leben; ihr kann sich keiner entziehen.

     Solange wir leben sind wir glaubensbedürftig. Das hat aber auch immer den Zweifel mit im Schlepptau. Skepsis nistet sich ein. Und so ringen wir, solange wir leben, um den „richtigen Glauben“. Wer wäre schon mit seinem Glauben fertig? Mit einem fertigen Glauben kann ich andere auch fertig machen, mit einem suchenden hingegen andere besuchen. Dabei geht es oft gar nicht um „den rechten Glauben“, sondern um Sinnerfüllung und Bekenntnis, um Zuversicht und Gottvertrauen. Und wie?

     Ich ertappe mich oft in der Begegnung des Vaters mit Jesus; dieser verzweifelte Vater, der Jesus zurief: „Ich glaube ja wohl! Und dennoch, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 23-24).

     Wie würde ich reagieren? Wahrscheinlich würde ich ähnlich ausrufen: „Herr des Himmels, schenke mir doch mehr Zuversicht und Gottvertrauen!“ Mit anderen Worten: „O Gott, o Gott, richte mich doch bitte auf aus meinen Zweifeln und Ängsten.“

     Da wird nichts schöngeredet. Wie auch, der Kopf ist ja gar nicht dabei. Schier Herz und Seele, die sich da unverhohlen melden. Käme der Kopf dazwischen, hieße es sogleich ja wieder: „Alles schön und gut, aber hoffentlich mache ich mir nichts vor mit meinem Glauben …“ Unbeugsam stemmen sich dagegen nur zwei Worte, Zuversicht und Gottvertrauen. Also: Bleibe deiner Sehnsucht treu. Trau dich, vertraue.

     Und dennoch. Wer würde nicht trotzdem immer wieder von seinen Zweifeln eingeholt? Einerseits ist da etwas, was uns aufrichtet und andererseits das, was uns einknicken, ja, oft verzweifeln lässt; tröstlich, dass es Jesus damit auf Erden nicht anders ging, als er verzweifelt ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ (Mk 15,34) Er legte uns aber auch ans Herz, Gott zu vertrauen, zu Ihm zu beten, ja, Ihn dabei als unseren Vater anzusprechen: „So sollt ihr beten: Vater unser …“ (Mt 6, 7-15). Also: Vertraut auf Seine Hilfe. Im Vaterunser geht es um Zuversicht und Gottvertrauen.   

     Bliebe wieder die lästige Frage: Und wie?

     Ein Wort nur: Beten. Das beste Beispiel dafür ist Jesus. Schon in der Morgenfrühe stand er auf, „… und ging hinaus, um zu beten.“ (Mark 1,35) Besonders Lukas bezeugt Jesu Gebetstreue immer wieder. Und auch uns gilt heute das, was im Römerbrief steht: „Lasst nicht nach im Gebet!“ (Röm 12,12) Es gibt keine bessere seelische Orientierung als das Gebet. Nur so bleiben Gott und Mensch sich nicht fremd, auch wenn Gott den Menschen von Anfang an durch und durch kennt.

     Gott aber ist heute vielen Menschen fremd geworden. Warum? Sie kreisen nur noch um sich selbst. Sie fühlen sich von Gott in ihrer Selbstverwirklichung gestört. So ist auch die Demut ihnen zum Fremdwort geworden. Schauen wir uns nur um: Die Geschöpfe wenden sich ab von ihrem Schöpfer. Es ist, als wiederhole sich, wie schon zu Beginn der Genesis beschrieben, der uralte Mythos, wonach der Mensch wie Gott sein wollte, daran aber am Ende alles zerbrochen ist (Gen 3), verdeutlicht durch den Turmbau zu Babel (Gen 11, 1-9).

     Es helfen keine Ausreden und Beschönigungen mehr, wir stehen vor dem Dilemma, dass uns die Welt aus den Fugen gerät. Umweltzerstörung, Klimawandel, Pandemien, menschen-verachtende Ideologien bis hin zu würdelosen Fake-News, die Vertrauen vergiften; all das kommt doch nicht von ungefähr. Ohne Gott geht die Welt zum Teufel.

     Dafür ist Gotteslästerung modern geworden. Christgläubige müssen ihres Glaubens wegen Häme ertragen. Über den Glauben wird selbstherrlich gespottet. Kirchen werden geschlossen oder gleich abgerissen. Und Gott?

     Gott möchte bei uns wohnen, so heißt es in der Bibel (Hes 37,27). Wohnen, das ist nicht mal eben besuchen. Nein, Er möchte bei uns sein, auch wenn wir zum Mond fliegen und hier unten die Kirchen abbrechen. Gott möchte bei uns sein in den glitzernden Konsumtempeln, die wir, neben den Kirchentrümmern, gerne nun auch schon sonntags durchbummeln. Er möchte aber auch unter den Brücken bei den Obdachlosen sein. Er möchte bei jedem von uns sein, auch wenn nicht Blumen auf dem Tisch stehen und nicht alles so etepetete ist, wie wir es gerne hätten. Gott möchte bei uns sein, wenn wir uns freuen, wenn wir die Welt umarmen könnten, aber auch, wenn wir tieftraurig, krank und verzweifelt sind. Er möchte uns nicht allein lassen. Vielleicht möchte Er nur mal wieder anklopfen, um uns zu fragen: „Na, wie is et?“ Wie wär’s denn mal wieder mit ein wenig mehr Zuversicht und Gottvertrauen?“

     Wer in Gemeinschaft oder einer Beziehung lebt weiß, dass es nicht ohne Auseinander-setzungen geht. Wichtig aber ist, sich nicht gleich abzuwenden, dafür mehr miteinander zu sprechen, ehrlich und offen. Oder es doch noch mal wieder zusammen zu wagen. Das fördert Vertrauen, Treue und Loyalität. In unserem Verhältnis zu Gott ist das nicht anders – mit ein wenig mehr Zuversicht und Gottvertrauen. Und da wären wir wieder beim Beten.

     Und gleich wieder könnte die Frage kommen: „Na ja, wenn ich bloß wüsste wie?“

     Ganz einfach. Beten. Beten lernt man durch beten. Dabei auch Jesus mit ins Gebet nehmen. Sagen, was uns auf der Seele liegt, was uns belastet und was uns freut; vielleicht auch ruhig mal fragen, wie es Thomas so geht, unserem Hauptheiligen …

     Was auch ist, wir werden merken: Wir sind nicht alleine. Es darf sich denn auch keiner als Mensch einbilden, dass die Wirklichkeit ganz und gar sein Werk wäre. In Wirklichkeit (ja, und das ist die Wirklichkeit!) ist alles weit übernatürlicher geordnet, als uns das je klar sein könnte. Das macht es doch gerade interessant, oder? Aber ohne Demut geht es nicht; einfach ein bisschen mehr Zuversicht und Gottvertrauen. Und dann ist da ja auch immer noch der Heilige Geist. Was mehr noch? 

Otto Pötter
im Plattdeutschen Gebetbuch, Aschendorff-Verlag Münster
im Jahr der Corona-Pandemie 2020

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