Et lockert wat up

Bild: pixabay

Klasings Erna was stuorben. Se harre nen schönen Daut. Erna is bi iähr Stricken eenfach so ümfallen. Nu ja, so kann et gaohn. Eenmaol löpp dat Klüüven aff (irgendwann ist der letzte Faden vom Knäuel abgelaufen). Nu göng et mit iähr nao’n Kerkhoff. Pastor Peters möök dat Begräbnis. Aower fraog nich wie!

     Dat Requiem in de Kerke was vörbi. Se wören alle all up ’n Kerkhoff un stönnen dao luurig ümt Graff herüm, wo Peters mit Andacht fierlick togange was. Fraulüe wiskeden sick de Träönen aff un Mannslüe keeken stump nao buoben, as wenn se Erna dao all sochten. Doch dao göng et mit Erna all in de Kuhle. „Oh Welt, ich muss dich lassen”, lööten Kerkenöllste dat Sark an Stricke herunner. Wu dat so is, namm de Pastor dat Schüppken mit Erde un spröök: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück …“.

     Män dao up maol merkte he, dat de Erde unner siene Fööte lück affsackte. Oh je. He kreeg noch soiäben ruut: „ … der Herr aber wird dich auferwecken …“ Un dao sprüng de Mann, so guet he konn, mit nen grauten Satz üöwer dat Graff up de änner Siete. So wat harren se dao noch nich seihn. Eher dat de Stimmung dao aower nu gar spassig ümslöög, hooßede de Geistlicke lück streng eenmaol knapp dör un dai, as wenn nix wat wiäsen wör. He reip Erna noch fierlick de lessten Worde to un sett’e achteran mit deepe Stimm dat: „Amen“.

     So wiet, so guet. Tiet drup mellte Stöppelkamps Buer in de Pastroat den Daut von Tante Thresken, de alltiets immer ganz besonners fromm wiäsen wör. Nu daien se auk Threskens Begräbnis beküeren. As se sowiet demit dör wören, meinde Stöppelkamp noch to den Pastor:

     „Ach, un wat ick noch säggen woll, dao lessen bi Erna, dat wör gar nich so verkehrt. Könnet Se bi Thresken vör dat lesste Amen nich auk noch nen schönen Sprung üöwer’t Graff maaken? Ick meine, jüst bi Thresken lockerde dat wat up …“

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