De guede Ort

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As ick noch bi de Stadt wör, kam eenmaol in’ Jaohr to Hiärwsttiet ’n Rabbiner uut Mönster nao ’t Rheinske Ordnungsamt hen. Twiärs dör ’t Mönsterland möök he siene Runden un keek, off up „de gueden Orte“, wu de Juden iähre Daudenkämpe (Friedhöfe) nennet, auk all’s noch guet instande wör. För Juden sind iähre Daudenkämpe wahrlick „guede Orte“, se verwochtet (erwarten) ja den Messias, bi dem all’s Liäben siene Vullendung finnet. Wat änners äs guet könnde dat sien?

     Hier up Erden is männig Deel nich guet. Besönners de Juden mossen dat oft  beliäwen. Doch wat se an Grüelicket bi de Nazis beliäwen mossen, dat harre bis daohen nich eenen dacht. Gott Dank is dat vörbi. Dat Minnste aower, wat wi an Affbidde noch noch doon könnt is, in Ehrfurcht iähre aollen Graffstellen instand to haollen. Denn nen jüüdsken Daudenkamp, de guede Ort, is iähr hillig för immer un ewig. Dao giff et nao Tieten kien Ümschichten orre Plattmaaken. Dat „de guede Ort“ sick also auk nao Jaohren immer noch äs gueden Ort möök, dao achtede de Rabbiner up. Un so wör he froh un dankbar, wenn de städtsken Gäörners den gueden Ort mit Hark un Bessens maol wier fien maaket harren.

Tschä, Hark un Bessen, vull mehr bruukt et eenlicks gar nich mehr, wenn et mit us hier up Erden vörbi is. Villicht noch, dat Graffsteen un Pättkes dao mit de Tiet nich verwildert. Bi de Juden giff jä all längst kiene Angehörigen mehr, de dao nao kieken könnden. Aower auk so is un bliff för de Juden de guede Ort so wat es ne Oase von Ruhe un Stille. Hier ne Bank, dao, wecke all scheef, aolle Graffsteene, Farne, Büske … Dao is di bi, as kaim et up ’n Jäöhrken gar nich mehr an. 

Ick weet noch guet, as ick vör Jaohren dat lesste Maol mit mienen Judenfrönd sachte, Foot för Foot, üöwer de lütken Pättkes tüsken all de verwitterten Gedenksteene göng. Hier un dao lagen, statt Blöömkes, akkraot Kiesel up ’n Graff. Eilaof (Efeu) krööp sietto hauch, propper maol wier gestutzt; in de Ecke, aolle Hülskrabben (Ilex) un ganz ächten twee priesherrlick aolle Bööken (Buchen), baolle ineenewassen. Wuchtig reckten se sick, nu all so giäll-raut löchtend, hiemmelwärts in de Höchte. Mi wör, as daien mi de knubbigen Stämme säggen: „Unnen sin wi deep drin un buoben häw wi Platz satt.“

Un wu aolt möch, äs Veerkant rund üm den Kamp hento, de hauhge Müer uut aolle Granitklumpen wuohl sien? Heel krumm all stemmde de Müer sick kieggen all den weltlicken Rummel, mit graute Kaup- un Parkhüüser dao üm den gueden Ort. Wu aolt? So ’n Denken tellt hier nich. Tiet spiellt hier kiene Rulle. So wat mäck sinnig un ruhig.

Mien jüdsken Frönd wiesede up de eenzige Bank sietto (jenseits) von de Müer. Wi sett’en us daal, ohne ’n Wort to säggen. Üm us to rüüskede de Verkehr. Gebrabbel von wiether, doch wi verstönnen dao so recht nix von. Egaol. Et wör män bloß so ’n Tongemengsel, mehr nich. Up maol göng achter us, naihge bi de Straote, dat Martinshörn. Wi keeken us an. De Jude tröck een Aoge hauch, stönn up un reckte sick. As wi göngen, sagg he: „Dann woll’n wir mal wieder, bis zum nächsten Jahr.“ Mi fööl daorup nix anners in äs: „Ja, die Zeit vergeht.“

Dao bleef de Rabbiner staohn, wiesede üm sick un sagg mit nen Smüüstern (Lächeln): „Der Mensch sagt: Die Zeit vergeht. Doch die Zeit sagt: Der Mensch vergeht.“ Ick nickede un dachte mi: „Bi guede Orte geiht dat …“