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Pötters Otto

Otto Pötter ( * 22.05.1948)

„Pötter macht das Platt nicht platt“, sagt man mir nach. Darüber freue ich mich; denn ich schreibe gerne „Döönkes“, kauzige wie auch nachdenklich-sinnige Kurzgeschichten, die den Alltag der Menschen hier längs der Ems liebevoll und treffend beschreiben.

Bild K.H. Conermann: Signierstunde 2017 in der Buchhandlung Eckers, Rheine

Wie ich dazu kam?

Als Verwaltungswirt und Absolvent der Verwaltungsakademie Münster ließ ich mich als Kommunalbeamter 1970 bei der Stadt Rheine beurlauben. Nach Ausbildungen bei der AGEH in Köln und einem Sprachstudium in Madrid ging es dann von 1972 – 1975 als Entwicklungshelfer nach Mexiko ins Centro Social de Cardonal, einem interkulturellen Sozialzentrum der Diözese Münster.

Die indigene Bevölkerung dort im Valle del Mezquital sprach Otomi, eine aussterbende alte Indianersprache. Darin sah ich erstmals ähnliche Tendenzen zur plattdeuschen Sprache, die meine Großeltern mit mir sprachen. Nach meiner Rückkehr aus Mexiko (von dort u.a. auch Studienreisen in die USA und Guatemala) machte ich mir die Pflege meiner heimatlichen plattdeutschen Sprache zur Aufgabe. In etwa zeitgleich erfolgte ein Studium der Psychotherapie mit anschließender Spzialisierung in Richtung der Logotherapie nach Viktor E. Frankl, einer sinnzentrierten Verhaltenstherapie. Das ermöglichte mir, in meine anschließenden Seminare interkulturelle Erfahrungen und ganzheitliche Denkansätze mit einzubringen (seit 1990 Mitglied im Berufsverband Psychologischer Berater). Freiberuflich tätig, widmete ich mich nun – gemäß der logotherapeutischen Sinnformel: „Häng dein Herz an etwas“ – mit Leidenschaft der plattdeuschen Sprache.

Mit Beginn der 1980-er Jahre erfolgten erste Veröffentlichungen in regionalen Zeischriften, Anthologien und im Jahrbuch Westfalen. Auch der Westdeutsche Rundfunk meldete sich. Von 1986 – 1996 war ich Mitglied in einem Redaktionsteam des WDR u.a. auch zusammen mit Ottilie Baranowski und Hannes Demming. In dieser Zeit wurden täglich vor den 8-Uhr-Nachrichten plattdeutsche Lebensweisheiten kommentiert. Auch wurden mehrere Hörspielproduktionen von mir produziert (siehe hierzu Einzelheiten im Menü: Pötters Werkeliste).

Seit 2006 erscheint allwöchentlich in der Münsterländischen Volkszeitung meine plattdeutsche Kolumne Hackemaih (Wortsinn: hacken und mähen; das, was nach der Ernte auf dem Acker liegen bleibt). Es sind in sich abgeschlossene plattdeutsche Kurzgeschichten, die nachweislich von Liebhabern gesammelt, kopiert, getauscht und – wie Rückmeldungen belegen – bis in die USA, nach Kanada, Manila und Mexiko regelmäßig versandt werden. Rechnet man pro Jahr 54 Artikel, so sind das bis heute bereits 600 plattdeutsche Geschichten und Gedichte. Besonders freute mich einmal die folgende Lesermeinung:

„Ich lese mit Wonne Woche für Woche die Kolumne von Otto Pötter. Zwar ist meine Muttersprache nicht Plattdeutsch, ich bin so aber ein Freund dieser wunderbaren Sprache geworden und deklariere die Texte immer laut vor mich hin. Ich wundere mich, über welchen Fundus an Formulierungen der Autor mit seiner brillianten Sprachkompetenz verfügt.
Freundlich grüßt Ihr treuer Leser Ludwig Kösters.“

Das ermutigt mich in meinem Bestreben, meine Heimatsprache zu pflegen; denn:

Us schöne Plattdüütsk is heel aolt –
et lich an us, off wi et haolt.
Wi mött’ e wat an doon, „gar sehr“,
süss giff et baoll kien Plattdüütsk mehr.

Neujahrslesung 2018 in der Fachwerkhofanlage Pöpping in Elte – Bild: Heinz Schulte, Metropoli Rheine

Wat is’n Döönken?

Ein nettes Döönken ist alles andere als ein derber Schenkelklopfer. Döönken geht auf „tun“ zurück. Die Wortwurzel ist das altgermanische „dhon“, worin auch heute noch dass plattdeutsche „doon“ widerklingt (siehe auch: Bömmskes & Bömmelkes, S. 151 – 160). Auch der „Ton“ hängt damit zusammen – und der drückt ja bekanntlich auch weit mehr noch aus, als bloß „Klang“. Denken wir nur an den „guten Ton“. Auch da klingt sogleich nicht nur „ein Tun“ mit, sondern mehr noch „die Art und Weise dieses Tuns“. Das macht, richtig verstanden, auch ein schönes Döönken aus.

Es sind oft kauzige aber auch nachdenklich machende Kurzgeschichten, in dieser einmalig trockenen Art der Münster- und Emsländer formuliert, wie man sie sonst in keiner anderen Sprache so findet. Es sind typisch plattdeutsche „Short Stories“, die den Alltag der Menschen an der Ems auf eine ganz besondere Art und Weise einfangen und deutlich machen.

Döönkes sind lebendige Zeugnisse der Zeitgeschichte

Darum antwortete ich einmal auf die Frage eines Feuilletonisten, warum ich plattdeutsche Kurzgeschichten schriebe:

Anekdoten und Döönkes spiegeln in unnachahmlicher Form zeitgeschichtliche Ereignisse, interessante Lebenssituationen und charakteristische Merkmale der Zeit wider. Sie „schön“ aufzuschreiben, das geht nur, wenn man liebt, was man schreibt – hier den Kopf, dort das Herz des Lesers anrührend. Denn eine plattdeutsche Kurzgeschichte wäre kein Döönken ohne diese Harmonie von Kopf, Herz und Seele. Erst dann sind wir ganz mit dabei. Erst dann fühlen und erleben wir die Episoden und Kapriolen manch kauziger Lebenskünstler.

Wir tauchen ein in die Ereignisse vergangener Tage und spiegeln sie im Lichte eigener Erfahrungen und heutiger Lebensverhältnisse. Wir verweilen bei außergewöhnlichen Menschen, Originale mit Ecken und Kanten, aber auch bei manch liebenswerten Verlierer.

Wir lassen uns ansprechen von den Höhen und Tiefen der unterschiedlichsten Lebensläufe, voll vertrauter Menschlichkeit. Ja, bei schönen Döönkes menschelt es auch schön. Genau das möchte ich in meinen Erzählungen widergeben. Wenn mir das gelingt, kann sich jeder selbst darin wiederfinden. Mehr noch:

Jeder selbst kann daraus fürs eigene Leben unbeschwerte Heiterkeit und Freude, aber auch wohltuende Zuversicht und Gelassenheit schöpfen.“

Foto: K-H Conermann

Foto: K-H Conermann